Andy's AI Almanac: Technology Trilogy Engineer – die Köche der Zukunft

19. Februar 2024 um 10:54
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Kolumnist Andy Fitze

Alle reden von KI. Doch hinter den Kulissen braut sich etwas Grösseres zusammen, schreibt Andy Fitze in seiner ersten Kolumne.

Fangen wir von vorne an. Wir Menschen glauben immer noch, dass wir nicht-lineare Prozesse verstehen. Aber: Nein, tun wir nicht. Wir können nicht einmal eine Badewanne nach dem hundertsten Mal halbwegs auf angenehme Badetemperatur bringen. Wir sind nicht für Dinge gemacht, die wir nicht linear erfassen können. Wir sind mit einer einfachen Wettervorhersage so überfordert, dass wir meistens nach dem Wetterbericht gar nicht mehr wissen, wie das Wetter jetzt werden soll. Die Intuition will uns nicht in den Kopf.

Daraus ergeben sich für mich 3 Erkenntnisse:

  1. Die Dinge sind komplex und wir haben sie vereinfacht, damit wir sie verstehen und anwenden können. Und das ist gut so. Wir wären alle überfordert. Wer zum Beispiel im Winter auf Skitour geht, kennt das. Es gibt die 3x3-Regeln der Lawinensicherheit. So wird es verstanden und es ist praktisch. Aber die Wirklichkeit ist viel komplexer. So komplex, dass wir sie nicht verstehen und nicht verarbeiten können, schon gar nicht im Gelände bei minus 20 Grad.
  2. Wir schliessen aus der Erfahrung auf die Zukunft, auch und gerade bei hochvolatilen Systemen. Das nennen wir dann Intuition, gemeint ist aber "kompetentes Verhalten bei völliger Ahnungslosigkeit". Gerade bei Komplexität neigen wir zu diesem Verhalten, vielleicht um eine gewisse Logik zu erzeugen. So glauben wir, dass der Schritt vom assistierten zum autonomen Fahren ein logischer nächster Schritt ist. Also ein Schritt. In Wirklichkeit ist die Technologie in diesem einen Schritt um den Faktor 1000 komplexer. Oder als Steve Ballmer sich 2007 über Apple lustig machte. Microsoft verkaufe Millionen von Smartphones pro Jahr, Apple keines. Heute verkauft Apple so viele an einem Tag.
  3. Wir vergessen gerne. Darin sind wir sogar Weltmeister. Sozusagen eine individuelle und gesellschaftliche Amnesie. Vor der Flugzeugtür schauen wir kurz auf die Bordkarte, um uns unsere Sitznummer zu merken. Kaum im Flugzeug, haben wir alles vergessen.
Und jetzt wundern wir uns über KI. Als hätten wir vergessen, dass Taschenrechner, Wikipedia, Google-Suche, Excel, Smartphone und unser Küchenherd uns längst überholt haben.
Aufwachen! Mit unserer Erfahrung, mit unserer Logik, mit unserem Wissen werden wir die technologische Entwicklung kaum erfassen, geschweige denn vorhersagen können.
Wir müssen uns viel intensiver mit Technologien beschäftigen. Viel mehr!
Was wir heute mit KI und ihrer rasanten Entwicklung sehen, blendet uns. Wir sind erstaunt, verblüfft und damit blind für das, was kommen wird.

Meine Prognosen:

  1. KI direkt angewandt, wird die Produktivität steigern.
  2. KI in Technologien angewendet, wird neue Märkte definieren.
  3. KI verschmolzen mit mehreren Technologien wird die Grundlagen dieser Welt verändern.
Ersteres erleben wir heute. Das zweite ist im B2B-Bereich bereits auf dem Vormarsch. Aber das Dritte wird spannend. Zum Beispiel wird die Kombination von KI, Krypto und Blockchain den Handel aller Assets dieser Welt fundamental verändern. Und KI, Biotech und Quantum werden das Wissen über uns, die Natur, die Gesundheitsindustrie fundamental verändern.
Zum ersten Mal in der Geschichte werden wir in der Lage sein, komplexe Fragen mit komplexen Systemen zu beantworten. Ich bin sehr gespannt. Nichts für unsere Köpfe.
Ich plädiere daher für eine neue Berufsgattung: Technology Trilogy Engineer – Köche, die es verstehen, Technologierezepte neu zu entdecken.

Zum Autor

Andy Fitze ist Serial Entrepreneur, Venture Partner, Investor und anerkannter Strategieberater für digitale Transformation und KI. Er ist Autor, Kolumnist und Abenteurer und Mitglied im Vorstand von SwissICT. Fitze hat im Laufe der Jahre zahlreiche Auszeichnungen und Anerkennungen erhalten, darunter Top 10 AI Influencers, Top 100 Digital Shapers in der Schweiz und Forbes Top 50 Digital Leaders DACH. Zusammen mit Dalith Steiger gründete er SwissCognitive und die Stiftung CognitiveValley. Andy ist ausserdem Expeditionsleiter, Ausbilder und Skipper auf den Weltmeeren mit einer Vorliebe für hohe Breitengrade und Extreme. Segeln ist seine grosse Leidenschaft und bietet ihm einen guten Ausgleich für Kopf und Seele.

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