Standardsuchmaschine: Google zahlt bis zu 20 Milliarden jährlich an Apple

11. Oktober 2023 um 10:07
  • politik & wirtschaft
  • Google
  • Apple
  • Regulierung
image
Foto: Solen Feyissa / Unsplash

Ein Finanzanalyst glaubt, dass Google sehr tief in die Tasche greift, um die dominierende Suchmaschine auf dem iPhone zu bleiben. Solche Deals könnten aber gefährdet sein.

Dass Google Geld an seinen Konkurrenten Apple zahlt, um seine Suchmaschine auf iPhones prominent zu halten, war bekannt. Nicht bekannt war, wie tief der Konzern dafür in die Tasche greift. Das Beratungsunternehmen Bernstein geht in einem Report davon aus, dass Google vergangenes Jahr zwischen 18 und 20 Milliarden Dollar an Apple bezahlt hat, um "die dominierende Suchmaschine auf dem iPhone zu bleiben", zitiert 'The Register' aus dem Bericht.
Im Jahr 2021 könnten es 15 Milliarden, ein Jahr davor 10 Milliareden Dollar gewesen sein, so eine weitere Bernstein-Analyse.
Der Bernstein-Report ist im Zusammenhang einer grossen Kartellklage des US-Justizministeriums gegen Google relevant. Die Behörde wirft dem Konzern wettbewerbswidriges Verhalten vor, um seine Dominanz in verschiedenen Bereichen auszubauen und zu festigen. Google beherrsche 90% des Suchmaschinenmarkts, so das Justizministerium, das auch die Abmachung zwischen Google und Apple unter die Lupe nimmt. Der von US-Medien als "historisch" bezeichnete Prozess hat im September begonnen.
Bernstein rechnet vor, dass Google gemäss seinen Finanzberichten 22% seiner Werbeeinnahmen für die Akquisition von Besuchern ausgibt. Davon erhält Apple laut Bernstein wahrscheinlich 40%. Google erwirtschaftete im Jahr 2022 Werbeeinnahmen in Höhe von gut 222 Milliarden Dollar, womit sich die Einnahmen von Apple im Zuge des Suchmaschinen-Deals vergangenes Jahr auf etwa 19,5 Milliarden Dollar belaufen würden.

Apple überlegte sich Alternativen zur Google Suche

Es gibt aber auch andere Schätzungen zum Wert des Deals zwischen Apple und Google. Das Justizministerium geht davon aus, dass Apple etwa 10 Milliarden Dollar von Google erhält. Diese Zahl stamme aber aus externen Quellen, schreibt 'Android Authority'.
Im Zuge des Prozesses gegen Apple wurden kürzlich Dokumente öffentlich, die laut einem 'Bloomberg'-Bericht zeigen, dass Apple erwägt hatte, sich von Google als Standard-Suchmaschine zu verabschieden. Der iPhone-Hersteller sei 2019 und 2020 mit dem als Daten-sparsam bekannten Anbieter Duckduckgo in Verhandlungen gestanden.
Ein Deal ist aus diesen Verhandlungen offensichtlich nicht entstanden. Neben finanziellen Gründen habe es von Apple auch Datenschutzbedenken gegen Duckduckgo gegeben, wie aus den Dokumenten hervorgeht. Laut einer E-Mail von Apples KI-Chef John Giannandrea stimmt das "Marketing rund um den Datenschutz nicht mit den Details" überein, weil die Suchmaschine auf Technik von Microsoft Bing setze. Es könne sein, dass manche Informationen an Microsoft weitergegeben werden, so 'Bloomberg' (Paywall).

Möchten Sie uns unterstützen?

Inside IT steht für unabhängigen und qualitativ hochwertigen Journalismus. Unsere Inhalte sind kostenlos verfügbar und bleiben dies auch weiterhin. Umso mehr würden wir uns freuen, wenn Sie unsere Arbeit und unsere Recherchen mit einem Betrag Ihrer Wahl unterstützen. Vielen Dank!
Jetzt unterstützen


Loading

Kommentare

Anmeldung wird geprüft …

Mehr zum Thema

imageAbo

Luzern beschafft M365-Backup ohne Microsoft

Zur Stärkung der digitalen Souveränität will die Stadtverwaltung Backups der Microsoft-Dienste ohne den US-Anbieter speichern. Dabei soll Jocker IT helfen.

publiziert am 21.10.2026
image

Postfinance braucht Zustimmung für Stimmabdrücke

Postfinance ist mit einer Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht gescheitert. Für Stimmabdrücke von Kundinnen und Kunden benötigt das Unternehmen die Zustimmung.

publiziert am 21.10.2026
image

Grossausfall bei Google Cloud

Eine Störung der Zone "Europe-West2" in Grossbritannien hatte Auswirkungen in Europa. Betroffen waren in der Schweiz vor allem Bankkunden.

publiziert am 20.10.2026
image

Berner IT-Millionenprojekt ist schon in der Krise

Die Einführung des neuen Fallführungssystems im Kanton Bern verzögert sich massiv. Pilotprojekte wurden sistiert, Mehrkosten drohen.

publiziert am 20.10.2026