RZ-Ausfälle kosten schnell mal mehr als 1 Million Dollar

22. September 2022, 11:59
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Das Leibniz-Rechenzentrum der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in Garching bei München. Foto: Ghost Writ0r / Lizenz: CC BY 4.0 (zugeschnitten)

Eine internationale Studie zeigt, dass die Betreiber auch im nachhaltigen Umgang mit Strom und Wasser noch Verbesserungs­potenzial aufweisen.

Die Betreiber von Rechenzentren sind weitgehend unvorbereitet auf Nach­haltig­keits­vorschriften und das, obwohl die Branche in vielen Regionen mit neuen Regeln rechnet. Gleichzeitig werden die Kosten für Ausfälle immer kostspieliger und Fortschritte bei der Energieeffizienz bleiben aus. Zu diesem Schluss kommt der "Global Datacenter Survey 2022", welcher vom Uptime Institute durchgeführt wurde.
Den Resultaten zufolge gehört ein ökologisch nachhaltigerer Fussabdruck zu den grossen Herausforderungen der Branche. Gleichzeitig wurde jedoch auch festgestellt, dass die meisten Betreiber die wichtigsten Umweltdaten derzeit weder erheben noch extern weiter melden, obwohl 63% der Betreiber damit rechnen, dass die Behörden in ihrer Region innerhalb der nächsten 5 Jahre die Offenlegung von Umweltdaten verlangen werden.

Nachhaltigkeit immer wichtiger

Laut dem Institut wird Nachhaltigkeit immer wichtiger. Dies konkurriert seit 2020 besonders stark mit der Ausfallsicherheit der Betreiber. Während 85% der Befragten angaben, dass sie den Stromverbrauch ihres Rechenzentrums melden, und 73% die Effizienzkennzahlen wie die Stromverbrauchseffektivität, gaben nur 37% an, dass sie auch Daten zu Kohlenstoffemissionen erheben. Ähnlich sieht es laut der Studie auch beim Wasserverbrauch aus: Lediglich 39% der befragten RZ-Betreiber gaben an, dass sie ihren Wasserverbrauch melden.
Gegenüber dem Vorjahr ist die Zahl der Befragten, die den Wasserverbrauch überhaupt melden, zurückgegangen. Das Institut begründet dies damit, dass bei der jüngsten Umfrage ein grösseres Sample als in den Vorjahren analysiert wurde und die Wassereffizienz somit nicht an Bedeutung verloren habe. Demnach würden die meisten RZ-Betreiber ihren Wasserverbrauch nicht erfassen, weil es dafür keine geschäftliche Rechtfertigung gebe. Dies könnte darauf hindeutet, dass der Wasserverbrauch für das zuständige Management aus Kosten-, Risiko- oder Umweltgründen eine niedrige Priorität hat.
Aufgrund der Rückmledungen empfiehlt das Uptime Institute daher allen Betreibern, Pläne für die Berichterstattung der verursachten CO2-Emissionen zu erstellen und auch Daten über den Wasserverbrauch zu sammeln.

Proportional weniger Ausfälle – aber höhere Kosten

Dem Bericht zufolge hatten 60% der befragten Betreiber in den letzten 3 Jahren einen Ausfall ihrer Infrastruktur zu beklagen. Im Vorjahr waren noch 69% von einem Ausfall betroffen und im Jahr davor 78%. Der Studie nach gibt es auch Anzeichen dafür, dass die Auswirkungen der Ausfälle abnehmen: Zwei Drittel der Befragten gaben an, dass die Auswirkungen durch einen Ausfall entweder minimal oder vernachlässigbar waren.
Während es immer weniger schwerwiegende Ausfälle gibt, werden jedoch diejenigen, die auftreten, immer kostspieliger. Ein Viertel der Befragten gab an, dass ihr jüngster Ausfall mehr als eine Million US-Dollar an direkten und indirekten Kosten verursacht hat. Weitere 45% gaben an, dass ihr letzter Ausfall Aufwände zwischen 100'000 und 1 Million Dollar verursacht habe. Dies sei ein deutlicher Anstieg gegenüber 2021 und setzt laut Uptime Institute einen klaren Trend fort.
Ein Grund für die steigenden Kosten sei die zunehmende Abhängigkeit von digitalen Diensten, schreibt die Autorenschaft. Weitere Faktoren für die Zunahme seien die Inflation, Geldstrafen, Verstösse gegen Service Level Agreements, Arbeitskosten, Einsätze sowie die Kosten für Ersatzgeräte.

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