Nationalrätin Franziska Ryser. Foto: Zugang für alle
Das Kompetenzzentrum und die Schweizer Zertifizierungsstelle für digitale Barrierefreiheit feiert ihr 25-jähriges Bestehen.
An einer Feier im Spirgarten in Zürich konnten alle Mitarbeitenden der Stiftung "Zugang für alle" mit rund 120 Gästen ihr Jubiläum begehen. Exakt vor einem Vierteljahrhundert gründete der selbst blinde Technologie-Fan Arnold Schneider die Stiftung, unter anderem gemeinsam mit Reto Bulotti, dem ehemaligen Leiter von IBM Tessin. Die Vision schon damals: Die Schweiz digital barrierefreier zu gestalten.
Das Stiftungsratsmitglied Franziska Ryser, Nationalrätin der Grünen, Unternehmerin und ETH-Doktorandin, zeigte in ihrer Eröffnungsrede auf, wie in der Politik die Inklusionshürden langsam, aber stetig geringer werden. Trotzdem: Die Aktivitäten von "Zugang für alle" seien notwendiger denn je. "Die Politik muss hier den Mut haben, klare Regeln und Accessibility einzufordern: als Investition in Teilhabe, Selbstbestimmung und Demokratie", betonte Ryser. Insbesondere generative KI könne und solle bei der Gestaltung einer digitalen Umgebung Barrierefreiheit von Beginn an im Programierungsprozess in den Fokus setzen.
Technische Hürden bleiben
Moderatorin Manu Heim mit René Jaun, Sarah Genner und Andreas Uebelbacher (v.l.). Foto: Zugang für alle
In einer Talkrunde diskutierten Digital- und Inklusions-Expertin Sarah Genner mit dem blinden Journalisten René Jaun und Andreas Uebelbacher, seit Jahrzehnten einer der bekanntesten Accessibility-Spezialisten der Schweiz. Es kamen die noch immer bestehenden Hürden zur Sprache, etwa die fehlende E-ID und die digitalen Gesundheitsakten, aber auch notwendige Sensibilisierungsmassnahmen in Unternehmen und Gesellschaft.
Ein Höhepunkt war das Interview mit der ersten Mitarbeiterin der Stiftung, der multipel beeinträchtigten Petra Ritter und ihrem Avatar. Sie erzählte, wie sie sich als ganz junge IT-Supporterin autodidaktisch weiterbildete und wie mit Arnold Schneider, einem Telefon und zwei sprechenden PCs die operativen Geschäfte begannen. Auch hob sie hervor, dass Checklisten und Standards zwar notwendig sind, aber zuletzt echte Empathie entscheidend für eine echte Inklusion sei.
Geschäftsführer Markus Böni, Foto: Zugang für alle
Der Geschäftsführer von "Zugang für alle", Markus Böni, der die Hürden des Alltags als Rollstuhlfahrer nur zu gut kennt, zeigte, was heutzutage technisch für die digitale Barrierefreiheit möglich ist. In seiner Rede stellte er auch die von der Stiftung entwickelte Accessibility Monitoring Plattform vor, die ab 1. Januar 2026 verfügbar sein wird, und lancierte zudem die neue ZFA-Akademie, die Barrierefreiheit sowohl Einsteigerinnen und Einsteigern als auch Fortgeschrittenen professionell vermittelt.