Thurgau rudert bei Handy-Kontrolle zurück

8. Juni 2023 um 10:09
image
Foto: Kantonspolizei Thurgau

Laut einem neuen Gesetzesentwurf hätte die Polizei Handys ohne konkreten Tatverdacht überprüfen können. Das verstösst aber offenbar gegen die Verfassung.

Der Grosse Rat in Thurgau hat ein neues Polizeigesetz besprochen. Für Aufruhr sorgte dabei insbesondere eine Änderung, die es der Polizei erlauben soll, elektronische Geräte von verdächtigen Personen direkt vor Ort einzusehen. Handys oder Laptop einer Person sollen dabei durchsucht werden können, auch ohne Verdacht auf eine Straftat.
Nun stimmte der Grosse Rat in Thurgau dafür, das Gesetz wieder in die beratende Kommission zu schicken. Es müsse nochmals besprochen werden, ob diese Änderung mit dem Bundesgesetz vereinbar ist.
"Das wäre ein krass tiefer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte", sagt Erik Schönenberger, Geschäftsleiter der Digitalen Gesellschaft Schweiz, gegenüber dem 'Tagesanzeiger'. "Für viele ist das Handy wie die zweite Hälfte des Gehirns."
Anfang Mai nahm der Kantonsrat diesen neuen Paragrafen noch mit 62 zu 56 Stimmen an. "Ist es denn so schlimm, wenn die Polizei nachschaut, mit wem ich als Letztes telefoniert oder was ich als Letztes fotografiert habe?", fragte ein Politiker der Mitte-Partei während der Debatte. Mögliche Eingriffe in die Privatsphäre wurden zwar thematisiert, doch die Bedenken wurden schlicht als Misstrauensvotum gegenüber der Polizei abgetan.
Cornelia Kompsch, SP-Regierungsrätin und Vorsteherin des Departements für Justiz und Sicherheit, unterstützt den neuen Paragrafen. Laut 'Tagesanzeiger' sei ihr bewusst, dass der Paragraf in seiner aktuellen Form gegen die Verfassung verstössen könnte. "Bei dem Gesetz geht es aber um die Prävention und nicht darum, Beweise zu sammeln", meint sie. Es sei das Ziel der Polizei in allen Kantonen, dass Straftaten erkannt werden sollen, bevor sie überhaupt passieren, sagt die Regierungsrätin. "Der Thurgau ist dabei einfach gerade in einer Vorreiterrolle."
Ob sich das Gesetz wie geplant umsetzen lässt, ist zweifelhaft. Laut dem 'Tagesanzeiger' würden mehrere mit der Sache vertraute Personen davon ausgehen, dass der Paragraf in der weiteren Debatte einen schweren Stand haben wird.

Loading

Mehr zum Thema

imageAbo

Schweizerisches Nationalmuseum gibt Einblick in Digitalprojekte

Das Nationalmuseum hat einen neuen Leiter für Digitale Transformation ernannt. Die Institution erläutert den Stand ihrer Digitalisierung.

publiziert am 12.6.2026
image

Millionen für neues IT-Meldesystem des BAG

Der Bundesrat hat 45,3 Millionen Franken für eine neue digitale Plattform zur Überwachung und Bekämpfung übertragbarer Krankheiten freigegeben. Das System soll 2034 fertig sein.

publiziert am 12.6.2026
imageAbo

Solothurn erneuert IT-System für Gefängnisse

Cancom liefert eine neue Lösung für die Verwaltung der Gesundheitsdaten in den kantonalen Gefängnissen. Das bisherige System von CGM wird abgelöst.

publiziert am 12.6.2026
imageAbo

GPK kritisiert externen Personalbedarf von IT-Basel-Stadt

Die Kommission des Basler Parlaments empfiehlt, die externen Dienstleistungen zu überprüfen. Die Abhängigkeit im operativen Betrieb sei hoch.

publiziert am 11.6.2026