Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) war offenbar vor der Inbetriebnahme des neuen Auszahlungssystems für die Arbeitslosenkassen gewarnt vor möglichen Problemen. Dies belegen zwei neue Gutachten, die der IT-Architektur und der IT-Sicherheit ein schlechtes Zeugnis ausstellen. Trotzdem hielt das Seco an der Einführung Anfang Jahr fest und kündigte vorab lediglich einen
Betriebsunterbruch an.
Im Vorfeld hatte das Seco die Prüfungsgesellschaft Deloitte beauftragt, die IT-Architektur von "Asalfutur" unter die Lupe zu nehmen, berichtet der '
Sonntagsblick'. Die Prüferinnen und Prüfer hätten kritisiert, dass die Software unnötig komplex sei. Sie sahen die Gefahr, dass es Probleme bei der Bedienung, der Performance und der Wartbarkeit geben könnte. Ihnen sei völlig unklar gewesen, ob die Plattform den Anforderungen gerecht werden würde.
Sicherheitsmängel angeblich behoben
Das Gutachten zur IT-Sicherheit habe der Zürcher IT-Dienstleister Eraneos erstellt, heisst es in dem Bericht. Die Expertinnen und Experten identifizierten 71 Mängel, von denen sie 27 als hoch oder kritisch einstuften. Ein eigens bereitgestelltes Testsystem von "Asalfutur" habe "erhebliche Sicherheitsmängel" aufgewiesen, zitiert die Zeitung aus dem Gutachten.
Das Staatssekretariat hat die Probleme angeblich adressiert. "Alle als relevant eingestuften Sicherheitsprobleme wurden vor dem Go-Live behoben", teilt das Seco der Zeitung mit. Um nachzudoppeln: "Die im Betrieb nach der Einführung aufgetretenen Probleme waren in dieser Ausprägung im Vorfeld nicht vorhersehbar." Zuletzt hatten die Verantwortlichen sich damit geholfen, unter anderem
zusätzliche Hardware zu installieren, um die Performance zu verbessern.
Nach Inbetriebnahme kam es ab Anfang Jahr zu massiven Problemen mit dem System. Zahlreiche als arbeitslos gemeldete Personen erhielten ihre Taggelder verspätet. Ende März hiess es vom Seco, die ausbezahlten Beträge würden gemäss Hochrechnungen wieder den erwarteten Werten entsprechen. Rückstände würden insbesondere noch bei den Neuanmeldungen bestehen. Das System laufe jetzt "stabil".
Kosten fast verdoppelt
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hatte sich vor gut einem Jahr noch "
vorsichtig optimistisch" für die Inbetriebnahme Anfang 2026 geäussert. Die "Chancen für eine plangemässe Einführung stehen besser denn je", bilanzierte die EFK in ihrer sechsten und bis anhin letzten Prüfung des ITK-Schlüsselprojekts des Bundes.
Das Seco ist seit nunmehr weit über zehn Jahren mit der Ablösung des Auszahlungssystems für die Arbeitslosenkassen beschäftigt. Das Vorgängersystem "Asal" stammt aus den 1980er-Jahren und sollte ursprünglich durch "
Asalneu" ersetzt werden. Die Java-Neuentwicklung wurde 2017 abgebrochen. Kurz darauf wurde "Asalfutur" ausgeschrieben. Der
Zuschlag lautete auf 108 Millionen Franken. Die EFK berichtete vor einem Jahr, dass mittlerweile von Gesamtkosten in Höhe von 201,4 Millionen Franken ausgegangen werden müsse.