Prantl behauptet: Machen ist wie wollen, einfach viel krasser

31. Januar 2022, 10:35
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Aber machen braucht auch wollen. Nur zusammen sind sie wirklich krass.

"Machen ist wie wollen, einfach viel krasser." Dieser leicht salopp formulierte Slogan stammt zwar nicht von mir, ich habe ihn vom LinkedIn-Profil eines befreundeten Unternehmers geklaut, und der wahrscheinlich von einem Buchtitel. Als langjähriger Berater und Begleiter in strategischen Transformationen kann ich aber einiges von seiner (Nicht)Wirkung berichten.
Naturgemäss strotzen Visionen und Strategien nur so vor hochgesteckten Absichtserklärungen und sind damit den Wunschlisten an den Weihnachtsmann nicht ganz unähnlich. Meine mittlerweile zehnjährige Erfahrung beim Bau von visionären strategischen Konzepten zeigt gleichzeitig, dass die Entwicklung der Strategie im Vergleich zu ihrer erfolgreichen Umsetzung meist bloss "Nasenwasser" ist. Das könnte übrigens auch der Grund sein, weswegen ich mich bis anhin zur Hauptsache mit diesem Teil beschäftigt habe und deutlich weniger mit der Herausforderung, das Erdachte dann auch auf die Strasse zu bringen. Ein typischer Berater halt, wird sich hier mancher denken.
Sei es wie es will. Auch wenn das Neue "vor-denken" zweifellos bereits einen motivierenden und positiven Einfluss auf Unternehmen und ihre Führenden und Folgenden hat, am Ende des Tages ist es die Umsetzung, die die erhoffte Wirkung und damit den Erfolg bringt und nicht bloss dessen geistige Vorwegnahme.
Allerdings, ich kenne auch Unternehmen, welche das zur Diskussion stehende Bonmot allzu wörtlich nehmen und nur noch machen und darüber das Wollen völlig aus den Augen verlieren. Das sind dann die meist eher strategie- und planlosen Chaoten, die im hyperaktiven Modus permanent am "rödeln" sind, ohne gross darüber nachzudenken, ob ihre Aktionen auch noch sinnvoll und wünschenswert sind. Logischerweise führt dieses Verhalten auch nicht zum Ziel. Im Gegenteil, nicht selten sogar ebenfalls ins Verderben.
Es ist eben der perfekte Mix von Beidem: Machen im Sinne von in die Realität umsetzen, und wollen im Sinne von vorgängigem Durchdenken und Ableiten klarer Ziele und Wunschbilder.
Trotzdem, und darauf zielt die Weisheit wohl primär ab, die Volkskrankheit in den Unternehmen liegt deutlich häufiger beim Machen wie beim Wollen. Das hat erstmal damit zu tun, dass fast immer deutlich schneller geplant und gewünscht als danach umgesetzt werden kann. Lässt sich nämlich ein Strategiekonzept mit allem Drum und Dran innert weniger Monate auch neben dem laufenden Geschäft auf die Beine stellen, dessen Umsetzung dauert regelmässig mehrere Jahre und wird damit nicht selten zu einer wirklich "krassen" Zusatzveranstaltung.
Weiter liegt es wohl daran, dass auf dem langen Weg der Umsetzung oft die Motivation flöten geht, die Ziele aus den Augen verloren gehen oder sich die Rahmenbedingungen so stark ändern, dass das, was man ursprünglich wollte, auf einmal weder erstrebenswert noch realistisch erscheint. So braucht die Umsetzung doch einiges an Durchhaltewillen und an Flexibilität, um sich den neuen Umständen ausserhalb und innerhalb des Unternehmens immer wieder anzupassen.
Und damit bin ich bei meinem Plädoyer angekommen. Machen ist ohne Zweifel die Königsdisziplin, geht es doch um die reale Weiterentwicklung eines Unternehmens bzw. um das berühmte "WORK ON the company". Mit Durchhaltewillen und Sturheit allein ist das nicht zu schaffen. Immer braucht es vorher eine gute Vorarbeit, wo ein Wollen geboren wird, dem sich die Menschen auch für eine längere Zeit verpflichtet fühlen. Zusätzlich benötigt es ein klares Vorgehen – am besten im Sinne eines institutionalisierten Prozesses, welches den Elefanten in verdau- und umsetzbare Portionen aufzuteilen vermag.

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