Swisscom hat wegen einer happigen Weko-Busse und anderen Sondereffekten im 1. Halbjahr 2022 einen Gewinnknick erlitten. Unter dem Strich tauchte der Reingewinn um 25% auf 785 Millionen Franken.
Grund für den Rückgang sind mehrere Sonderfaktoren, wie der Branchenprimus in einem Communiqué mitteilt: Im Vorjahr hatten Aufwertungen aus einer Glasfaserkooperation der italienischen Tochter Fastweb und der Verkauf einer Beteiligung in Belgien für einen Einmalgewinn von 207 Millionen Franken gesorgt.
Auf der anderen Seite hat die Swisscom in diesem Jahr eine Busse von knapp 72 Millionen Franken der Eidgenössischen Wettbewerbskommission Weko verbucht. Nach Ansicht der Wettbewerbshüter hatte der Telekomkonzern zwischen 2006 und 2013 bei der Übertragung von Live-Fussball- und -Eishockeyspielen im Bezahl-TV seine marktbeherrschende Stellung missbraucht.
Swisscom zieht Weko-Busse vor das Bundesgericht
Vor dem Bundesverwaltungsgericht war die Swisscom Anfang Juni mit ihrer Beschwerde gegen die Weko-Busse abgeblitzt. Nun hat der Telekomkonzern
den Entscheid ans Bundesgericht weitergezogen. Neuigkeiten dazu gab es im Communiqué nicht: "Die Swisscom ist an einer raschen Lösung interessiert und führt dazu intensive Gespräche mit der Wettbewerbskommission", hiess es lediglich.
Auch der
Glasfaserstreit mit der Wettbewerbskommission (Weko) hat massive Folgen für die Swisscom: Ende Juni seien über 300'000 Glasfaseranschlüsse vom Weko-Verbot blockiert gewesen, die man gebaut habe, aber nicht vermarkten könne, sagte der neue Konzernchef Christoph Aeschlimann in einer Telefonkonferenz für Journalistinnen und Journalisten. Neuigkeiten zum Streit konnte der CEO allerdings nicht bekannt geben.
Die Sondereffekte schlagen laut Swisscom massiv auf den Halbjahresgewinn. Ohne die Sondereffekte wäre der Reingewinn um 8,2% gestiegen. Nicht ganz so stark wirken sich die Sondereffekte beim Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA) aus. Dieser sank um 5,4% auf 2,2 Milliarden Franken. Ohne die Einmaleffekte und bei konstanten Währungen hätte der EBITDA um 1% zugelegt.
B2B-Service-Geschäft in der Schweiz zieht weiter an
Denn der grösste Telekomkonzern der Schweiz bekommt auch die Euro-Schwäche zu spüren, die das Resultat der italienischen Breitbandtochter Fastweb in Schweizer Franken drückt. Der Swisscom-Umsatz sank um 1,6% auf 5,5 Milliarden Franken. Ohne die Euro-Schwäche wäre der Umsatz beinahe stabil geblieben (-0,1%).
Im gesättigten Schweizer Kerngeschäft sank der Umsatz leicht um 0,2%. Der anhaltende Wettbewerbs- und Preisdruck führte weiterhin zu einem Rückgang beim Umsatz mit Telekomdiensten. Dagegen stieg der Umsatz im IT-Lösungsgeschäft mit Geschäftskunden deutlich. Der Umsatz erhöhte sich hier dank Nachfrage nach Cloud, Security, Business Applikationen sowie IoT- und SAP-Lösungen im 1. Halbjahr 2022 um 7,7% auf 589 Millionen Franken.
In Italien ist der Konzern weiter gewachsen: Die Mailänder Tochter Fastweb steigerte den Umsatz um 1,5% und den EBITDA um 4,9%. Allerdings ist bei den Breitbandanschlüssen in Italien offenbar das Ende der Fahnenstange erreicht. Gewachsen ist Fastweb nur noch im Mobilfunk.
Mit den Zahlen hat die Swisscom die Erwartungen der Analysten etwas verfehlt. Der "blaue Riese" hat die Weko-Busse einkalkuliert und lässt deshalb den Ausblick fürs Gesamtjahr unverändert. Die Swisscom erwartet weiterhin einen Umsatz von 11,1 bis 11,2 Milliarden Franken. Der EBITDA soll rund 4,4 Milliarden Franken erreichen und die Investitionen rund 2,3 Milliarden Franken.