Schweizer Kleinunternehmen, die Homeoffice-Müdigkeit und die Security

15. August 2022, 12:14
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Kurzfazit einer Studie: Kleinere Unternehmen habens nicht so mit dem Homeoffice. Die Nutzung ist beinahe auf das Vor-Pandemie-Niveau zurückgegangen.

In grösseren Unternehmen heisst es standardmässig, dass "Homeoffice gekommen ist, um zu bleiben". Bei kleineren Schweizer Unternehmen ist dies offensichtlich nicht der Fall. Gemäss einer aktuellen Studie arbeiteten im März 2020 in Unternehmen mit 4 bis 49 Mitarbeitenden, in denen für mindestens einen Mitarbeitenden Homeoffice möglich wäre, 10% zuhause. Dieser Wert stieg während des ersten Lockdowns auf 38% und sank danach auf 16%. Während der Homeoffice-Pflicht des zweiten Lockdowns stieg der Wert wieder auf 36%, pendelte sich anschliessend, ab Ende 2021, bei 20% ein und ist nun wieder auf 12% gesunken. Dies entspricht beinahe wieder dem Niveau vor Beginn der Pandemie.
Auch der Anteil der Unternehmen, die Homeoffice als Arbeitsvariante anbieten, ist zurückgegangen. Während laut der Studie Mitte 2020 bei 67% und Mitte 2021 bei 65% der befragten KMU alle oder ein Teil der Mitarbeitenden theoretisch von Zuhause aus hätten arbeiten können, waren es Anfang 2022 nur noch 61%.
Seit diesem Jahr, so die Studienautoren, herrsche bei den befragten Kleinunternehmen "eine gewisse Homeoffice-Müdigkeit" seitens der Arbeitgeber. Es könnte sein, dass sich die Einschätzung der Eignung der Arbeitsstellen für Homeoffice geändert habe oder die Erfahrungen gezeigt hätten, dass die Arbeitsausführung vor Ort besser sei. Oder, dass dies die Unternehmen zumindest glauben.
Auch Security wird weniger wichtig genommen
Die Befragung befasste sich auch mit dem Thema Security. Trotz aller Aufrufe, Security ernst zu nehmen und trotz aller Meldungen über die Schwierigkeiten, die erfolgreiche Cyberangriffe für Unternehmen verursachen können, hat der Stellenwert der Cybersecurity für die Geschäftsleitungen von Kleinunternehmen anscheinend in den letzten 2 Jahren etwas nachgelassen.
Die Wichtigkeit der Cybersicherheit werde zwar 2022 ähnlich wie 2021 und 2020 beurteilt, so die Studie. Rund zwei Drittel der Befragten (64%) beurteilten das Thema 2022 als eher wichtig bis sehr wichtig (Skalenwerte 4–5), rund ein Siebtel (14%) beurteilt es als eher bis sehr unwichtig (Skalenwerte 1–2). Der Mittelwert liege somit im Jahr 2022 mit 3.8 minimal tiefer als 2021 und 2020 (je 3.9). Erwähnenswert sei jedoch, dass der Anteil der Geschäftsleitenden, die das Thema als sehr wichtig empfinden, kontinuierlich abgenommen habe, von 42% im Jahr 2020 über 41% anno 2021 auf nun noch 35%.
Die Studie entstand in einem gemeinsamen Projekt von Digitalswitzerland, der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW, der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften SATW, der Allianz Digitale Sicherheit Schweiz ADSS, Gfs-Zürich und Die Mobiliar. Sie basiert auf 3 Befragungen. Die erste Befragung fand zwischen den ersten beiden Pandemiewellen statt, nachdem die erste Homeoffice-Empfehlung des Bundesrats am 22. Juni 2020 aufgehoben und bevor sie am 19. Oktober 2020 zum zweiten Mal ausgerufen wurde. Die zweite Befragung wurde vom 16. Juni bis zum 27. Juli 2021 durchgeführt , die dritte vom 28. Februar bis zum 30. März 2022. An der letzten Umfrage beteiligten sich 504 Geschäftsführende von kleinen Unternehmen in der deutsch-, französisch- und italienischsprachigen Schweiz.
Ein Whitepaper und weitere Unterlagen zur Studie können auf der Webseite des Projekts kostenlos heruntergeladen werden.

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