Vor 37 Jahren: Commodore Amiga entzückt die Jugend

29. Juli 2022 um 10:36
  • kolumne
  • it-geschichte
image
Foto: Blake Patterson / Flickr / Lizenz "CC BY 2.0"

Während damals IBM und Apple den PC-Markt dominierten, präsentierte Commodore das erste Multimedia-Gerät.

Am 23. Juli 1985 lud Commodore zu einer grossen Gala ins Lincoln Center in New York. Vorgestellt wurde der Amiga 1000, das erste Gerät der Amiga-Reihe, das als "The Amiga from Commodore" vermarktet wurde. Anwesend waren auch Pop-Art-Künstler Andy Warhol und Blondie-Sängerin Debbie Harry. Warhol sollte die Möglichkeiten der neuen Maschine vorführen, indem er mit der Maus eher unbeholfen farbige Striche über ein gescanntes Bild von Harry kritzelte. "Ich wollte schon immer Walt Disney sein", sagte Warhol, "ich empfehle allen, sich so ein Gerät zu besorgen."
image
Andy Warhol, Debbie Harry und ein Amiga. Screenshot: New York Magazine, August 1985
Zur Vorführung bemerkte das 'New York Magazine' spöttisch, Warhols Performance habe nicht unbedingt Lob verdient, "der neue Computer aber auf jeden Fall". Denn der Amiga 1000 wartete mit drei Custom-Chips namens Agnus, Denise und Paula auf, mit dem 32-Bit-Betriebssystem AmigaOS, dem generellen Schritt von der 8-Bit- zur 16-Bit-Architektur und wie der Apple Macintosh mit einem Motorola 68000 als Hauptprozessor. Dazu kamen eine für die damalige Zeit aussergewöhnliche Soundqualität (8-Bit-Sampling) und Grafikleistung (4096 Farben).

Der Erfinder kam von Atari

Konzipiert hatte den Computer der Atari-Entwickler Jay Miner, der 1982 die Amiga Corporation gegründet hatte, die 2 Jahre später von Commodore übernommen worden war. Das Unternehmen hatte mit dem 1982 lancierten C64 bereits einen Heimcomputer auf dem Markt, mit dem Amiga folgte aber keine Weiterentwicklung, sondern eine eigentliche Revolution.
Das 'Byte Magazine' schrieb 1994: "Der Amiga war seiner Zeit so weit voraus, dass fast niemand – einschliesslich der Marketingabteilung von Commodore – vollständig artikulieren konnte, worum es eigentlich ging. Heute ist es offensichtlich, dass der Amiga der erste Multimedia-Computer war, aber in jenen Tagen wurde er als Spielmaschine verspottet, weil nur wenige Leute die Bedeutung von fortgeschrittener Grafik, Sound und Video begriffen."

Beliebt für Games, Grafik und Musik

Mit dem Amiga wollte Commodore auch in Konkurrenz zu den dominierenden Heimcomputern von IBM und Apple treten. Das gelang nicht. In den USA floppte das neue Gerät, in Europa hingegen stieg dessen Popularität. Zwar kostete der Amiga 1000 inklusive Monitor 1595 Dollar, was ihn für Jugendliche nicht gerade erschwinglich machte. Spätestens mit dem günstigeren Nachfolgemodell Amiga 500 änderte sich dies 1987, und eine junge Generation wurde zur "Generation Amiga".
Beliebt war das Gerät für Games, für kreative Grafikanwendungen und spielte nicht zuletzt beim einsetzenden Boom von elektronischer Musik eine wichtige Rolle. In vielen Heimstudios stand noch Jahre später ein Amiga. Und für viele Nutzerinnen und Nutzer bot er überhaupt erst den Einstieg in eine technologische Welt.
Dem vorläufigen Siegeszug der IBM-PCs konnte der Amiga aber nicht standhalten. 1993 erschien mit dem Amiga 4000T das letzte Modell der Reihe. Ein Jahr später musste der Hersteller Commodore im April 1994 Insolvenz anmelden. (Lesen Sie hier die IT-Geschichte zu Commodore.)
ZDF-Sendung "Computer Corner" stellt den Amiga 1000 vor. Video: Youtube

Loading

Mehr zum Thema

image

Von Hensch zu Mensch: 60 IT-Stellen weg. Na und?

Die Post schweigt zum Stellenabbau in der IT. Kolumnist Jean-Marc Hensch ist verwundert über die seltsame Stille eines Unternehmens, das uns alle kennt.

publiziert am 12.6.2026
image

DSI Insights: Wie viel verraten digitale Daten über unsere Städte?

Wir haben mehr Daten über unsere Städte als je zuvor. Und dennoch bleiben wichtige Fragen offen.

publiziert am 8.6.2026
image

SATW insights: Wie Schweizer Firmen KI verantwortungsbewusst einsetzen

Ein Chatbot halluziniert falsche Produktdaten. Ein Bewerbungsalgorithmus benachteiligt Frauen. Was nach lösbaren Problemen klingt, entpuppt sich in der Praxis als komplexes Geflecht aus Ethik, Rechtsfragen und Verhalten.

publiziert am 22.5.2026
image

Parldigi direkt: Stillstand ist keine Strategie

Die Gründe, warum der Bund eine Alternative zu den Cloud-Versionen von Microsoft Word, Excel und Co. braucht, nennt "Parldigi-direkt"-Kolumnist Gerhard Andrey.

publiziert am 13.5.2026