Vor 24 Jahren: Napster revolutioniert die Musikindustrie

2. Juni 2023 um 12:40
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Screenshot: Illustration by Museum of Portable Sound Staff

Im Juni 1999 ging Napster online. Fast auf den Tag genau 3 Jahre später kam das endgültige Aus für den Peer-to-Peer-Dienst.

Am 1. Juni 1999 ging Napster offiziell online. Gegründet wurde die Firma in Kalifornien vom damals 18-jährigen Shawn Fanning und dem 19-jährigen Sean Parker. Napster setzte als eine der ersten Plattformen auf Peer-to-Peer-Technologie (P2P): Napster benutzte zentrale Server, um Listen der angeschlossenen Systeme und der von ihnen bereitgestellten Dateien zu führen, während die eigentlichen Transaktionen direkt zwischen den Rechnern der User durchgeführt wurden.
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'Time'-Titelbild mit Shawn Fanning, Oktober 2000.
Beim Filesharing konzentrierte sich Napster auf Musik, die in Form von MP3-Dateien kostenlos geteilt, hoch- und heruntergeladen wurde. Die Plattform traf einen Nerv – innert weniger Monate schnellte die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer auf rund 80 Millionen hoch. Und für eine neue Generation prägte sie zweierlei: Musik wurde digital konsumiert, und man war nicht mehr bereit, dafür zu bezahlen.
"Es war etwas, das den Menschen eine bessere, zuverlässigere und unterhaltsamere Möglichkeit bot, Musik zu teilen und die Musiksammlung des anderen zu sehen“, sagte Fanning später der 'BBC'. "Zum ersten Mal war diese vollständige Geschichte der aufgenommenen Musik für jedermann sofort online verfügbar."

Napster traf auf Musikindustrie im Allzeit-Hoch

Erwartungsgemäss keine Freude hatte die Musikindustrie. Diese verzeichnete 1999 einen Allzeit-Rekordumsatz von 22,3 Milliarden US-Dollar durch physische Tonträger, vor allem dank der teuren CDs. Zum Vergleich: 2022 betrug dieser Umsatz noch rund 4,6 Milliarden Dollar.
Im November 1999 erklärte die Recording Industry Association of America (RIAA) denn auch, dass Datenaustausch von Musikstücken über das Internet illegal sei. Einen Monat später reichte sie in San Francisco Klage gegen Napster wegen Urheberrechtsverletzungen ein.
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Napster-Website 1999. Screenshot: Internet Archive
Musikerinnen und Musiker hingegen waren anfänglich nicht unisono gegen die P2P-Pioniere. Rapper Chuck D von Public Enemy, Courtney Love oder die Beastie Boys äusserten sich in Medienbeiträgen wohlwollend über Napster. Andere wie Eminem oder Peter Gabriel taten ihre Ablehnung kund, besonders heftig äusserte sich die Band Metallica. Sie erstatte im April 2000 selbst Anzeige wegen wiederholter Copyrightverletzung. Am Napster-Firmensitz deponierte ihr Anwalt eine Liste mit Hunderttausenden Usern, die illegal Metallica-Songs zum Filesharing angeboten hatten. Er forderte, deren Accounts sofort zu sperren.

Weg gebahnt für iTunes und Spotify

Napster versuchte nun, einen Deal mit den grossen Plattenfirmen auszuhandeln. Die Rede war von einem Modell "1 Dollar pro Song". Die Musikindustrie hatte aber dafür noch kein Gehör, beziehungsweise traute sie eine entsprechende Umsetzung den "Piraten" nicht zu. Solche Modelle konnten erst später Apple mit dem iTunes-Store oder Streaming-Anbieter wie Spotify einführen.
In mehreren Verfahren hiessen US-Gerichte auch die Copyright-Klagen gut. Im Juli 2001 nahm Napster seine Server vom Netz. Die Firma erklärte sich bereit, 25 Millionen US-Dollar an die Rechteinhaber für zurückliegende Lizenzgebühren zu zahlen, und versuchte erneut, ein Abonnementsmodell einzuführen. Doch die Gratisbüchse war geöffnet, Napster-User wollten nicht für Musik bezahlen und wanderten zu anderen P2P-Filesharing-Plattformen wie Limewire oder Kazaa ab.
Napster fehlte zudem das Geld, um zukünftige Lizenzgebühren für einen legalen Musikdienst finanzieren zu können. Fast auf den Tag genau 3 Jahre nach dem Start, am 3. Juni 2002, meldete die Firma Insolvenz an. Bertelsmann kündigte an, Napster für 85 Millionen Dollar zu übernehmen. Ein US-Richter blockierte aber den Deal. Namensrechte und Assets wurden schliesslich von Roxio gekauft.

Heute ein legaler Streaming-Dienst

Seither hat Napster einige Male den Besitzer gewechselt und funktioniert heute als legaler Musik-Streamingdienst. Mit einem Marktanteil, der allerdings weit hinter der Konkurrenz von Spotify, Apple oder Amazon Music liegt. Laut Moneyland betrug er 2022 in der Schweiz 4%.
Nach dem Ende des ursprünglichen Napsters sagte Shawn Fanning gemäss 'Fortune' einmal zu einer ehemaligen Mitarbeiterin: "Wir hatten keine Chance. Es gab keine Möglichkeit, dass die RIAA an uns kein Exempel statuieren würde. Sie mussten."

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