Sunrise und Swisscom bündeln ihre Kräfte für die Betrugsprävention. Dazu gründen die beiden Schweizer Telekommunikationsanbieter das weltweit erste Telko-Betrugskonsortium. Laut Mitteilung ermöglicht es den Austausch von Risikoinformationen über betrügerische Vorfälle in Echtzeit. Dadurch sollen Kundinnen und Kunden geschützt und das ganze digitale Ökosystem gesichert werden.
Das Ganze sei Teil des Lexisnexis Risk Intelligence Consortium – eines wachsenden Netzwerks, das datenschutzkonformen Informationsaustausch bietet und laut Mitteilung von Lexisnexis Risk Solutions betrieben und unterstützt wird. Die Mitglieder seien damit in der Lage, digitale Risikosignale mit anderen teilnehmenden Organisationen zu teilen, um Betrug und Finanzkriminalität zu verhindern und das Risiko bei Kreditanträgen zu bewerten. "Internationale regulatorische Rahmenbedingungen fordern eine stärkere Betrugsprävention über alle digitalen Kanäle hinweg", sagt Jason Lane-Sellers, Director Fraud and Identity bei Lexisnexis Risk Solutions. Ausserdem würden präzise Koordination und geteilte Informationen die ultimative Verteidigung gegen koordinierte Betrugsnetzwerke darstellen, so Lane-Sellers.
Laut Anna Hayford, Fraud Managerin bei Sunrise, verschafft das Konsortium dem Unternehmen eine Agilität, die es im Alleingang nicht erreichen könnte. "Der nahezu in Echtzeit erfolgende Informationsaustausch erlaubt es uns, Bedrohungen bereits im Entstehen zu erkennen und nicht erst, wenn der Schaden bereits entstanden ist", so Hayford. "Wir sehen deutliche Verbesserungen bei unseren Erkennungsfähigkeiten, insbesondere bei risikoreichen Geräten und synthetischen Identitäten."
Attraktive Angriffsfläche
Die Telekommunikationsbranche spiele eine zentrale Rolle bei digitalen Onboarding- und Authentifizierungsprozessen und sei deshalb ein bevorzugtes Ziel von Betrügern. Sie ist gemäss Lexisnexis Cybercrime Report 2026 stärker von Betrugsvorfällen betroffen als die Finanzbranche. Rund 5,2% aller digitalen Interaktionen im Kommunikations-, Mobilfunk- und Mediensektor waren demnach im Jahr 2025 bestätigte Betrugsversuche.
Besonders von den Angriffen betroffen sind laut Mitteilung neu eröffnete Konten und Zahlungsvorgänge. Jede achte Kontoeröffnung werde angegriffen. Ausserdem wurde gegenüber dem Vorjahr bei den Angriffen auf Zahlungsvorgänge ein Anstieg von 84% verzeichnet. Dies verdeutliche die Wichtigkeit einer frühzeitigen Erkennung und Unterbindung der betrügerischen Aktivitäten in der Telko-Branche, bevor die Angreifer auf andere Sektoren übergreifen.
Nach Angaben der beiden Telkos wurden in den ersten drei Monaten des Konsortiums mehr als 4000 risikoreiche Datenmerkmale identifiziert. Dadurch konnte die Betrugserkennung um 150% verbessert und gleichzeitig die Zuverlässigkeitsquote auf fast 100% gesteigert werden, wie es in der Mitteilung heisst.
"Die Zusammenarbeit im Konsortium hat es uns ermöglicht, zu einer deutlich proaktiveren Betrugspräventionsstrategie überzugehen", lässt sich Michael Hohermuth, Fraud Manager bei Swisscom, in der Mitteilung zitieren. "Auf Hochrisikosignale reagieren zu können, bevor ein Betrugsversuch überhaupt eintritt, hebt unser Bedrohungsmanagement auf ein neues Niveau."