Tiktok auf Schmusekurs: Mehr Rechenzentren sollen in Europa stehen

8. März 2023 um 13:18
image
Foto: Getty / Unsplash+

Zahlreiche Länder verbieten ihren Angestellten die Tiktok-Nutzung. Das Unternehmen will mit der Datenspeicherung in Europa Gegensteuer geben.

Der Kurzvideo-Dienst Tiktok wird Daten europäischer Nutzer nach Sicherheitsbedenken hauptsächlich in Europa speichern. Dafür sollen zwei weitere Rechenzentren in der Region eingerichtet werden. Auch werde ein unabhängiger Partner den Datenfluss und den Zugang zu Informationen überwachen, wie Tiktok mitteilte.
Daten europäischer Nutzer lagern aktuell in Singapur und den USA. Die Speicherung in Europa soll in diesem Jahr beginnen und der Umzug 2024 weitergehen. Ein Rechenzentrum in Irland kündigte Tiktok bereits im vergangenen Jahr an, es soll noch bis Ende März in Betrieb gehen. Hinzu kommen eine weitere Anlage in Irland und eine in Norwegen, die im vierten Quartal online gehen soll.
Daten europäischer Nutzer von Tiktok werden nicht ausschliesslich in Europa bleiben, da dies bei einem global agierenden Dienst nicht möglich wäre. Hier komme aber der unabhängige Partner ins Spiel, der über die Datenströme wachen soll. Mit einem Kandidaten für die Rolle sei man seit sechs Monaten im Gespräch, den Namen nennt Tiktok allerdings nicht. In den USA lässt Tiktok den Softwarecode seiner App in einer ähnlichen Struktur von dem Software-Konzern Oracle prüfen.
Tiktok gehört dem aus China stammenden Konzern Bytedance. Im Westen gibt es die Sorge, dass die App von chinesischen Behörden zum Sammeln von Informationen über Nutzer missbraucht werden könnte. Tiktok weist solche Bedenken stets zurück und betont, man habe nie Datenanfragen von der chinesischen Regierung bekommen und würde diesen auch nicht nachkommen, da es dafür keine rechtliche Grundlage gebe.
In den USA gibt es dennoch Bestrebungen, per Gesetz die Basis für ein härteres Vorgehen gegen als riskant eingestufte Apps bis hin zu einem Verbot zu schaffen. In Europa wies die EU-Kommission ihre Beschäftigten an, die App wegen Bedenken mit Blick auf die Cybersicherheit bis Mitte März zu löschen. In der Schweiz beobachtet der Bund die Lage und will den EU-Entscheid erstmal analysieren.

Loading

Mehr zum Thema

image

Kommando Cyber verabschiedet sich von Microsoft

Statt mit M365 sollen die Cyberspezialisten der Armee schon ab Oktober mit Opendesk arbeiten. Grund ist der "US Cloud Act".

publiziert am 13.7.2026
image

Apple klagt gegen OpenAI

Der Konzern wirft dem KI-Unternehmen den Diebstahl von Firmengeheimnissen vor. Im Fokus steht die Entwicklung von Hardware.

publiziert am 13.7.2026
imageAbo

Bundesrats-App kommt bald auf Smartphones

Die App soll der Bevölkerung Informationen von Bundesrat und Bundesverwaltung anbieten. Ein Auftrag für Entwicklung und Support wurde an die Firma Apps with love erteilt.

publiziert am 23.6.2026
image

Schweizer Hochschulen erfassen KI-Betrug kaum

Eine Umfrage unter 31 Schweizer Hochschulen zeigt, dass Fälle unerlaubter KI-Nutzung selten dokumentiert werden. Dennoch verzichten viele Institutionen auf eine systematische Erfassung.

publiziert am 23.6.2026