SwissICT fährt Defizit ein, aber...

27. August 2020 um 14:33
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Der Verband verbucht einen grossen Verlust und positioniert sich bei Startups und im Lobbying neu.

Der ICT-Verband SwissICT musste an seiner wegen Corona verspäteten und verkürzten Jubiläums-GV den Jahresbericht 2019 ausführlicher erläutern, als üblich.
Verbandspräsident Thomas Flatt musste seinen Mitgliedern nämlich ein grosses Finanzloch von 700'000 Franken erklären. Dieses konnte Flatt offensichtlich auch überzeugend begründen.
Dem Vorstand wurde die Décharge einstimmig erteilt. Die Jahresrechnung 2019 wurde ebenso oppositionslos genehmigt wie üblich.
Was ist los? Der Verband hatte in den letzten Jahren Tochterfirmen gegründet, insbesondere für den aufwändigen Digital Economy Award und das Joint-Venture 3L-Informatik mit der Schweizer Informatikgesellschaft (SI).
2019 wurden von SwissICT Abschreiber im Anlagevermögen auf die Töchter gemacht, die Aktien auf den symbolischen Wert von 1 Franken abgeschrieben. Ebenso wurden Debitoren der Geschäftsstelle für Leistungen im Auftrag der Töchter abgeschrieben und Rückstellungen getätigt.
"Der Verlust (von 700'000) trat nicht voll im 2019 ein, sondern ist ein buchhalterischer Effekt aus Wertberichtigungen und Abschreibern für vergangene Jahre sowie Rückstellungen für die Zukunft", hält SwissICT dazu fest.
Die Zukunft der Töchter wurde an der GV nicht infrage gestellt.
Das Budget 2020, das eine schwarze Null vorsieht, wurde von den anwesenden Mitgliedern ebenso kritiklos genehmigt. Geschäftsführer Christian Hunziker konnte zudem mitteilen, dass 2020 steigende Mitgliedereinnahmen zu verbuchen seien.

Eine neue Kraft im Bundeshaus

Zudem kündigte der Verband gleich zwei neuere Initiativen an. Zum einen will er für Startups attraktiver werden und lanciert eine neue Mitgliederkategorie eigens für diese. Damit stärkt er einige Zeit nach dem Swico sein Engagement mit und für Jungfirmen.
Da SwissICT mit Luc Haldimann (Unblu) und Dominik Grolimund (Refind, Silp) seit längerem zwei bekannte und erfolgreiche Startup-Unternehmer im Vorstand hat, scheint der Vorstoss erfolgsversprechend zu sein.
Ebenfalls neu ist eine Kommission Politik, mit welcher sich SwissICT stärker ins Polit-Lobbying einbringen will als bis anhin. Geleitet wird die Kommission von Alt-Nationalrätin Kathy Riklin, die ebenfalls seit einiger Zeit im SwissICT-Vorstand sitzt.
SwissICT-Präsident Flatt erklärte den Mitgliedern, man wolle sich insbesondere für den ICT-Werkplatz Schweiz und ICT-Anwender einsetzen und sei dank der Mitgliederstruktur auch dafür prädestiniert. In der Tat vertreten andere ICT-Verbände speziell IT-Anbieter (Swico), Telcos (Asut) oder IT-Akademiker (SI), während beispielsweise Banken, Gross- und Einzelhandel oder Firmen aus dem Bereich Gesundheit und Soziales bei SwissICT vertreten sind.

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