Der IBM 5150 PC von IBM. Foto: Home Computer Museum
Big Blue hatte einen Trend verschlafen und musste rasch handeln. Dadurch traf der Konzern Entscheidungen, die den Markt für immer verändert haben.
IBM führte zwar den Markt der Grossrechner an, hatte aber den frühen Trend zum Personal Computing in den 1970-Jahren verschlafen. Mitte der 1970er kam der Apple I, kurz darauf das Nachfolgemodell II. "Plötzlich kauften Zehntausende von Menschen solche Computer und sie liebten sie", resümiert der ehemalige IBM-Manager Jack Sams in der Dokumentation "Triumph of the Nerds".
Deshalb musste es bei IBM plötzlich schnell gehen. Bereits ein Jahr nachdem Bill Lowe, Laborleiter des Unternehmens in Florida, grünes Licht erhielt, wurde der erste PC der Firma am 12. August 1981 präsentiert. Beim "5150 Personal Computer" handelte es sich um den bislang kleinsten und günstigsten PC, wie es vom US-Konzern hiess. Das Gerät richtete sich an Unternehmen, Schulen und Private und wurde ab 1565 US-Dollar verkauft. "Das einfach zu bedienende System basiert auf leicht erhältlichen 'Standard'-Komponenten von externen Anbietern", so der Konzern.
Eigentlich war der 5150 als Überbrückungsmodell gedacht, mit dem IBM in den aufstrebenden PC-Markt einsteigen und sich Zeit lassen wollte, einen "echten PC" zu entwickeln. Um die Entwicklung zu beschleunigen, durfte das Team unkonventionell arbeiten, heisst es im IBM-Archiv. Übergeordnetes Ziel war es, den PC so schnell wie möglich zu entwickeln. Deswegen wurden keine selbst entwickelten Komponenten, sondern solche von der Stage verwenden.
Aus einer Printanzeige für den IBM PC 5150. Quelle: IBM / Arstechnica
Das Gerät war schlussendlich ein Kompromiss zwischen Qualität und schneller Marktreife. Darin steckt laut Berichten auch der Ursprung des schlechten Rufs des PCs – "fehleranfällig und frustrierend für die Anwender".
Wie die Komponenten stammte auch das Betriebssystem nicht aus dem eigenen Haus, sondern wurde von dem damals noch kaum bekannten Unternehmen Microsoft entwickelt. Somit war es anderen Unternehmen rasch möglich, das Gerät zu kopieren. Microsoft konnte sein DOS an andere Unternehmen lizenzieren, was den Redmondern die Kontrolle über den Betriebssystemmarkt verschaffte. Auch Intel profitierte: Im PC steckte der Intel 8088 Mikroprozessor. Am Ende war nur eine Komponente wirklich von IBM, das BIOS. Aber auch davon gab es bald kompatible Fassungen von anderen Anbietern.
Es dauerte nicht lange, bis mehr und mehr kompatible Computer auf den Markt kamen. Man kann spekulieren, wie sich der Computermarkt ohne diese Klone weiterentwickelt hätte. "IBM hätte auf jeden Fall die Preise hoch gehalten und ein Massenphänomen wäre aus dem PC nicht geworden", schreibt das Home Computer Museum.
1985 wurde Steve Jobs in einem Interview mit den Worten zitiert: "Wenn IBM gewinnt, glaube ich, werden wir für etwa 20 Jahren in ein dunkles Computerzeitalter eintreten." IBM hat auf lange Sicht zwar nicht gewonnen, war aber für die nächsten 20 Jahre dennoch der Sieger. Kritiker würden argumentieren, dass diese Zeit tatsächlich ein dunkles Zeitalter für den PC-Markt war, so der Blog "This Day in Tech History".
Direkt nach dem Release wurde IBM vom Rivalen Apple noch belächelt. Berühmt war die Zeitungsanzeige von Apple mit den Worten: "Willkommen, IBM. Ernsthaft". Aber IBMs Personal Computer war ein Erfolg. Er konnte komplexe Rechenmodelle ausführen und verdrängte die Konkurrenz rasch aus den Büros. Im PC-Markt erreichte IBM einen Anteil von 80%. Knapp 10 Jahre aber nach dem Verkauf der ersten PC-Klone durch Compaq verlor IBM die Marktführerschaft. 2005 verkauft der Konzern seine PC-Sparte samt Markenrechten schliesslich an Lenovo und zog sich aus dem PC-Geschäft zurück.