Stephan Bischof wird am 1. März die Geschäftsführung von Xplain übernehmen. Er folgt beim Softwareanbieter für Behörden auf Andreas Löwinger, der
die Funktion altershalber abgibt.
Mit dem Verkauf an die deutsche Chapters Group respektive deren Schweizer Tochter und dem baldigen CEO-Wechsel schliesst das in Interlaken beheimatete Unternehmen die Nachfolgeregelung ab. Löwinger werde dem Unternehmen aber weiterhin als Berater zur Verfügung stehen, teilt Xplain mit.
Der neue Geschäftsführer bringt langjährige Erfahrung aus verschiedenen Führungspositionen in der ICT-Branche mit, so die Mitteilung. Zuletzt leitete Bischof bei
Faigle die Bereiche Sales, Marketing und Legal. Davor war er unter anderem
Geschäftsführer von STP, einem Softwareanbieter für Anwaltskanzleien. Weitere Stationen seiner Karriere waren Sage Schweiz, Moneyhouse und Acons Business Consulting.
Skalierung und Neukundenakquise im Fokus
Für den neuen CEO stehen die Stabilisierung und die Weiterentwicklung des Unternehmens mit seinen rund 60 Mitarbeitenden in der Schweiz und Spanien im Vordergrund. "Die Mitarbeiter sind die DNA des Unternehmens und entscheidend für den Erfolg", betont Bischof im Gespräch mit inside-it.ch. Das Unternehmen soll organisatorisch für weiteres Wachstum gerüstet werden. Mit Bischof starte auch ein neuer Finanzleiter.
Neben den bestehenden Kunden und Märkten stehe für ihn auch die Neukundenakquise im Fokus, sagte Bischof. Dazu gehörten grössere WTO-Ausschreibungen, die man gemeinsam mit Partnern angehen möchte. In diesem Zusammenhang nennt der designierte CEO aber auch Herausforderungen, darunter die "viel zu hohe Gewichtung des Preises" bei Ausschreibungen.
Investitionen in Produkte und Marketing
Daneben will Xplain auch Neukunden in der Privatwirtschaft gewinnen und Nischenprodukte entwickeln, die in neue Märkte passen. Dabei soll auch die Integration von KI eine wichtigere Rolle spielen.
Dazu seien aber Investitionen nötig, erklärte Bischof. Zum einen müsse mehr in das Produkt-Marketing gesteckt werden. Zum anderen müssten die Produkte so aufgestellt werden, dass sie gut skalieren. "Eines meiner Ziele ist Agilität." Xplain müsse agil genug aufgestellt sei, um rasch auf neue Marktanforderungen reagieren zu können.
Unterstützung gibt es dabei vom neuen Besitzer. Die Chapters Group könne finanzielle Power, aber vor allem auch zusätzliches Know-how einbringen. Gerade mit Blick auf durch das Grossprojekt Justitia 4.0 angetriebene Digitalisierungsvorhaben sieht Bischof Xplain mit der Gruppe im Rücken gut positioniert.
"Hausaufgaben gemacht"
Xplain geriet 2023 in die Schlagzeilen als bekannt wurde, dass bei einem
Ransomware-Angriff Daten gestohlen wurden. Davon betroffen waren mehrere Kantone sowie die Bundesverwaltung. Im Zuge mehrerer Massnahmen, die die Verwaltung beschlossen hatte, um künftige Datenabflüsse bei IT-Lieferanten zu vermeiden, wurde auch ein Betriebssicherheitsverfahren durch das Staatssekretariat für Sicherheitspolitik (Sepos) durchgeführt. Dieses stellte dabei unter anderem fest, dass der Eigentümerwechsel von Xplain "keine besonderen Risiken für den Bund" nach sich ziehe, wie es in einer Mitteilung vergangene Woche hiess.
Die Frage, ob er aufgrund der berüchtigten Geschichte von Xplain gezögert habe, die CEO-Position anzutreten, verneint Bischof klar. "Im Gegenteil", meinte er. Mittlerweile sei wohl allen klar, dass ein Cyberangriff jeden treffen könne. Xplain habe sehr gut reagiert, den Fall aufgearbeitet und sich entsprechend aufgestellt. "Die Aufräumarbeiten haben zu mehr Vertrauen geführt, es gab
keinen Exodus", so Bischof.