Der französische Technologiekonzern Atos hat eine Bezugsrechtsemission in Höhe von 720 Millionen Euro, die von BNP Paribas und JP Morgan übernommen werden sollte, abgesagt. Begründet wird dies in einer Mitteilung mit "Veränderungen im Marktumfeld". Deshalb seien die Konditionen der geplanten Bezugsrechtsemission "nicht mehr anwendbar". Anfang August 2023 hatte
das Unternehmen angekündigt, dass es einen Aktienverkauf im Wert von 900 Millionen Euro plane, um seine Bilanz zu stärken. Die jetzt abgeblasene Kapitalerhöhung war Teil dieses Plans.
Atos befinde sich in Gesprächen mit seinen Kreditgebern über die Refinanzierung seiner Schulden, heisst es weiter. Man beantrage die Einsetzung eines unabhängigen Dritten (Ad-hoc-Mandat). Dieser soll die Gespräche mit Banken unterstützen, um eine neue Vereinbarung zu erhalten, die im besten Interesse des Unternehmens sei. Ein solches Mandat würde nur die Finanzschulden betreffen und "keine Auswirkungen auf die Mitarbeitenden, Kunden und Lieferanten der Gruppe haben". Bis Ende 2025 muss der Konzern 3,65 Milliarden Euro Schulden zurückzahlen oder refinanzieren.
Der neue CEO hat viel zu tun
Erst kürzlich hatte Atos
den vierten neuen CEO innert zwei Jahren vorgestellt. Bei der Ernennung von Paul Saleh hiess es, dass man die Finanzprognose für das Jahr für Umsatz und Gewinn erfüllen werde. Man habe bis Mitte Januar noch "keinen Antrag auf Ernennung eines Ad-hoc-Mandatars oder auf Einleitung eines Schlichtungsverfahrens" gestellt.
Der neue CEO soll sich neben der Refinanzierung der Schulden auch auf die anstehenden Verhandlungen konzentrieren, die den Verkauf des Geschäftsbereichs Tech Foundations an den tschechische Milliardär Daniel Kretinsky mit EP Equity Investment (EPEI) und des Bereichs Big Data und Security (BDS) an Airbus betreffen.
Übernahmegespräche noch nicht viel weiter
Laut Mitteilung befinden sich diese Gespräche nach wie vor auf demselben Stand wie zu Jahresbeginn. "Die Gespräche mit EPEI über den Verkauf von Tech Foundations dauern an (einschliesslich der erforderlichen Bedingungen für die Freigabe ihrer Verpflichtung zur Teilnahme an einer reservierten Kapitalerhöhung). Es besteht keine Gewissheit, dass diese Verhandlungen zu einer Einigung führen werden." Im Zusammenhang mit dem möglichen Verkauf des BDS-Geschäfts befinde sich Atos weiter in der Due-Diligence-Prüfung mit Airbus.
Airbus
bewertet den BDS-Bereich mit 1,5 bis 1,8 Milliarden Euro inklusive Schulden. EPEI seinerseits soll für Tech Foundations rund 2 Milliarden Euro aufwerfen. Nach Bekanntgabe der neuesten Entscheidungen fiel die Atos-Aktie am Morgen um 27%. Seit Jahresbeginn hat sie über 50% an Wert eingebüsst.