Schweizer Sprachsoftware hat QAnon-Autoren enttarnt

22. Februar 2022, 11:33
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Der Buchstabe Q steht symbolisch für QAnon. Foto: Ehimetalor Akhere Unuabona / Unsplash

Mithilfe von Textanalysen wurde aufgedeckt, wer hinter den Ver­schwör­ungs­theorien steckt. Eine Studie aus Frankreich bestätigt die Resultate.

Der Sprachsoftware-Spezialist OrphAnalytics hat zwei Personen enttarnt, die möglicherweise hinter der Verbreitung von Ver­schwör­ungs­theorien rund um QAnon stecken. Bis jetzt hätten Untersuchungen lediglich potenzielle Autoren in eine engere Auswahl gezogen, schreibt das Unternehmen aus Vevey. Durch den Einsatz von Computerlinguistik in einer stilometrischen Studie sei es nun gelungen, die Autoren zu benennen: Programmierer und Rechtsaktivist Paul Furber und Ron Watkins, Administrator einer rechtsextremen Imageboard-Website.
Zum gleichen Schluss kam auch eine linguistische Untersuchung aus Frankreich. Forschende der École des chartes – PSL sind in einer wissenschaftlichen Arbeit auf dieselben Autoren gestossen, obwohl sie für die Herleitung eine ganz andere Methodik verwendet haben. Die einzige Gemeinsamkeit der beiden For­schungs­pro­jekte sei die computergestützte Auswertung der Texte und ein identischer Korpus, der alle Beiträge von QAnon umfasste, gewesen, so die Mitteilung von OrphAnalytics.

Zwei verschiedene Ansätze

Der Schweizer Forschungsansatz stützte sich dabei auf eine statistische Analyse, bei der kurze Zeichenketten gezählt und miteinander verglichen wurden, um individuelle Signaturen von bestimmten Personen zu extrahieren. Gemäss dem Unternehmen wurde diese Methode bereits in mehreren Kriminalfällen ein­ge­setzt. Die Software von OrphAnalytics soll unter anderem auch au­to­ma­tisch Dokumentenfälschungen aufdecken, die Lesbarkeit analysieren oder ganze Texte forensisch untersuchen können.
Die Forschenden der École des chartes hingegen hätten einen KI-Ansatz gewählt: Dabei fütterten sie ein Machine-Learning-Programm mit Fragmenten aus Texten einer bestimmten Person, bis die Software gelernt hatte, deren in­di­vi­du­ellen Stil zu identifizieren. Die Methode sei auch in einigen bemerkenswerten Studien im Bereich der Literatur eingesetzt worden, schreibt die Grande École.

Ein gemeinsames Resultat

Beide Studien sagen aus, dass QAnons Anfangszeit im 4chan-Forum, von Oktober bis Dezember 2017, wahrscheinlich das Ergebnis einer Zusammen­arbeit zwischen Paul Furber und Ron Watkins war. Danach sei QAnon auf ein neues Forum namens 8chan gewechselt, das dem Vater von Watkins gehört. Von diesem Zeitpunkt an und bis zur letzten Nachricht von QAnon am 13. November 2020 scheint Watkins gemäss den Resultaten der einzige wahrscheinliche Autor zu sein. So wurde der Schreibstil von Furber nach dem 1. Dezember 2017 in beiden Analysen nicht mehr erkannt. Und auch Furber selbst hat sich nach der Migration zu 8chan wiederholt über die geringere Qualität der Nachrichten beklagt.
"Allein die Tatsache, dass zwei sehr unterschiedliche Ansätze auf dieselben Personen hindeuten, ist an sich schon ein starker Beweis. Da wir unsere Kräfte gebündelt haben, können wir über unsere Ergebnisse ziemlich sicher sein", sagte Claude-Alain Roten, CEO von OrphAnalytics.

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