AWS knöpft sich die Legacy-Systeme vor

5. Dezember 2025 um 16:00
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Foto: AWS

An der Hausmesse "Reinvent" legte der Technologiearm von Amazon einen Schwerpunkt auf die Modernisierung von Altsystemen. KI-Agenten sollen die Renovation übernehmen.

Der weltgrösste Cloud-Anbieter AWS will mehr Kundschaft für seine globale Infrastruktur gewinnen. Manche Unternehmen zögern jedoch, denn ihre geschäftskritischen Legacy-Systeme sind schlicht nicht kompatibel zu den modernen Cloud-Technologien. An der Hausmesse "Reinvent" in Las Vegas legte AWS daher einen Schwerpunkt auf die Renovation von Altsystemen.
Bis anhin waren die Lösungen aus dem "AWS Transform"-Portfolio auf einzelne, spezielle Technologien ausgelegt, erklärt der Anbieter. Sie setzten agentische KI ein, um die Konfiguration zu ermitteln, den Quellcode zu analysieren und die Schnittstellen abzufragen, etwa bei Mainframe-Applikationen oder VMware-Umgebungen. Für die Modernisierung generierte KI dann Code für aktuelle Cloud-Umgebungen, aber eben nur für Mainframe und VMware.
Unterdessen will AWS seine KI und die Renovationstechnologie derart weiterentwickelt haben, dass sie für Individualsoftware und Legacy-Umgebungen beliebiger Hersteller eingesetzt werden können. Wie es in einer Mitteilung des Anbieters heisst, erlaube "AWS Transform Custom" eine grossflächige Modernisierung aller Legacy-Systeme, unabhängig von Codebasis, Software-Bibliothek und -Framework sowie Programmiersprache. Selbst die Transformation von Eigenentwicklungen in firmenspezifischen Sprachen können die KI-Agenten leisten, verspricht der Anbieter.

Neue KI-Modelle und -Ressourcen

KI will AWS selbstredend viel breiter eingesetzt wissen als nur zur Renovierung. Dabei lässt der Anbieter wie bis anhin den Kunden die Wahl der Technologie. Der Bedrock-Marktplatz habe die grösste Erweiterung seit dem Start erfahren, erklärt AWS. So kommen 18 neue KI-Modelle von unter anderem Google, Miniax, Mistral, Moonshot, Nvidia, OpenAI, und Qwen hinzu. Das Schweizer KI-Sprachmodell Apertus ist global indes noch nicht ausgerollt, wohl aber in Europa.
Die vor einem Jahr lancierten Nova-Modelle aus den AWS-Entwicklerstuben erweitert der Anbieter um vier Varianten: das kosteneffiziente und schnelle Nova 2 Lite, das Reasoning-Modell Nova 2 Pro, das Sprache-zu-Sprache-Modell Nova 2 Sonic sowie das multimodale Nova 2 Omni. Alle will AWS umgehend bereitstellen.

KI-Fabriken und Multi-Clouds

Die Bereitstellung von KI-Infrastrukturen in den Rechenzentren der Kunden will AWS mit den neu lancierten AI Factories ermöglichen. Die Systeme mit AWS Trainium-Beschleunigern, Nvidia-GPUs, leistungsstarken Speichern und einem eigenen Netzwerk-Stack sollen den Aufbau einer KI-Umgebung um Monate beschleunigen, wirbt der Anbieter. Die KI-Modelle unter anderem aus dem Bedrock-Marktplatz würden dabei gleich mitgeliefert. Die Kunden müssten lediglich die Rechenzentrums- und Stromkapazität zur Verfügung stellen, während AWS die Infrastruktur bereitstellt und verwaltet.
Das Cloud-Portfolio erweitert AWS um EC2-Instanzen mit Nvidia-GPUs. Die P6e-GB300 Ultraservers mit Nvidia GB300 NVL72 seien ausgelegt für grosse KI-Modelle mit Billionen von Parametern und Reasoning-Fähigkeiten.
Den Kunden mit Cloud-Verträgen von AWS und Google dient der Anbieter schliesslich einen Service zur Vernetzung mehrerer Cloud-Angebote an. Die beiden Hyperscaler legen zu diesem Zweck die Spezifikation für Netzwerkinteroperabilität offen. Kunden können damit private Verbindungen mit hoher Bandbreite zwischen den beiden Anbietern herstellen, heisst es in einer Mitteilung. Die Partnerschaft ist jedoch nicht exklusiv, erklärt AWS, denn die Spezifikation hat AWS auf Github publiziert.

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