So hat Globus seine IT von der Migros losgelöst

15. August 2022, 13:44
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Das Globus Warenhaus in Zürich. Foto: Globus

Nachdem der Detailhändler von Migros an ein ausländisches Joint-Venture verkauft wurde, mussten rund 80% der IT-Services in die Eigenständigkeit überführt werden.

Im Februar 2020 wurde der Schweizer Detailhändler Globus von Migros an ein Joint Venture aus der thailändischen Central Group und der österreichischen Signa Holding verkauft. Während sich das Unternehmen im Zuge der Übernahme noch stärker als Luxus-Warenhaus positionieren wollte, galt es für Giovanni Odoni, Head of IT Business Solutions bei Globus, die bestehende Informatik – die zum grössten Teil aus Services des ehemaligen Mutterunternehmens bestand – in einem Carve-Out-Prozess unabhängig zu machen.
In seiner Funktion ist Odoni direkt dem Geschäftsleitungsbereich von CFO Silvia Pfeiffer-Fischer unterstellt und dabei für die Bereiche Store- und ERP-Applications, IT Service Management und die IT Plattform Services verantwortlich. Sein Team umfasst 28 Mitarbeitende.
"Wir hatten insgesamt 2 Jahre Zeit, um alle von der Group IT (Migros) bezogenen IT-Services loszulösen", sagt er im Gespräch mit inside.it.ch. Zwischen 75 und 80% aller IT-Dienstleistungen habe man vorher über das Mutterhaus bezogen, führt Odoni weiter aus. Total galt es, 95 einzelne Services abzulösen. Eine Herkulesaufgabe, wie er selber sagt.
Kosten und Tempo im Fokus
"Seit Mai 2022 sind wir nun komplett eigenständig und beziehen keine Services mehr von der Group IT der Migros", sagt er sichtlich stolz. Innert 18 Monaten habe er mit seinem Team und neuen Partnern zusammen bereits 90% aller betroffenen Dienstleistungen ablösen können. Besondere Priorität hätten dabei diejenigen Dienste gehabt, die besonders kostenrelevant gewesen seien, erklärt Odoni.
Ebenfalls fokussiert worden sei auf die Geschwindigkeit, mit der die Ablösung stattfinden sollte. Dabei habe man es geschafft, den gesamten Scope innerhalb der vorgegebenen Zeit und leicht unter dem budgetierten Kostenrahmen zu migrieren. Beschäftigen würden ihn derzeit noch Konsolidierungen, die noch nicht ganz abgeschlossen sind.
Dampfschiff vs. Speedboot
Durch die Verwendung von externen Services habe man signifikante Kosteneinsparungen erzielen können, sagt Odoni. Bei den neuen Globus-Lösungen setze man vor allem auf Standards und eine Reduktion der Komplexität. Als Head of IT Business Solutions geniesse er bei gleichbleibendem Angebot mehr Freiheiten und müsse gleichzeitig mit weniger Komplexität und Restriktionen auskommen, so Odoni.
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Giovanni Odoni, Head of IT Business Solutions bei Globus. Foto: zVg
Auf die langjährige Zusammenarbeit mit Migros blickt Odoni positiv zurück. Er habe viel von den Kompetenzen und dem Know-how der Kollegen der Group IT profitiert, sagt er im Gespräch. Jedoch bringe eine gewisse Grösse auch meist eine Zunahme der Komplexität und dadurch Verlust von Geschwindigkeit mit sich. Odoni vergleicht das mit einem Dampfschiff, dass eben nicht ganz so agil und wendig ist, wie ein Speedboot, als welches er seine neue IT-Abteilung sieht.
Risikobasierte Ablösestrategie
Grundsätzlich habe er eine risikobasierte Ablösestrategie gewählt, sagt Odoni. Soll heissen: IT-Services deren Optimierungspotential nur mit hohem Zusatzaufwand, Zeit und Risiko zu realisieren gewesen wären, wurden "as-is" – also in bestehender Form – migriert. Visionäre Lösungen seien nur dann eingesetzt worden, wenn bei der Ablösung von einem geringen Risiko ausgegangen werden konnte. So zum Beispiel habe man ein neues Ticketing-System für den IT-Support eingerichtet, bei welchem dem Benutzer zuerst nützliche Tipps angezeigt werden, bevor man ein entsprechendes Ticket lösen kann. Oder es wurde ein Selbstbedienungs-Kiosk für Soft- und Hardware-Bestellungen geschaffen oder eine modulare Tool-Landschaft in einer neuen Suiten-Lösung zusammengeführt.
Bei der Umsetzung der Vision habe man sich auch an den grossen Tech-Konzernen orientiert. So würde man gemäss Odoni grundsätzlich verstärkt auf Self-Service setzen und viel stärker Workflow-basiert arbeiten, so dass beispielsweise ein Bestellantrag einer neuen Software durch den Mitarbeitenden selbst gemacht, durch den Vorgesetzten genehmigt und dann automatisch installiert wird.
In einigen Bereichen sei man auch ganz neue Wege gegangen, so Giovanni Odoni weiter. Unter anderem sei die gesamte DECT-Telefonie auf VoIP-Modelle umgestellt worden. Zu Beginn habe es da zwar noch einige technische und organisatorische Herausforderungen zu meistern gegeben, doch der Impact der damit erzielt wurde, sei immens, so der Leiter der Business Solutions bei Globus.
Die neue Situation sei für ihn und seine Abteilung eine "riesige Chance", deren volles Potential abzuschöpfen noch etwas Zeit in Anspruch nehme werde. "Es macht Spass, ein solches Projekt mit einem so starken Team gemeinsam realisieren zu dürfen", sagt er.

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