Weltpremiere: Neuseeland erlässt Standards für Algorithmen

28. Juli 2020, 14:23
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Die Regierung will Transparenz schaffen und nur Algorithmen ohne Designfehler und Vorurteile einsetzen.

Die neuseeländische Regierung sagt, sie sei weltweit die erste, die eine Reihe von Standards für den Einsatz von Algorithmen bei staatlichen Einrichtungen erarbeitet habe.
Diese neue Charta könnte alle Behörden-Algorithmen beeinflussen, ob es um eine Verkehrsampel oder Facial Recognition geht. Dieser Vorstoss sei "ein wichtiger Teil der Vertrauensbildung in der Öffentlichkeit", hält James Shaw, der zuständige neuseeländische Minister für Statistik, in der Zeitung 'The Guardian' fest.
Eine 2019 durchgeführte Überprüfung der Verwendung von Algorithmen im öffentlichen Sektor habe "eine grosse Variabilität hinsichtlich des Umfangs der Verwendung und der Art und Weise, wie sie genutzt werden" gezeigt, so Shaw.
"Die unbewussten Vorurteile von Menschen sind gut dokumentiert, und sorgfältig entwickelte Algorithmen können helfen, diese bei der Entscheidungsfindung zu verhindern. Wenn das Design jedoch fehlerhaft ist, können Algorithmen menschliche Verzerrungen aufrechterhalten oder sogar verstärken", schreibt die Regierung. Und dies soll mit der "Algorithmus Charta" verhindert werden.
Die publizierten Standards und Dokumente besagen im Kern, dass Behörden transparent machen, wie eine Entscheidungsfindung durch Algorithmen herbeigeführt wird, und dies in verständlicher Sprache. Ebenso sollen Informationen über die angewandten Verfahren und die Datenspeicherung und -weitergabe publiziert werden. Ausnahme seien Anwendungen, bei denen ein gesetzliches Verbot bestehe wie beispielsweise aus Gründen der nationalen Sicherheit.
Verzerrungen sollen identifizierbar werden, insbesondere auch bezogen auf unterschiedliche Weltanschauungen von neuseeländischen Minderheiten. So sollen Bedenken und Einwände beispielsweise der Maori gehört werden.
Mehr als 20 Regierungsbehörden gehören zu den Erstunterzeichner der Charta, meldet das zuständige Ministerium. Nicht unterzeichnet haben bislang allerdings Behörden, die in Neuseeland genau wegen Algorithmen in der Kritik stehen – insbesondere die Polizei und die Einwanderungsbehörde. Eine Unterzeichnung abgelehnt hätten aber auch diese beiden nicht, schreibt 'The Guardian'.
Den initialen Vorschlag, dass eine unabhängige Regulierungsbehörde den Algorithmeneinsatz bei den Behörden kontrolliere, ist aber in der Charta nicht aufgenommen worden. Diese ist durch eine "Data Ethics Advisory Group" ersetzt worden. Und der Staat verspricht in den publizierten Dokumenten: "Als Regierung können wir uns dazu verpflichten, offen und ehrlich darüber zu sprechen, wie wir neue Technologien in die Praxis umsetzen."

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