Swisscom und EU-Telcos fordern Big-Tech-Beteiligung an Netzkosten

26. September 2022, 14:06
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Foto: Jake / Unsplash

16 CEOs von europäischen Telekomunternehmen wollen, dass sich Google, Meta, Netflix & Co. am Netzausbau beteiligen. Die Forderung ist nicht neu, doch der Ton gewinnt an Schärfe.

"Wir leben in einer Zeit, die es so noch nie gegeben hat." Mit diesen Worten beginnt ein offener Brief der European Telecommunications Network Operators' Association (Etno) vom 26. September. Angesichts der Energiekrise und der europäischen Klimaschutzziele müssten sich die grossen Tech-Konzerne am Netzausbau beteiligen, fordert der Wirtschaftsverband.
Es ist nicht der erste offene Brief dieser Art. Bereits im Februar hiess es von 4 der grössten europäischen Telekommunikationsunternehmen, Big Tech müsse mithelfen, wenn die Netzinfrastruktur weiter ausgebaut werden soll. Damals kam die Forderung von Telefónica, Vodafone, Orange und der deutschen Telekom.
Jetzt wurde die Zahl der Unterzeichnenden ausgeweitet. 16 CEOs haben die "Erklärung zur Rolle der Konnektivität bei der Bewältigung der aktuellen Herausforderungen der EU" unterschrieben. Dazu gehören neben den 4 grössten Telcos die Chefs von Bouygues Telecom, KPN, BT Group, TIM Group, Telia, A1 Telekom Austria, Fastweb, Altice Portugal und auch Christoph Aeschlimann, der CEO von Swisscom.

Investitionen von 50 Milliarden Euro pro Jahr

"Unsere Unternehmen haben sich entschlossen gezeigt und werden dies auch weiterhin tun, um die neuen Konnektivitätsziele Europas voranzubringen", heisst es im Statement. Ziel sei die vollständige Abdeckung mit Netzen mit sehr hoher Kapazität wie Glasfaser und 5G bis 2030. Dafür investiere die Branche 50 Milliarden Euro pro Jahr.
Doch die Kosten für Planungs- und Bauarbeiten würden steigen. "Die Preise für Glasfaserkabel zum Beispiel haben sich im ersten Halbjahr 2022 fast verdoppelt. Auch der Anstieg der Energiepreise und der Preise für andere Inputs wirkt sich auf den Konnektivitätssektor aus", schreiben die CEOs. Ein nachhaltiges, florierendes Internet-Ökosystem sei aber im Interesse aller europäischen Bürger und erfordere "rechtzeitiges Handeln".

Tech-Konzerne nutzen Infrastruktur ohne eigenen Beitrag

"Damit dies geschieht und auf Dauer tragfähig ist, sind wir der Meinung, dass die grössten Verkehrserzeuger einen fairen Beitrag zu den beträchtlichen Kosten leisten sollten, die sie derzeit den europäischen Netzen auferlegen", wird gefordert. An welche "Verkehrserzeuger" sich diese Forderung richtet, legte kürzlich eine Etno-Studie dar. Demnach sind Meta, Google und Netflix für mehr als 50% des globalen Datenverkehrs verantwortlich. Diese seien Nutzniesser der Infrastruktur, ohne einen Beitrag zu deren Ausbau zu leisten.
Die Europäische Kommission lotet derzeit die Möglichkeiten eines Gesetzentwurfs aus. Mit einem Gesetz könnten Tech-Konzerne dazu verpflichtet werden, sich an den Kosten für den Ausbau von 5G und Glasfasernetzen in der EU zu beteiligen. Die Konzerne hatten solche Forderungen bisher mit dem Argument zurückgewiesen, dass sie bereits in Ausrüstung und Technologien investieren würden, um Inhalte effizienter bereitzustellen.

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