SAP macht KI-Agenten fit für Geschäftsprozesse – und das Weltall

27. Oktober 2026 um 13:50
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Philipp Herzig, Chief Technology Officer bei SAP. Foto: SAP​

An der Teched kündigt SAP neue Agentenfunktionen an und plant, sein tabellarisches KI-Modell auf der Internationalen Raumstation einzusetzen.

SAP will KI stärker von der Beantwortung von Fragen zur Ausführung konkreter Geschäftsprozesse führen. An der diesjährigen Teched-Konferenz in Berlin kündigte der Softwarekonzern dafür neue Funktionen für Joule und die SAP Business AI Platform an. KI-Agenten sollen Aufgaben künftig über mehrere Anwendungen und Systeme hinweg planen und ausführen können – auch ausserhalb der SAP-Umgebung.
Im Zentrum steht Joule Work, das SAP nun allgemein verfügbar macht. Mitarbeitende können darin ein Ziel in natürlicher Sprache beschreiben. Die Plattform soll anschliessend die benötigten Agenten, Anwendungen und Daten koordinieren, sowohl innerhalb der SAP-Landschaft als auch über Drittsysteme hinweg.
"Mit Joule Work schaffen wir eine grundlegend neue Art, Software zu nutzen", sagte SAP-CTO Philipp Herzig. Eine neue Orchestrierungskomponente soll die Planung und Ausführung komplexer, mehrstufiger Abläufe zuverlässiger machen. Für den Unternehmenseinsatz ergänze SAP die Plattform um rollenbasierte Berechtigungen, Audit-Protokolle und Kontrollpunkte für menschliche Eingriffe. Auch externe Agenten sollen über ein abgesichertes Gateway mit Joule-Agenten zusammenarbeiten können.

Entwicklung und Kontrolle von Agenten

Mit Joule Studio stellt SAP eine Entwicklungsumgebung bereit, um eigene KI-Agenten zu erstellen und bestehende zu erweitern. Die Lösung sei nun allgemein verfügbar und werde enger mit Joule Work integriert.
"Öffentliche KI-Modelle kennen weder die Prozesse eines Unternehmens noch dessen Geschäftsregeln und Stammdaten", sagte Manoj Swaminathan, President und Chief Product Officer der SAP Autonomous Suite. Die Business AI Platform stelle diesen Kontext bereit. Dadurch könnten Agenten auf derselben Datengrundlage und nach denselben Regeln wie die SAP-Anwendungen arbeiten.
Für die zentrale Verwaltung von KI-Verbindungen kündigt SAP zudem das Enterprise AI Gateway an. Es soll Zugriffe, Richtlinien, Überwachung und Verbrauch zentral verwalten. Die allgemeine Verfügbarkeit ist für das erste Quartal 2027 geplant.

Mehr Kontext für KI

SAP erweitert auch die Business Data Cloud und den Knowledge Graph, damit KI-Agenten unternehmensspezifische Daten und Zusammenhänge besser berücksichtigen können. Der Knowledge Graph soll künftig zusätzliche Informationen aus SAP- und Drittsystemen integrieren. Herzig zufolge bildet er bereits mehr als sieben Millionen Felder in 500'000 Tabellen und über 15'000 Geschäftsprozesse ab.
Zudem plant SAP einen Ontology Manager, mit dem sich fachbezogene Wissensmodelle erstellen lassen. Diese sollen Agenten helfen, Zusammenhänge zwischen Daten und Prozessen zu erkennen. Eine Betaversion ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen.
Gemeinsam mit der im Mai übernommenen US-Firma Dremio erweitert SAP die Business Data Cloud ausserdem um Unterstützung für Apache Iceberg und eine verteilte SQL-Abfrage-Engine. Damit sollen Unternehmen Daten aus unterschiedlichen Systemen abfragen können, ohne sie dafür zwingend verschieben oder kopieren zu müssen.

KI-Modell für die ISS

Neben den Neuerungen rund um KI-Agenten kündigt SAP eine Weiterentwicklung seines tabellarischen KI-Modells an. SAP-RPT-2.0 soll neben Klassifikation und Regression auch Anomalien und Ausreisser erkennen. Ein weiteres Modell, SAP-RPT-TS, ist auf Prognosen für zeitabhängige Geschäftsdaten ausgerichtet.
Zusammen mit Hewlett Packard Enterprise (HPE) plant SAP, das Modell SAP-RPT auf dem Computersystem Spaceborne Computer-2 an Bord der Internationalen Raumstation (ISS) einzusetzen. Es soll dort unter anderem Telemetriedaten analysieren, fehlende Messwerte rekonstruieren und mögliche technische Probleme frühzeitig erkennen. Die Auswertung soll direkt im Orbit erfolgen, ohne dass die Daten zur Erde übertragen werden müssen.
Der geplante Einsatz erweitere das Anwendungsspektrum des Modells über klassische Geschäftsdaten wie Finanzkennzahlen und Lieferketten hinaus, so der Konzern. Ob und in welchem Umfang sich die Technologie unter den Bedingungen im Weltraum bewährt, wird sich im praktischen Einsatz zeigen.

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