Schweizer Unternehmen verkauft global Überwachungs-Tools

11. Mai 2023 um 11:04
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Illustration: Bing Image Creator

Ein Basler IT-Unternehmen ermöglichte Recherchen zufolge Angriffe auf Mobilfunkgeräte. Die Firma lieferte demnach weltweit Spionage-Tools aus.

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich der Markt für Spionage-Services zersplittert und zu einer Startup-Wirtschaft entwickelt. Ein Player davon soll sich in der Schweiz befinden. Dies schreibt die Investigativplattform 'Lighthouse Reports' in einer Recherche, an der auch 'Der Spiegel' und der 'Tages-Anzeiger' beteiligt war.
Die Untersuchung der Rechercheteams zeigt, wie der ETH-Absolvent und Telekom-Experte Andreas Fink einen Überwachungsapparat aufgebaut hat, den er Regierungen und Unternehmen auf der ganzen Welt zur Verfügung gestellt hat. Zu den Kunden gehört demnach unter anderem die israelische Rayzone Group, ein bekanntes Cyber-Intelligence-Unternehmen.

Schlupfloch in Mobiltelefonverbindungen

Die Technologie der Basler Firma Fink Telecom Services macht sich dem Investigativteam zufolge Schlupflöcher in den Verbindungsprotokollen von Mobiltelefonen zunutze. Das System basiere auf dem Telekommunikationsstandard Signaling System 7 (SS7), das die Kommunikation zwischen verschiedenen Fest- und Mobilfunknetzen ermögliche, heisst es in der Recherche.
Bereits vor Jahren haben Security-Forscher demonstriert, dass Sicherheitslücken in SS7 ausgenutzt werden können, um die Bewegung der Anwender von Mobilfunktelefonen zu verfolgen. Immer wieder werden Angriffe bekannt, die sich Schwächen des SS7-Protokolls zunutze machen. Ein bekannter Fall war die Zuger Firma Mitto, die neben ihrem legitimen Geschäft auch "alternative Services" angeboten haben und Spionage ermöglicht haben soll.

Zusammenarbeit mit "rechtsmässigen Regierungsbehörden"

Den aktuellen Recherchen zufolge ermöglicht das System von Fink seinen Kunden, den Standort von Mobilfunkgeräten zu lokalisieren. Ausserdem helfe es dabei, SMS-Nachrichten und Anrufe abzufangen sowie Internet-Konten zu kapern, schreibt der 'Tages-Anzeiger' (Paywall).
"Telekommunikations-Dienstleistungen, Schulungen, Consulting, Software-Entwicklung sowie Handel mit IT- und Telekommunikationsprodukten", heisst es zum Zweck der 2016 gegründeten Firma Fink Telecom Services im Handelsregister. Der Inhaber bestätigt dem 'Tages-Anzeiger', dass er als Anbieter von Überwachungsdiensten mit Unternehmen und "rechtsmässigen Regierungsbehörden" zusammenarbeite. Das Business wird kritisiert. Fink würde sich zu wenig um die "Gefahren für die Opfer" kümmern, sagt ein Security-Experte laut Bericht.
Der Verband der internationalen Mobilfunkindustrie (GSMA) mit Sitz in Zürich erklärt, dass man sich der angeblichen Aktivitäten von Fink bewusst sei und die Angelegenheit untersuche. Die Aufsicht über Fernmeldedienstleister liegt in der Schweiz beim Bundesamt für Kommunikation. Dieses erklärt, es habe weder gegen Fink noch dessen Firma jemals eine Beschwerde gegeben.

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