Der Anwenderverband für Künstliche Intelligenz SwissAI fordert Bund und Kantone auf, einen nationalen Bildungsdialog für die Weiterentwicklung des Bildungssystems im KI-Zeitalter zu starten. Dabei sollen sich Schulen und Lehrpersonen, Berufsbildung, pädagogische Hochschulen und Universitäten, Wissenschaft und Wirtschaft sowie bestehende KI- und Bildungsinitiativen austauschen und auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Am besten muss dies laut SwissAI noch 2026 geschehen.
Gemäss Mitteilung zeigt nämlich eine neue Studie aus China, dass sich zwar die Hausaufgabenergebnisse durch die KI‑Nutzung verbessern, aber sich gleichzeitig die Resultate bei Prüfungen ohne Hilfsmittel deutlich verschlechtern. Dabei seien jene Schülerinnen und Schüler betroffen, die den Grossteil ihrer Denkarbeit an KI auslagern. Dies ist "ein deutliches Warnsignal", so SwissAI. Durchgeführt wurde die Studie mit 26'811 chinesischen Schülerinnen und Schülern der Klassen 7 bis 12.
Die Studie verdeutliche, dass das Schweizer Bildungssystem so schnell wie möglich klären müsse, wie KI eingesetzt werden kann, ohne grundlegende Fähigkeiten des Denkens, Lernens und Problemlösens zu schwächen, argumentiert SwissAI. "Wir können es uns nicht leisten, erst in zwei oder drei Jahren festzustellen, dass wir Lernen, Prüfen und Kompetenzaufbau falsch organisiert haben", sagt Chris Beyeler, Präsident von SwissAI. "KI ist längst im Alltag unserer Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen angekommen – jetzt muss das Bildungssystem nachziehen."
Kräfte bündeln
Der nationale Bildungsdialog soll laut SwissAI Klarheit schaffen und dabei bestehende Kompetenzen und Projekte bündeln, Prioritäten definieren und schneller konkrete Lösungen in die Praxis umsetzen. Dabei legt der Verband den Fokus auf fünf Punkte: Lehrpläne, Prüfungen, KI-Kompetenzen, Lernen und eine gemeinsame Schulstrategie.
Klarer definierte Lehrpläne sollen festlegen, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler selbst erwerben müssen, wo KI sinnvoll eingesetzt werden kann und in welchen Bereichen bewusst ohne KI gelernt werden muss. Im Zentrum bleibt dabei laut SwissAI das Grundlagenwissen, denn "ohne eigenes Wissen lassen sich Aussagen von KI-Systemen nicht zuverlässig beurteilen".
Auch die Leistungsnachweise müssten neu gedacht werden. Mündliche Elemente, dokumentierte Arbeitsprozesse sowie Prüfungen mit und ohne KI würden zeigen, was die Lernenden wirklich vom Unterrichtsstoff verstanden haben. Ausserdem sollen KI-Kompetenzen früh Teil der Schulbildung werden – einschliesslich Quellenprüfung, Datenschutz, Umgang mit Deepfakes, kritischem Denken und ethischen Fragen.
KI kann nicht nur Texte generieren und Aufgaben lösen, sondern Schülerinnen und Schülern auch Inhalte erklären und Feedback geben. Deshalb solle das Lernen statt das blosse Nutzen dieser Tools ins Zentrum rücken. Laut dem Verband braucht es dazu eine engere Verbindung zwischen Bildungsforschung, Pädagogik, Schulen und KI-Praxis. Ausserdem betreffe das Thema nicht nur obligatorische Schulen, sondern auch Berufsbildung, Hochschulen, betriebliche Weiterbildung und lebenslanges Lernen. Dies spreche für eine Zusammenarbeit zur Entwicklung einer gemeinsamen Strategie.