"Wir konnten zeigen, Abraxas schafft es"

30. April 2020, 14:20
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Abraxas weist positive Zahlen für 2019 vor. CEO Reto Gutmann erklärt warum, und wie sich die Coronakrise auf das Business auswirkt.

Abraxas erzielte 2019 nach zwei Verlustjahren wieder ein positives Resultat. Dies meldet der IT-Dienstleister. Die Abraxas Gruppe habe einen Dienstleistungsertrag von 179,8 Millionen Franken verbucht, plus Einnahmen aus Handelswaren. Zusammen betrage der Nettoerlös total 203,6 Millionen Franken. Das operative Ergebnis betrage 2,4 Millionen Franken (EBIT), während im Vorjahr minus 10,7 Millionen Franken resultiert habe.
Im Vorjahr wurde in der Medienmitteilung zusätzlich die Liquidität mit 27 Millionen Franken bekannt gegeben sowie die Eigenkapitalquote von 30,6%. Wie sah dies 2019 aus? "Wir haben die beiden Werte gehalten", erklärt Reto Gutmann im Gespräch.
Auch die Mitarbeiterzahl blieb stabil bei 824 (2018: 831), nachdem 2018 Angestellte entlassen worden waren, weil sich laut Abraxas das operative Geschäft Ende 2018 unter den Erwartungen entwickelte. "Die Unternehmensleitung musste daher Kurskorrekturen vornehmen", so die Firma damals. Damit zählt die "neue" Abraxas etwa gleich viele Mitarbeitende wie die alte und VRSG eingerechnet, verzeichnet aber mehr als 10% mehr Umsatz als beide Firmen vor der Fusion zusammengerechnet.
2019 sei ein "forderndes Fusionsjahr" gewesen, hält die Medienmitteilung fest. Gutmann präzisiert: "Wir sind in einer schwierigen Ausgangslage gestartet und wollten ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen, Druck war also vorhanden." 2018 hatte man den Verlust mit Verzögerungen von Projekten im Geschäftsbereich Steuern begründet, nun ist man in den schwarzen Zahlen. Die Steigerung sei auch auf die nun laufenden Steuerprojekte zurückzuführen, erklärt Gutmann, aber nicht ausschliesslich. "Dass die Steuerprojekte heute mehrheitlich auf Kurs sind, ist einer der Faktoren mit positiver Auswirkung. Auch schlugen die Fusionskosten nicht mehr zu Buche und erste positive Synergieeffekte als Folge der Fusion zeigten Wirkung." Zudem habe der Dienstleistungsertrag um 2% gesteigert werden können.

Die 4 Säulen der Strategie

Nachdem der vormalige VRP Eduard Gasser den Eignern versprochen hatte, dass sich die Fusion mit VRSG durch Synergiegewinne und die Bündelung des Leistungsangebots auch rechnen werde, hat die neue Abraxas inzwischen auch tatsächlich Synergien realisieren können. Die Reduktion von vier Rechenzentren auf zwei sowie die Konsolidierung der beiden St.Galler Standorte auf einen nennt Gutmann als Beispiele dafür.
Und wie steht es bei den versprochenen Leistungsbündelungen? Ein Beispiel seien die Steuerlösungen, so Gutmann. Nun erhalte ein Kunde die Software und den Betrieb aus einer Hand.
2019 war auch das Jahr, als Abraxas an der neuen Strategie arbeitete und diese laut Eigenangaben "geschärft" hat. Sie basiert auf vier Säulen: Steuern, Gemeindelösungen, IT-Services sowie "spezialisierte digitale Government-Lösungen" wie beispielsweise für Polizei und Justiz oder CARI für Strassenverkehrsämter.
Er ergänzt: "Wir haben nun begonnen, alle Produkte cloudfähig zu machen und investieren passend zur Vision." Ein klares Enddatum, so Gutmann, gebe es keines, aber für neue Produkte gelte "Cloud First". Mit "Cloud" meint er eine sogenannte Abraxas Cloud , bei welcher die Fachanwendungen von Behörden in den firmeneigenen RZs laufen.
Mit dem Aufbau eines SOC für Behörden, den Abraxas seit rund einem Jahr vorantreibt, will man neue Geschäftsfelder eröffnen. Wo steht die Firma? "Wir nutzen es bereits selbst", antwortet Gutmann, und hofft, dass Kundenanfragen und Ausschreibungen wie diejenige der Kantonspolizei Zürich zu neuen Einnahmen führen.

“Nun ist das Integrationsprojekt abgeschlossen”

Man habe auch den Kundenfokus stärken können und einen Vertrauensgewinn zu verzeichnen, heisst es in der Mitteilung. Dies merke er an Rückmeldungen von Kunden, erläutert Gutmann. "Durch die Fusion stellten sich Fragen, wohin es geht. Und wir erhielten einen Innenfokus, haben kulturelle Themen bearbeitet und ein neues ERP eingeführt. Nun ist das Integrationsprojekt abgeschlossen, jetzt geht es in die neue Welt. Wir zählen dank der Fusion über 800 Mitarbeitende und haben einen beachtlichen Marktanteil im öffentlichen Markt. Wir konnten zeigen, Abraxas schafft es. Abraxas ist ein Player!"
Seine Bilanz 2018/2019: "Wir sind heute viel homogener unterwegs, viele engagierte Leute ziehen vorwärts und das gibt mir Zuversicht. Wir haben strategisch eine gute Basis geschaffen und die richtigen Themen gewählt," zeigt sich der Abraxas-Chef überzeugt.

“Dann gerät die öffentliche Hand unter Budgetdruck”

2020 könnte es vielen Schweizer IT-Firmen das Geschäftsjahr wegen der Coronakrisa vermiesen, es herrscht aktuell vielerorts Pessimismus und Vorsicht. Projekte sind on hold, die Prognosen laut der Anbieterumfrage Swico-ICT-Index schlecht, der Stellenmarkt ist eingebrochen. Wie sieht das bei Abraxas aus? Spart auch der Staat nun Geld bei der Digitalisierung? "Momentan ist der Impact nicht gross. Wir können laufende Projekte weiterziehen. Aber wenn die Steuereinnahmen zurückgehen, dann gerät auch die öffentliche Hand unter Budgetdruck. Das könnte Auswirkungen auf uns haben."
Insgesamt sei aber die ICT-Branche privilegierter als andere Branchen, so Gutmann. Auch er glaubt, dass dank Corona die Digitalisierung einen Schub erhalten werde und es würden sich neue Opportunitäten bieten.
Nachdem die neue Abraxas nun auf stabilen strategischen und finanziellen Füssen zu stehen scheint, feiern da alte Überlegungen ein Comeback - nämlich eine Privatisierung oder Teilprivatisierung, wie bei Bedag aktuell? "Das müssen die Besitzer entscheiden, aber ich habe keine Indikatoren dafür", antwortet Gutmann.

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