Putin will ein Staats-Internet und die volle Informationskontrolle

9. März 2022, 13:34
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Foto: Ivan Zhuldybin / Unsplash

Während sich ein grosses Tech-Unternehmen nach dem anderen aus Russland verabschiedet, bleiben Akamai und Cloudflare vor Ort. Aus gutem Grund.

Die US-Firmen Akamai und Cloudflare wollen sich aktuell nicht aus Russland zurückziehen. Sie koordinieren und optimieren die Lastenverteilung von Traffic und argumentieren deshalb, dass ein allfälliger Rückzug aus Russland Bürgerinnen und Bürgern des Landes daran hindern würde, Medieninhalte von ausserhalb des Landes zu konsumieren.
"Russland braucht mehr Internet, nicht weniger", schrieb Cloudflare-CEO Matthew Prince in einem Blogpost. Nach dem Ausbruch des Krieges habe man einen "dramatischen Traffic-Zuwachs aus Russland auf weltweite Medien festgestellt", so Prince. Eine Einschränkung der eigenen Dienste hätte keinen grossen Einfluss auf die russische Regierung, vielmehr aber auf die Bevölkerung, die nur noch eingeschränkten Zugriff auf internationalen Medien hätte.

Russland auch digital mehr und mehr isoliert

Zu einem anderen Schluss kamen die ebenfalls amerikanischen Backbone-Provider Lumen und Cogent, die beide ihren Rückzug aus Russland ankündigten. Rund ein Viertel des russischen Internetverkehrs lief bis zu dieser Ankündigung über Cogent-Systeme. Auch Russlands wichtigster ISP, Rostelekom, und die russische Suchmaschine Yandex, zählten zu dessen Kunden, und müssen nun ohne Cogent auskommen.
Damit ist auch die digitale Abschottung Russlands immer mehr Tatsache. Und Präsident Wladimir Putin hat es immer einfacher, seine Propaganda zirkulieren zu lassen. Genau aus diesem Grund hat die Internetverwaltung ICANN die Forderung der Ukraine, Russland komplett vom Internet abzuhängen, bislang abgelehnt. Zudem können insbesondere technisch versierte Nutzer auch gesperrte Mediendienste wie die Suchmaschine DuckDuckGo, die Newsportale 'BBC' und 'New York Times' sowie Facebook und neuerdings auch Twitter via Tor-Browser besuchen. Aber auch das dürfte bald der Vergangenheit angehören: Erst kürzlich hatte Proton, Mail- und VPN-Anbieter, seine russischen Kunden dazu aufgerufen, "das Abo zu verlängern, solange es noch funktioniert". Man setze sich dafür ein, den freien Informationsfluss in Russland so lange wie möglich sicherzustellen.

Staats-Internet wurde bereits letzten Sommer getestet

Aber auch das könnte bald Geschichte sein: Kriegsführer Wladimir Putin will sein Land komplett vom Internet abkapseln und damit die totale Kontrolle über den Informationsfluss im Land gewinnen. Wie die 'Welt' (Paywall) berichtet, habe Russland die Spaltung des Netzes, also in ein russisches und ein nicht-russisches Internet, bereits im Sommer 2021 getestet und geprüft, ob der komplette Internetverkehr im Land nur durch eigene Infrastruktur zu leiten sei.
Die lokalen Internetprovider seien zwischen dem 15. Juni und 15. Juli 2021 dazu aufgefordert worden, für sämtlichen Internetverkehr nur die russische Infrastruktur zu nutzen. Aus dem Testlauf wird jetzt Realität: Bis zum 11. März, so der Bericht in der 'Welt', sollen russische Firmen ihre Webservices für eine "eventuelle Abtrennung des russischen Internets vom Rest der Welt vorbereiten". Wird das umgesetzt, können Russinnen und Russen nur noch Internetservices erreichen, die auf Servern innerhalb des Landes gespeichert sind. Was bedeutet, dass Putin die volle Kontrolle über alle Medien hätte, die seine Bürgerinnen und Bürger konsumieren.

Die ganze Tech-Welt kehrt Russland den Rücken

Unabhängig davon haben sich zahlreiche global agierende Tech-Firmen zum Rückzug aus Russland entschieden. Darunter aktuell AWS, Cisco, IBM und Red Hat. Auch die grossen Consulter Deloitte, EY, KPMG und PWC ziehen sich zurück. Zuvor kamen schon Activision-Blizzard, Adobe, AMD, Apple, Google, Intel, Mastercard, Meta, Microsoft, Netflix, Oracle, Paypal, SAP, Samsung und Visa zum gleichen Entschluss.

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