Vor 28 Jahren: Commodore ist zahlungsunfähig

29. April 2022 um 07:00
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Vielfach nur noch in Museen anzutreffen: Der Commodore PET 2001. Foto: JohnSeb / Lizenz: CC BY 2.0

Mit der Insolvenz des Computer-Herstellers Commodore endete 1994 eine Ära. Für mehrere Generationen waren die Geräte der erste Berührungspunkt mit der Informatik.

Commodore International war ein amerikanisches Unternehmen mit Sitz in West Chester. In den 1980er und frühen 90er Jahren dominierte der Hersteller insbesondere den Markt für Heimcomputer in Europa. Modelle wie der C64, der PET 2001 oder die Geräte aus der Amiga-Serie wurden in dieser Zeit in Schulen, bei Forschungsprojekten, für die Produktion oder in kaufmännischen oder administrativen Berufen eingesetzt. Und vor allem auch: Zum Gamen! Viele Leute erinnern sich auch heute noch mit nostalgischer Sehnsucht an die damals hochmodernen Games für die "Brotbüchse" C64 oder die Lucasarts-Adventures und viele andere tolle Spiele für den Amiga.
Aufgrund der starken Konkurrenz, konzeptloser Entwicklungen und einem schlechten Marketing musste Commodore am 29. April 1994 trotzdem Insolvenz bei der zuständigen Behörde anmelden.
Ursprünglich wurde Commodore 1954 von Jack Tramiel in Toronto gegründet. Zunächst stellte das Unternehmen Schreibmaschinen her. Als in den späten 1950er Jahren eine Welle von günstigen japanischen Schreibmaschinen auf den Markt kam, stieg die Firma auf die Produktion von mechanischen Addiermaschinen um. In den frühen 60er Jahren drohte sich dieselbe Geschichte zu wiederholen, als wiederum japanische Unternehmen damit begannen, Addiermaschinen herzustellen. Commodore versuchte auf Innovationen zu setzen und entwickelte Taschenrechner, Digital­arm­band­uhren, Schachcomputer und Computerspiele – allerdings alles ohne nennenswerte Erfolge.

Der erste Computer

Für die Herstellung von Taschenrechnern war das Unternehmen auch auf die Bauteile der Firma Texas Instruments angewiesen. Diese entschloss sich allerdings 1975 selbst in den Markt für Taschenrechner einzusteigen. Dies führte dazu, dass der Konkurrent seine Endprodukte schlussendlich zu einem tieferen Preis verkaufen konnte, als Commodore für die einzelnen Bauteile seiner Taschenrechner bezahlte. Um an günstigere Komponenten zu kommen, kaufte das Unternehmen in der Folge den Chiphersteller MOS Technologies auf.
Die Akquisition stellte sich als Glücksfall heraus: Chuck Peddle, einer der wichtigsten Ingenieure von MOS, stiess durch die Übernahme zu Commodore und wurde dort zum Chef der Entwicklung. Peddle schaffte es, den Gründer davon zu überzeugen, sich dem Markt der Mikro­computer zuzuwenden und entwickelte mit dem Commodore PET 2001 (Personal Electronic Transactor) den ersten Computer des Unternehmens. Dieser kam 1977 auf den Markt und wurde in Deutschland unter anderem über den Grossversandhandel zum Kauf angeboten.

Die Erfolgswelle

Die Nachfolgemodelle des PET 2001 waren in Europa besonders beliebt. In Deutschland gehörten sie am Anfang der 1980er Jahre zu den ersten Marktführern in Schule und Universität, der Fertigungssteuerung und in Büros. Das Unternehmen expandierte; es wurden Tochtergesellschaften geründet und Niederlassungen in Frankfurt, London, Wien und Aesch bei Basel sowie ein Endfertigungswerk in Braunschweig. Die deutsche und die britische Filiale waren dabei in Europa die wichtigsten Umsatzbringer. Die USA, Deutschland und Grossbritannien sorgten mit jeweils 30% für den Löwenanteil der Umsätze. In allen anderen Ländern erwirtschaftete das Unternehmen lediglich 10% seiner Einnahmen.
Um auch den Markt für Heimcomputer zu erschliessen, wurde 1982 der Commodore 64 (C64) vorgestellt. Obwohl der neue Computer zunächst sehr teuer war, überzeugte er durch seine Grafik- und Musikfähigkeiten. Die Geräte verfügten über einen Farbbildschirm mit 320x200 Pixel, der damals unglaubliche 16 Farben darstellen konnte. Damit war man der fast ausschliesslich mono­chromen Konkurrenz anfänglich noch klar voraus.
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Der Commodore C64 wurde auch liebevoll Brotbüchse genannt. Foto: Bill Bertram / Lizenz: CC BY-SA 2.5
Auf dem Markt für Heimcomputer entbrannte danach ein Preiskampf, an dem sich auch Texas Instruments, Atari, sowie eine Reihe weiterer japanischer Hersteller beteiligten. Mit 22 Millionen verkauften C64 schaffte es Commodore aber, den Heimcomputermarkt zumindest in Deutschland zu dominieren und seine Konkurrenten aus dem Markt zu drängen.

Der Abstieg

Der Preiskampf ging jedoch auch an Commodore nicht spurlos vorbei. Die Finanzreserven drohten auszugehen und der Aufsichtsrat wollte eigentlich aus dem zu hart umkämpften Marktsegment aussteigen. Als Konsequenz entbrannte innerhalb des Unternehmens ein Machtkampf, der damit endete, dass Jack Tramiel 1984 das von ihm gegründete Unternehmen verliess und anschliessend den ehemaligen Konkurrenten Atari aufkaufte.
Bei Commodore einigte man sich darauf, dass sich der von IBM definierte Standard für PCs durchsetzen würde und entwickelte aus eigener Kraft eine Serie an kompatiblen Rechnern. Mitte der 1980er Jahre konnten die Commodore-PCs noch gut im Wettbewerb mithalten. Dies war vor allem der hohen Qualität und dem Ruf "kompatibler als IBM" zu sein, zu verdanken. Die Kosten für Weiterentwicklungen stiegen in den Folgejahren allerdings so sehr an, dass sie zunächst an Externe vergeben wurden und schlussendlich ganze Rechner aus Südostasien zugekauft wurden.

Ein letztes Aufbäumen

Commodore benötigte dringend ein neues Produkt. Viele Nachfolgeprojekte zum C64 brachten nicht den gewünschten Erfolg. Aus diesem Grund kaufte das Unternehmen mit dem Amiga-Computer eine Neuentwicklung ehemaliger Atari-Angestellter auf. Das Gerät kam im Frühjahr 1986 zu einem Preis von rund 1500 US-Dollar auf den Markt und war als Bürocomputer gedacht.
Atari war allerdings schneller und bot mit dem Atari ST bereits 1985 ein vergleichbares Modell zu einem günstigeren Preis an. Wieder entbrannte ein erbitterter Kampf um die Vorherrschaft am Markt, der schliesslich 1987 durch die Veröffentlichung des Amiga 500 durch Commodore entschieden wurde.
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Der Amiga 500 von Commodore. Foto: Bill Bertram / Lizenz: CC BY-SA 2.5
Den Unternehmensmarkt teilten sich inzwischen Apple und IBM. Commodore fand sich trotz seiner technischen Überlegenheit plötzlich isoliert. Zwar hatte man zu jeder Zeit professionelle Rechner im Sortiment, doch liessen sich diese nur schwer vermarkten, weil ihnen das Prädikat "Spielerechner" anhaftete.
Das Marketing von Commodore galt zu dieser Zeit als schlecht und das Unternehmen stürzte sich auch immer wieder in konzeptlose Abenteuer, wie einer eigenen IBM-kompatiblen Baureihe oder die Veröffentlichung von Techniken, für die es auf Jahre hinaus noch keinen Bedarf geben würde. Gleichzeitig wurden die beiden grossen bestehenden Linien – der C64 und der Amiga – nicht konsequent genug weiterentwickelt, um mit der rapide zunehmenden Entwicklungsgeschwindigkeit der IBM-kompatiblen PCs ab den 1990ern mitzuhalten.
Das Ende
Als sich das wirtschaftliche Ende von Commodore abzeichnete, wurden Pläne entwickelt, um sich komplett auf den europäischen Markt zu konzentrieren und den US-Markt zu verlassen. Diese wurden jedoch nie umgesetzt. Im Frühjahr 1994 begannen die ersten Tochterunternehmen damit, ihren Betrieb einzustellen. Am 29. April 1994 beantragte das mittlerweile auf den Bahamas angesiedelte Mutterhaus offiziell die Liquidation.
Zuletzt überlebten nur noch die beiden profitablen Tochtergesellschaften in Deutschland und Grossbritannien. Während der deutsche Ableger schlussendlich durch die Muttergesellschaft mit in den Untergang gerissen wurde, hat das britische Unternehmen versucht, sein Ende durch einen Aufkauf der Muttergesellschaft abzuwenden. Die finanziellen Reserven reichten allerdings nicht dafür aus und Commodore wurde schliesslich für 14 Millionen Dollar an den deutschen PC-Hersteller Escom verkauft.

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