Kunden des Cloud-Anbieters AWS haben Rechnungen über bis zu 1,5 Billionen US-Dollar erhalten. Schuld war ein Problem im Abrechnungssystem.
Kunden von Amazon Web Services erhielten kürzlich dicke Post. Dick im Sinne der per Rechnung eingeforderten monatlichen Gebühren. Plötzlich stiegen diese auf Milliarden US-Dollar oder sogar über eine Billion Dollar. Betroffen waren gemäss Berichten vor allem kleine Unternehmen und Einzelpersonen.
"Ich bin fast in Ohnmacht gefallen, als ich die E-Mail-Benachrichtigung von AWS mit der Rechnung für die App zur Überprüfung der Schulgelände unserer gemeinnützigen Organisation erhielt, die uns normalerweise weniger als ein (englisches) Pfund im Monat kostet", sagte Dan Harvey, Marketingleiter der in Hampshire ansässigen Organisation Learning Through Landscapes der Zeitung 'The Guardian'. Er müsse jetzt 7,8 Milliarden Dollar bezahlen, wurde ihm beschieden.
"Meine Seele verliess meinen Körper"
Rechnung des AWS-Kunden Bahat. Quelle: X
Andere Kundinnen und Kunden posteten den Ausdruck ihres Entsetzens auf Social Media. Ein User stellte einen Screenshot seiner Rechnung auf X. Diese verzeichnete eine Zahlung von rund 1,5 Billionen Dollar für den laufenden Monat Juli – was einem Anstieg von 744'728'201'771% entsprechen würde. "Meine Seele verliess meinen Körper", so AWS-Kunde Bahat.
Die "irrsinnigen Zahlen" seien am letzten Freitag, 17. Juli, in den frühen Morgenstunden europäischer Zeit in der AWS-Abrechnungs- und Kostenmanagementkonsole aufgetaucht, berichtet 'The Guardian'. Während sich Schockwellen in den sozialen Medien ausbreiteten, habe sich das Unternehmen umgehend "für jegliche Verwirrung und Besorgnis im Zusammenhang mit diesen Kosten" entschuldigt.
Globale Auswirkungen
Nach eineinhalb Stunden Untersuchung habe AWS festgestellt, dass es "ein Problem mit der Stückpreisberechnung innerhalb des Subsystems zur Schätzung der Rechnungssumme" gab, und habe dieses System abgeschaltet. In einem Update am Freitag hiess es: "Wir gehen davon aus, dass die vollständige Klärung mehrere Stunden dauern wird, da wir die geschätzten Abrechnungsdaten neu berechnen müssen."
Währenddessen bemerkte auch die Kundschaft in anderen Zeitzonen die ominösen Rechnungen. "Guten Morgen an alle, die sich gerade über ihren Herzinfarkt freuen", schrieb ein User aus dem US-Bundesstaat Maine auf X. Zur Zahl der betroffenen Kundinnen und Kunden machte AWS bis jetzt keine Angaben. Das Service Health Dashboard bezeichnete die Auswirkungen als "global". Dort hiess es, dass das Problem bis zum Wochenende behoben sein sollte und "derzeit keine Massnahmen seitens der Kunden erforderlich" seien.