Apple will KI auf das iPhone bringen

11. Juni 2024 um 09:21
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Illustration: Erstellt durch inside-it.ch mit Midjourney

Der Konzern spricht dabei nicht von Artificial Intelligence, sondern von Apple Intelligence. Verfügbar sind die neuen Funktionen ab Herbst.

Apple geht beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz in die Offensive. Das iPhone und andere Geräte sollen ab Herbst neue Funktionen erhalten. Diese sollen verpasste E-Mails und Kurznachrichten zusammenfassen, individuelle Emojis erstellen und Informationen auf Zuruf rausfischen. Der Konzern nennt das Ganze nicht wie alle anderen Unternehmen Künstliche Intelligenz, sondern Apple Intelligence.

Daten verknüpfen und einordnen

Ein Beispiel, das Software-Chef Craig Federighi bei der Entwicklerkonferenz WWDC nannte: Ein Arbeitstermin soll verschoben werden und er würde gern erfahren, ob er es dann immer noch zur Theateraufführung seiner Tochter schaffen würde. Um diese Frage zu beantworten, muss die Software unter anderem wissen, wo der verschobene Termin und die Aufführung stattfinden. Anhand des Verkehrs kann die KI dann die Fahrzeit berechnen und so bestimmen, ob er allen Terminen nachkommen kann.
Das sind alles Informationen, die über ein iPhone verstreut in verschiedenen Apps zu finden sein könnten: Kalender, Kurznachrichten, E-Mail oder Karten. Das KI-Modell von Apple hätte systemübergreifend Zugriff darauf – und soll die Daten auch richtig einordnen können.

KI soll Siri schlauer machen

Apples Sprachassistenz Siri, die heute im Vergleich zu Chatbots wie ChatGPT reichlich antiquiert wirkt, könnte schliesslich hilfreicher werden. So werde man zum Beispiel per Sprachbefehl Fotos bearbeiten oder eine neue Adresse eines Freundes direkt aus dem Messenger zu den Kontaktdaten hinzufügen können.
Zu den Neuerungen gehört auch die Möglichkeit, individuelle Emojis schon beim Tippen eines Textes erstellen zu lassen. Apple nennt die Funktion "Genmoji" – weil sie von generativer KI erstellt werden.
Mithilfe von KI soll auch die Mail-App schon in der Kurzübersicht statt der ersten Zeilen eine kurze Zusammenfassung zeigen. Da "Apple Intelligence" zudem den Inhalt von E-Mails und Nachrichten verstehe, könne die Software auch abwägen, ob sie wichtig seien und mit Priorität angezeigt werden sollten.

Neue iPhone-Modelle erforderlich

Ein Haken ist, dass viele iPhones, die heute in den Händen der Nutzer sind, nicht genug Rechenpower für die neuen KI-Funktionen haben. Für die KI-Anwendung muss es eines der kommenden iPhones aus diesem Herbst sein – oder mindestens ein iPhone 15 Pro aus dem vergangenen Jahr. Selbst Käufer des günstigeren iPhone 15 bleiben aussen vor. Bei den Macs ist die Basis breiter: Es reicht, dass sie einen hauseigenen Apple-Chip der M-Serie haben statt eines Intel-Prozessors.
Die wichtigste Voraussetzung für die neuen Funktionen ist aber, dass Nutzer Apple genug Vertrauen entgegenbringen, um sich auf den weitreichenden Zugang der KI-Modelle zu ihren Daten einzulassen. Apple-Chef Tim Cook betont schon seit Jahren den Fokus auf Privatsphäre und Verschlüsselung – und legte damit die Basis dafür.
Der Konzern führte dabei immer wieder als Datenschutzargument an, dass die KI auf den Geräten selbst statt in der Cloud laufe. Mit "Apple Intelligence" wird der Rechenaufwand nun aber oft so gross sein, dass Server aus dem Netz zur Hilfe hinzugezogen werden müssen. Apple entwickelte dafür ein Verfahren mit kompletter Verschlüsselung und verspricht, dass nach der Verarbeitung keine Daten auf den Servern übrig bleiben. Apples KI soll von Fall zu Fall entscheiden, ob eine Aufgabe auf dem Gerät oder in der Cloud ausgeführt wird.

ChatGPT kommt – aber spielt die zweite Geige

Apple-Kunden können zwar einen direkten Zugang zu ChatGPT einrichten, aber der Chatbot soll dabei eine untergeordnete Rolle spielen. So werde Siri jedes Mal um Erlaubnis fragen, wenn eine Anfrage zu ChatGPT weitergeleitet werden soll. Wie oft das passieren wird, blieb offen. Schliesslich zeichnet sich ab, dass die Reichweite der hauseigenen KI-Software zunächst beschränkt sein dürfte. Aber grundsätzlich kann sich Apple eine Zukunft vorstellen, in der Nutzende auf viele verschiedene spezialisierte KI-Modelle zugreifen können.
Schon die kontrollierte Verbindung zu ChatGPT löste derweil einen Wutausbruch des Tech-Milliardärs Elon Musk aus, der mit OpenAI im Clinch liegt. Wenn die ChatGPT-Entwickler Datenzugang auf Ebene des Betriebssystems bekämen, werde er in seinen Unternehmen wie Tesla oder SpaceX iPhones verbieten, polterte Musk auf seiner eigenen Online-Plattform X. Dass Apple eigentlich etwas anderes ankündigte, schien bei ihm nicht angekommen zu sein.

SMS via Satellit und Passwort-App

Neben dem Fokus auf KI gab es an der WWDC auch andere Ankündigungen. So wird man künftig über einen Mac-Computer direkt auf Daten und Apps auf dem iPhone zugreifen können, ohne es dafür herausholen zu müssen. In Gebieten ohne Mobilfunkempfang lässt Apple iPhone-Nutzer künftig Kurznachrichten über eine Satelliten-Verbindung verschicken. Das werde sowohl für iMessage-Chats zwischen Apple-Geräten als auch für klassische SMS funktionieren. Dabei können sowohl Text als auch Emojis übermittelt werden. Bisher hatte Apple nur eine Notruffunktion über Satellit angeboten.
Mit dem nächsten iPhone-Betriebssystem iOS 18 wird man schliesslich auch aus Apples Nachrichten-App mit Android-Nutzern über das verschlüsselte RCS-Protokoll statt über SMS chatten können. Nicht zuletzt erhalten Nutzende eine eigenständige App zum Speichern und Generieren von Passwörtern. Bisher war die Funktion in den Einstellungen untergebracht. Apple macht damit spezialisierten Anbietern Konkurrenz.

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