Die neue Office-Standardschrift Aptos/Bierstadt. Illustration: Microsoft
In Microsoft Word, Outlook und anderswo wird Calibri als Standard-Font ersetzt. Der Sieger heisst Bierstadt respektive Aptos. Aber nicht allen gefällt der "Helvetica-Klon".
Seit 2007 ist Calibri die Standardschrift von Microsoft im Office-Bereich und löste damals Times New Roman ab. Im April 2021 kündigte der Konzern an, Calibri ins Altersheim zu schicken. Als mögliche Nachfolger wurden die 5 Fonts Tenorite, Bierstadt, Skeena, Seaford und Grandview vorgestellt. Über Social Media konnten sich auch Nutzerinnen und Nutzer zu ihrem Liebling äussern. "Das kleine 'e' in Bierstadt ist potthässlich", lautete damals ein Kommentar.
Microsofts Wahl ist jetzt trotzdem auf Bierstadt gefallen. Diese Schriftart habe auch bei den Usern am meisten Anklang gefunden. Mit dem Wechsel soll erreicht werden, dass Bildschirme mit höherer Auflösung besser bedient werden und auch die Schrift besser lesbar ist. "Die Schriftart muss scharf und einheitlich sein und sich gut für die Anzeige eignen", schreibt Microsoft in einem Blogpost.
Helvetica und Univers als Vorbild
Die Schriftart wurde von Steve Matteson entworfen, "einem der weltweit führenden Schriftdesigner". Zu seinen früheren Arbeiten gehörten die Entwicklung der ursprünglichen Windows-Truetype-Kernschriftarten und von Segoe, ab Windows Vista die Windows-Standardschrift.
Bei der Entwicklung von Bierstadt habe sich Matteson auch von der Schweiz beeinflussen lassen, so der Blogbeitrag. "Ähnlich wie die Schweizer Typografie Mitte des 20. Jahrhunderts ist es eine serifenlose Schriftart." Sie zeichne sich durch einfache Buchstabenformen und eine gute Lesbarkeit aus. Als Vorbild dienten zum Beispiel die Schweizer Schrift-Erfindungen Helvetica von Max Miedinger und Eduard Hoffmann oder Univers von Adrian Frutiger. Erstere nutzte zwischen 2013 und 2015 auch Apple als Standardschrift für MacOS und iOS.
Aus Bierstadt wird jetzt Aptos
Die 5 urpspünglich vorgeschlagenen Schriftarten.
Matteson hat allerdings nun entschieden, seine Kreation von Bierstadt in Aptos umzubenennen – nach seiner Lieblingsstadt nahe Santa Cruz in Kalifornien. Bierstadt seinerseits ist ein Stadtteil des hessischen Wiesbaden. Und hätte zumindest bei der Bevölkerungszahl mit rund 12'500 gegen die 6600 von Aptos oben aufgeschwungen.
Doch für alle Bierstädterinnen und Bierstädter bleibt ein Trost: Bierstadt soll als zusätzlicher Name der neuen Schrift im Dropdown-Menü erhalten bleiben, ebenso wie der Vorgänger Calibri. Dort lassen sie auch die im Auswahlverfahren unterlegenen Grandview, Seaford, Skeena und Tenorite finden.
Die Kommentare gehen hoch: "Hauptsache, nicht Comic Sans"
Ganz zuoberst im Menü steht aber für Millionen User von Office-Produkten bald Aptos. Das sorgt in den Kommentarspalten von Tech-Sites für zahllose Einträge. "Also Bierwurst wäre mir auch lieber gewesen", kommentiert jemand bei 'Borncity'. Auf 'Heise' heisst es: "Helvetica-Klon der Xte, ich finde den Stil inzwischen grottenlangweilig." Oder: "Hauptsache, sie verwenden nicht Comic Sans, ansonsten sollen sie doch machen, was sie wollen."
Ein 'The Register'-Leser kommentiert: "Ich halte Calibri wirklich für eine der schlechtesten Mainstream-Schriften. Ich bin nicht traurig, dass sie verschwindet." Er bevorzuge sowieso Arial. Ein anderer antwortet: "Ich bevorzuge dann Helvetica, weil das auf allen Plattformen funktioniert." Max Miedinger oder Eduard Hoffmann können wir leider zu diesem Disput nicht mehr befragen. Sie starben beide 1980.