VMware-Übernahme: CEOs der Konkurrenz hoffen auf neue Kunden

24. Oktober 2022 um 10:36
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Foto: Denys Nevozhai / Unsplash

Die Chefs von IBM, Nutanix und Scale Computing glauben – oder hoffen, dass den VMware-Kunden unter dem neuen Besitzer die Innovationen zu langsam und die Preise zu hoch werden.

Die geplante Übernahme von VMware durch Broadcom hat für einiges an Aufregung gesorgt. Wettbewerbshüter weltweit sorgen sich um mögliche negative Konsequenzen wie Preiserhöhungen oder Wettbewerbs­ver­zer­rungen, so auch die EU. Diese hatte angekündigt, den Deal zu untersuchen. Broadcom hofft auf eine rasche kartellrechtliche Genehmigung. Dabei argumentiert der Konzern mit den grossen Cloud-Anbietern AWS, Microsoft und Google. Der Deal schaffe "mehr Wettbewerb auf dem Cloud-Markt", zitiert 'Reuters' eine mit der Angelegenheit vertraute Person.
VMware-Kunden befürchten Preiserhöhungen und sind besorgt darum, was mit Produkten passiert, die nicht in die Strategie von Broadcom passen. CEO Raghu Raghuram erklärte gegenüber Partnern, dass Broadcom nicht nur VMware kaufe, sondern "auch die Strategie von VMware für die absehbare Zukunft", wie er von 'CRN' zitiert wird. Broadcom plane, die Innovation am Leben zu erhalten und die Kunden halten zu können.
IBM-CEO Arvind Krishna glaubt, dass VMware mit vSphere, vSAN und NSX eine starke Position habe, wie er zu 'CRN' sagt. Kunden werden wohl nur zögerlich wechseln wollen, so Krishna. Allerdings betont er, dass der kritische Moment erst 2023 beziehungsweise 2024 kommen werde. Dann zeige sich, ob die Produkte die Erwartungen der Kunden bezüglich Innovation und Funktionalität erfüllen kann.

Konkurrenz hofft, Kunden zu gewinnen

Eine Chance für sein Geschäft sieht George Kurtz, CEO von Crowdstrike und damit einem Konkurrenten von VMwares Carbon Black. Er hätte Anrufe von Carbon-Black-Kunden erhalten, die Bedenken geäussert hätten, sagte er gemäss 'CRN' an einer Konferenz. Man kenne das Problem, die Preise steigen und der Service werde schlechter, so Kurtz.
Es gebe keine Zweifel daran, dass die Kunden besorgt sind, sagt auch Nutanix-CEO Rajiv Ramaswami zum US-Channel-Magazin. Aber ein Wechsel des Anbieters brauche Zeit. "Wenn wir auf das kommende Geschäftsjahr blicken, gehen wir nicht davon aus, dass es deswegen zu einem enormen Anstieg der Einnahmen kommen wird", so der Nutanix-Chef. Längerfristig aber rechnet er aufgrund der "VMware-Broadcom-Situation" durchaus mit etwas Wachstum, "da die Kunden nach Alternativen Ausschau halten werden".
Kritische Worte liefert Jeff Ready, CEO des Anbieters von Virtualisierungs-Lösungen Scale Computing. Er sage schon lange, dass VMware überteuert und alt sei. "Und jetzt wird es noch älter und noch überteuerter", erklärte er nach Bekanntwerden der Übernahme gegenüber 'CRN'.

Dell steht hinter der Übernahme

Broadcom gab den 61 Milliarden Dollar schweren Deal im Mai bekannt. Nach CA Technologies und dem Firmenkundengeschäft von Symantec ist dies die dritte grosse Softwareübernahme von Broadcom.
VMware gehörte bis zur Abspaltung im Jahr 2021 mehrheitlich Dell Technologies. Dessen Gründer, Michael Dell, und die Investmentgesellschaft Silver Lake, die noch 40,2 und 10% an VMware halten, stünden ebenfalls hinter der Transaktion, hiess es in der Mitteilung zur Ankündigung des Deals.
"Wir haben dieses unaufgeforderte Angebot von Broadcom erhalten - damit haben wir nicht gerechnet", sagte Michael Dell zu 'CRN'. Man habe die Pflicht, bei jedem Angebot zu prüfen, ob es im besten Interesse des Unternehmens und er Aktionäre sei. "Broadcom ist ein sehr erfolgreiches, starkes Technologieunternehmen mit einer Erfolgsgeschichte von F&E-Investitionen. Und ihre F&E-Investitionen sind in den letzten zehn Jahren enorm gestiegen", sagte Dell zum Onlinemagazin. Der Kauf durch Broadcom werde "grösseren Wert für alle Beteiligten – einschliesslich Kunden, Partner und Mitarbeiter – zu schaffen", so der Dell-CEO.

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