Zuckerberg antwortet im zweiten Hearing wenig auf recht gute Fragen

12. April 2018, 13:04
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Nach dem US-Senat musste sich Mark Zuckerberg in einem zweiten Hearing den Fragen des "House Energy and Commerce Committee" stellen.

Nach dem US-Senat musste sich Mark Zuckerberg in einem zweiten Hearing den Fragen des "House Energy and Commerce Committee" stellen.
Im ersten Hearing hatten sich noch vier Fünftel der Senatoren unwillig oder unfähig gezeigt, gute Fragen zum Businessmodell und den technologischen Möglichkeiten hinter facebook.com zu stellen. Würde Zuckerberg und mit ihm indirekt die Tech-Giganten im zweiten Hearing ausser Fassung gebracht werden? Auf Transkripten sieht man, dass die Abgeordneten zumindest besser vorbereitet waren.
Sie verwandten viel Zeit darauf, das Geschäftsmodell von Facebook zu durchleuchten. Aber mehr fanden auch sie nicht heraus, als dass Zuckerberg nach mehreren Anläufen – nicht gerade "Breaking News" – sagte, ohne "Datenhandel" sei Facebook nicht überlebensfähig.
Zwei zentrale Fragen musste Zuckerberg erneut nicht präzise beantworten. Erstens wäre dies die Monopol-Frage. Auch bei der zweiten Frage ist man heute nur wenig klüger: Wie viele Daten sammelt Facebook bei Nutzern und Nicht-Nutzern und wie nutzt man sie?
Zuckerberg kennt "Schattenprofile" nicht
Und was beinhalten die "Schatten-Profile", die Facebook für sich selbst erstellen soll mit vielen Informationen, die man von Usern und Nicht-Usern sammeln kann? Was macht man mit diesen und wie? Durch Auslesen von Adressbüchern, Fotos und SMS, so Gizmodo vor einiger Zeit, würden ganze soziale Netze von Nutzern gespeichert mit der Telefonnummer als Identifikator. Zuckerberg sagte, er kenne den Term "Schattenprofile" nicht.
Auch auf konkrete Fragen zum User-Tracking-Tool namens Facebook Pixel, das auf Websites Dritter läuft, sagte Zuckerberg wenig. Er weiss nicht einmal die Anzahl involvierter Sites.
Ebenfalls intransparent bleibt, wie Facebook Emoticons und Sticker-Klickdaten sammelt, analysiert und ob entsprechend Gefühle und psychologische Anlagen ins Microtargeting von Usern einfliessen. Zuckerberg, der sowohl Informatik als auch Psychologie studiert hat, müsste die Antwort eigentlich kennen.
Möglicherweise wird daneben Machine Learning eingesetzt, um Content von Instagram auszuwerten für zielgerichtetere Werbung über die gesamte Facebook-Plattform hinweg, so vermuten 'The Atlantic' und andere Medien. Aber ist das so? Man weiss nichts Belastbares.
Die Technologie bleibt im Wesentlichen intransparent, doch hat Facebook diverse Änderungen an APIs angekündigt oder gemacht. Aber dies bedeutet primär nur, dass Drittparteien keinen oder eingeschränkten Zugang zu User-Daten mehr erhalten.
Wer will all dies überhaupt genauer wissen?
Mehr wissen die US-Politiker und die Öffentlichkeit auch nach dem zweiten Hearing nicht. In Konsequenz wissen die US-Politiker auch nicht, was sie von Facebooks Fähigkeit und Willen zur Selbstregulierung halten sollen. Die Frage ist: Können die Tech-Analphabeten die richtigen Fragen nicht stellen oder wollen sie es gar nicht?
Zweiteres vermuten die grossen US-Medien wie die 'New York Times'. So rechnet niemand damit, dass in absehbarer Zeit in den USA regulatorisch viel geschehen wird. Das ist im Sinne der Tech-Branche. Allerdings könnte genau die Intransparenz Misstrauen und Vorurteile der Öffentlichkeit gegenüber der Tech-Branche und ihren Innovationen schüren.
Was tut nun Facebook? Erneut begrüsste Zuckerberg die EU Datenschutz-Grundverordnung ganz allgemein irgendwie. Was daran genau gelungen ist, sagte er nicht. Vielleicht wird er dies in Brüssel präzisieren. Die EU-Justizkommissarin Vera Jourova hat, wie zuvor Parlamentspräsident Antonio Tajani, Zuckerberg nämlich aufgefordert, auch im Europaparlament Rede und Antwort zu stehen . Dem britischen Parlament hat Zuckerberg allerdings einen Korb gegeben. Ein Weltkonzern-Chef kann sich nicht auch noch um irgendeine Insel kümmern. (mag)

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