Sopre: SBB vergeben Auftrag freihändig ohne Preisangabe

20. Dezember 2022, 11:07
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Foto: Claudio Schwarz / Unsplash

Das Unternehmen gibt sich schweigsam. Eine Beschaffungsrechtlerin sagt, der Zuschlag verletze das Transparenzgebot.

Im Rahmen des Programms "Integrierte Produktionsplanung" (IPP) sind die SBB daran, ihre Planungsysteme zu erneuern. Betroffen sind die Rollmaterialplanung (Ceres), die Personalressourcenplanung SP-Expert und Sopre (Simulation, Optimierung und Planung Ressourcen).

Auftragsvergabe erstaunt

Mit Sopre planen die SBB täglich 7000 Personenzüge, wie uns das Unternehmen 2021 erklärte. Und sorgten damit seit der Auftragsvergabe 10 Jahre zuvor immer wieder für Negativschlagzeilen: Die Kosten seien aus dem Ruder gelaufen, hiess es beispielsweise in der 'Sonntagszeitung'. Weil unter anderem deutlich mehr Personal nötig sei, um die Planung und Einteilung zu erledigen, beliefen sich die Mehrkosten auf deutlich über 100 Millionen Franken, hiess es damals. Nach weiteren Berichten, wonach das Programm nicht reibungslos funktioniere, "läuft Scopre heute stabil", sagen die SBB auf Anfrage.
Nun schreibt die Vergabe eines SBB-Auftrags für Sopre das nächste Kapitel in dieser Geschichte: Die SBB haben den Auftrag für die Wartung, Weiterentwicklung und Betrieb von Sopre freihändig an die Firma Dassault vergeben. Ungewöhnlich dabei ist, dass die Vergabe ohne Angabe eines Preises auf der Beschaffungsplattform Simap publiziert wurde. Während ersteres regelmässig passiert und auch begründet werden kann, ist das Verschweigen des Preises äusserst selten.

"Klare Verletzung des Transparenzgebots"

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Rika Koch, Professorin für Beschaffungsrecht
Das sieht auch Rika Koch so, Professorin für öffentliche Beschaffungen an der Berner Fachhochschule: "Es gibt absolut keinen Grund, wieso der Preis, oder zumindest eine Preisspanne, nicht genannt wird." Dass kein Ausnahmetatbestand genannt werde, "ist eine klare Verletzung des Transparenzgebots", so Koch auf Anfrage von inside-it.ch.
SBB-Sprecherin Sabrina Schellenberg sagt, dass die Preise nicht veröffentlicht würden, weil "es sich um eine Standardsoftware mit entsprechender Rabattierung handelt". Darüber hinaus könnten die SBB die erwähnten Kosten nicht bestätigen. Schellenberg weist ausserdem darauf hin, dass es sich um eine "Verlängerung der Wartung bestehender Standardlizenzen handelt", weshalb die freihändige Vergabe rechtens sei.
Dies ist der Fall, weil der Hersteller der Basissoftware, die Firma Quintic, 2015 von Dassault übernommen worden ist. Ursprünglich erhielt Accenture den Auftrag, deren gleichnamiges Produkt damals "eine hohe funktionale Abdeckung, flexible Erweiterungsmöglichkeiten und ein attraktives Lizenzmodell" versprach.

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