Mit rund 70 Mitarbeitern betreut das Unternehmen nationale und internationale Kunden: von Privatpersonen über KMU bis hin zu börsennotierten Grossunternehmen. Das Leistungsspektrum reicht von Buchhaltung und Steuerberatung bis zu M&A-Transaktionen. Gerade bei börsennotierten Mandanten können vorzeitige Informationsabflüsse, etwa zu unveröffentlichten Geschäftszahlen oder geplanten Übernahmen, erhebliche rechtliche und wirtschaftliche Konsequenzen nach sich ziehen. Die Anforderungen an die Informationssicherheit sind entsprechend hoch.
Ausgangssituation: Fragmentierte Sicherheitslandschaft
Die IT-Sicherheitsarchitektur bei Aeberli war über Jahre organisch gewachsen, was zu einem Flickenteppich aus verschiedenen Einzellösungen mit jeweils eigenem Dashboard führte. Für das kleine interne IT-Team, bestehend aus einem IT-Leiter und zwei weiteren Mitarbeitern, bedeutete dies hohen manuellen Aufwand bei gleichzeitig eingeschränkter Übersicht.
Das zentrale Problem: Eine konsolidierte Gesamtsicht über die wichtigsten Risiken und Schwachstellen stand nicht zur Verfügung. Das Unternehmen konnte nur reaktiv auf Sicherheitsvorfälle reagieren, anstatt Schwachstellen anhand ihrer Kritikalität proaktiv zu adressieren. Vieles blieb schlicht unsichtbar – ein unhaltbarer Zustand für ein Unternehmen, das mit hochsensiblen Mandantendaten arbeitet.
Als Aeberli beschloss, die IT-Umgebung komplett neu aufzusetzen, wurden klare Anforderungen an die künftige Sicherheitsarchitektur definiert: Aggregation aller sicherheitsrelevanten Informationen in einer zentralen Plattform, automatische Priorisierung von Schwachstellen und Warnmeldungen, konkrete Handlungsempfehlungen zur Risikominimierung sowie modulare Erweiterbarkeit für künftige Anforderungen. Roman Wey, Head of IT bei Aeberli, erklärt: «Künftig wollten wir in der Lage sein, Schwachstellen proaktiv zu adressieren.»
Bei der Anbieterauswahl spielte auch digitale Souveränität eine Rolle: Aeberli entschied sich bewusst für TrendAI™ als nicht-amerikanischen Sicherheitsanbieter, um bestehende Abhängigkeiten von US-Playern nicht weiter auszubauen.
Lösung und Umsetzung: Plattformansatz mit TrendAI Vision One™
Gemeinsam mit dem Schweizer Security-Partner Vision Inside implementierte Aeberli die Cybersicherheitsplattform TrendAI Vision One™. Der Plattformansatz unterscheidet sich grundlegend von der bisherigen Einzellösungs-Strategie: Statt isolierter Tools für verschiedene Sicherheitsbereiche aggregiert TrendAI Vision One™ alle relevanten Informationen in einer zentralen Konsole und korreliert sie KI-gestützt.
Im Rahmen des Projekts wurden folgende Komponenten ausgerollt: Endpoint Security für rund 75 Endpunkte (Clients und Server), E-Mail and Collaboration Security mit XDR-Funktionalität sowie Cyber Risk Exposure Management (CREM) für Desktop, Server und Azure-Cloud-Umgebungen.
Eine besondere Herausforderung stellte die Integration von Azure Virtual Desktops dar – eine Technologie, bei der mehrere Nutzer auf gemeinsam eingesetzten virtuellen Systemen arbeiten, vergleichbar mit Citrix oder Microsoft Remote Desktop Services. Solche geteilten Umgebungen erfordern aus Security-Perspektive besondere Aufmerksamkeit, da sich Bedrohungen potenziell auf mehrere Nutzer auswirken können. Vision Inside war auf diese Konstellation vorbereitet und konfigurierte die Lösung entsprechend.
Das Projekt stand unter erheblichem Zeitdruck: Aufgrund externer Einflüsse musste der ursprüngliche Zeitplan deutlich komprimiert werden. Vision Inside bewies Flexibilität und stockte die Ressourcen entsprechend auf, ohne dass die Implementierungsqualität darunter litt.
Technische Funktionsweise: Risiken messbar machen
Das Herzstück der Plattform bildet das Cyber Risk Exposure Management. Diese Komponente berechnet kontinuierlich einen Risiko-Score für das gesamte Unternehmen auf einer Skala von 0 bis 100 – wobei niedrigere Werte eine bessere Sicherheitslage anzeigen. Werte unter 30 gelten als grüner Bereich. Der Score aggregiert Informationen aus allen angeschlossenen Systemen und identifiziert Schwachstellen, die in der fragmentierten Einzelbetrachtung unsichtbar geblieben wären.
Besonders relevant für die Budgetplanung und das Management-Reporting: Administratoren können in der Konsole konkrete Zielwerte definieren. Möchte ein Unternehmen seinen Risiko-Score beispielsweise um fünf Punkte senken, zeigt die Plattform automatisch die erforderlichen Massnahmen inklusive einer Einschätzung des jeweiligen Impacts auf den Gesamtscore an. So lässt sich der Aufwand realistisch kalkulieren und gegenüber der Geschäftsleitung transparent kommunizieren. Mit jeder umgesetzten Massnahme sinkt der Score sichtbar und der Erfolg von Security-Investitionen wird messbar.
Die XDR-Komponente ergänzt das Risikomanagement um die aktive Bedrohungserkennung. Sie analysiert vektorübergreifend, also über Endpunkte, E-Mail und Cloud hinweg, und erkennt Angriffsmuster, die bei isolierter Betrachtung einzelner Systeme unentdeckt blieben.
Sowohl das interne IT-Team als auch die Experten von Vision Inside haben Zugriff auf dieselbe Konsole. Der Partner übernimmt im Rahmen eines Managed-Security-Vertrags das kontinuierliche Monitoring der Warnmeldungen und unterstützt bei erforderlichen Massnahmen.
Ergebnisse: Transparenz und proaktives Handeln
Nach Abschluss des Rollouts verfügt Aeberli über eine konsolidierte Sicht auf die gesamte Sicherheitslage. Schwachstellen werden nun anhand ihrer Kritikalität priorisiert und können geschlossen werden, bevor sie ausgenutzt werden. Die Plattform liefert konkrete Handlungsempfehlungen zur Risikominimierung. Der Wegfall multipler Dashboards entlastet das IT-Team erheblich – alle relevanten Informationen fliessen in einer Konsole zusammen.
Der Risiko-Score mit Verlaufshistorie ermöglicht es dem IT-Leiter, der Geschäftsleitung jederzeit den aktuellen Sicherheitsstatus zu präsentieren und nachzuweisen, dass sich Investitionen in die Sicherheit auszahlen. Durch die Möglichkeit, Zielwerte zu definieren und den erforderlichen Aufwand abzuschätzen, lassen sich Security-Budgets fundiert planen und begründen.
Das Projekt demonstriert, dass der Plattformansatz auch für den Mittelstand mit rund 75 Endpunkten sinnvoll ist. Automatisierung und Konsolidierung kompensieren die begrenzten personellen Ressourcen kleinerer IT-Teams.
Ausblick: Modulare Erweiterung
Die Architektur von TrendAI Vision OneTM ist modular aufgebaut und ermöglicht eine schrittweise Erweiterung. Bei Aeberli wird geprüft, welche zusätzlichen Datenquellen künftig eingebunden werden können. Ein konkreter Kandidat sind Firewall-Systeme an den Unternehmensstandorten, deren Logs sich über die SIEM-Funktionalität (Security Information and Event Management) der Plattform integrieren und KI-gestützt auswerten lassen.
Vision Inside begleitet Aeberli weiterhin strategisch und unterstützt mit Managed Services. Die Zusammenarbeit ist auf mindestens fünf Jahre angelegt – neben kurzfristigen Verbesserungen verfolgen beide Seiten langfristige Sicherheitsziele. Eine zentrale Erkenntnis aus dem Projekt: Der richtige Partner ist entscheidend für den Erfolg.
Das Beispiel Aeberli zeigt, wie mittelständische Unternehmen mit begrenzten IT-Ressourcen eine professionelle Sicherheitsarchitektur aufbauen können. Der Plattformansatz konsolidiert fragmentierte Einzellösungen, schafft Transparenz und ermöglicht proaktives Handeln. Die Kombination aus leistungsfähiger Technologie und kompetenter Partnerbetreuung kompensiert fehlende interne Security-Expertise. Für Unternehmen in vertrauenssensiblen Branchen liefert der Case eine Blaupause: Mit dem richtigen Ansatz wird Cybersicherheit messbar, planbar und kommunizierbar.