Schweizer Retailbanken wägen Cloud-Lösungen ab

13. Juli 2022 um 13:03
image
Foto: Eryk Piotr Munk / Unsplash

Vorteile der Public Cloud sehen die Banken laut einer neuen Studie der HSLU im SaaS-Angebot. Bei der Datenspeicherung sind sie aber kritischer.

Für die Studie "IFZ Sourcing 2022" hat die Hochschule Luzern (HSLU) Schweizer Retailbanken sowie Anbieter von Sourcing-Leistungen befragt. In einem vorab veröffentlichten Auszug präsentiert die HSLU die Ergebnisse zum Thema Cloud.
"Gemäss der Umfrage sehen die Banken in der Zunahme von SaaS-Lösungen den wichtigsten Grund, eine Public Cloud einzusetzen, da diese in vielen Fällen nur über eine solche bezogen werden können", schreiben die Studienautoren. Den Zugang zu Innovationen würden die Banken damit als wichtigeres Argument werten, als die Möglichkeit, Kosten zu sparen, sei es durch tiefere Preise oder Pay-per-Use-Preismodelle. Bei einem umfassenden Einsatz von SaaS-Lösungen sei deshalb damit zu rechnen, "dass nicht nur ein, sondern mehrere Public Cloud Provider genutzt werden". Als Konsequenz führe dies für die Banken zu einer Multicloud-Betriebsumgebung.

Datenzugriff aus dem Ausland als "grösste Gefahr"

Kritischer sehen es die befragten Banken aber, so die Studienautoren, dass Public Cloud Provider "in den allermeisten Fällen einen Bezug zum Ausland" haben. Die Banken würden "eine Speicherung der Daten im Ausland, oder wenn diese in der Schweiz sind, den Zugriff für den Betrieb aus dem Ausland" als grösste Gefahr sehen. "Banken, die bereits die Public Cloud nutzen, haben jedoch zusammen mit Public Cloud Providern Wege gefunden, um die Vertraulichkeit der Daten mittels technischer, organisatorischer und teilweise vertraglicher Massnahmen ausreichend zu schützen."
image
Bereiche, in denen die Banken im Jahr 2024 die Public Cloud einsetzen wollen. Grafik: HSLU

Die befragten Retailbanken gehen weiter davon aus, dass sie in den nächsten 3 Jahren mehr als 60% des Workloads in eine Cloud verlagern werden. Rund ein Fünftel soll gemäss Befragung "in einer Public Cloud, ein Viertel in einer Private Cloud und der Rest in einer Community Cloud betrieben werden". Die Anbieter von Sourcing-Leistungen würden den gesamten Anteil in der Cloud mit 70% sehen, der Anteil der Public Cloud werde von den Anbietern mit 17% leicht tiefer geschätzt.

Für 10% der Banken ist Cloud Computing kein Thema

Auf die Frage an die Banken, wofür sie Cloud Computing einsetzen wollen, stehe bei den Banken ganz oben auf der Liste der Einsatz von SaaS-Lösungen am Arbeitsplatz der Mitarbeitenden. Den zweiten Rang belegen gleich zwei Einsatzmöglichkeiten: in einer Public Cloud effizient Software zu entwickeln sowie SaaS-Produkte an der Kundenschnittstelle.
Wenig Zuversicht würden die befragten Banken hingegen zeigen, wenn es darum gehe, ihr Kernbankensystem in der Cloud zu betreiben. "Offenbar ist den Banken nicht klar, ob der Betrieb des Kernbankensystems in der Cloud bis 2024 technisch machbar und wirtschaftlich sinnvoll ist", schreiben die Studienautoren in ihrem Blogbeitrag. Denn für 10% der befragten Retailbanken sei Cloud Computing überhaupt kein Thema, fast 14% gaben an, keine Public-Cloud-Dienste nutzen zu wollen.
Die vollständige HSLU-Studie wird am 24. August an der IFZ Sourcing Konferenz 2022 vorgestellt. An der Umfrage haben 35 Retailbanken und 23 Anbieter von Sourcing-Leistungen teilgenommen.

Loading

Mehr zum Thema

image

Swisscom verklagt Sunrise auf 90 Millionen Franken Schadenersatz

UPC hatte erklärt, für sein Mobile-Angebot zu Swisscom zu wechseln, was mit der Übernahme von Sunrise aber hinfällig wurde. Swisscom macht deshalb eine Vertragsverletzung geltend.

publiziert am 21.2.2024
image

Bundesrat will bei Strommangel gewisse Webseiten sperren

Es geht vor allem um Medien-Sites, die viel Traffic verursachen.

publiziert am 21.2.2024
image

US-Chipförderung: Das Geld beginnt zu fliessen

Die ersten 1,5 Milliarden Dollar gehen an Global Foundries. Mehr als 37 weitere Milliarden sollen bald zugeteilt werden.

publiziert am 21.2.2024
image

Iran und Pakistan schränken Internet ein

Behörden der Länder begründen die Internet­sperren meist mit der Sicherheits­lage oder damit, die Verbreitung von Falsch­informationen verhindern zu wollen.

publiziert am 21.2.2024