Die drei Städte Basel, Bern und Zürich möchten zusammen eine neue Mobilitätsplattform aufbauen. Über diese sollen Nutzerinnen und Nutzer alle bestehenden Mobilitätsangebote finden, buchen und bezahlen können. Mit der App wollen die Städte eine nachhaltige Mobilität fördern, wie es in einer Mitteilung des Kantons Basel-Stadt heisst.
Dafür arbeiten die drei Städte mit ihren jeweiligen Verkehrsbetrieben zusammen. Gemeinsam mit den Basler Verkehrsbetrieben (BVB), Bernmobil und den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) soll so eine gemeinsame Plattform für die Vermittlung von verkehrsmittelübergreifenden Mobilitätsangeboten etabliert werden – "Mobility as a Service" (MaaS) wird das Konzept dahinter genannt.
Die Städte und Verkehrsbetriebe wollen dafür ihre Kräfte bündeln und einen Beitrag zur Umsetzung ihrer verkehrspolitischen Strategien leisten. "Damit die urbane Verkehrswende gelingt, muss für Nutzende ein Umstieg auf nachhaltige Verkehrsmittel so einfach wie möglich gemacht werden", schreibt die Stadt Basel.
ÖV-Hubs geplant
In Zürich, Basel und Bern besteht bereits heute ein breites Angebot an nachhaltigen Verkehrsmitteln. Mit MaaS sollen diese künftig in einer App vereint werden. So sollen Kundinnen und Kunden verschiedene Mobilitätsdienstleistungen von Tür zu Tür planen, buchen und bezahlen können. Der öffentliche Verkehr soll beispielsweise mit bestehenden Leihangeboten für Velos, Autos oder Elektro-Scooter erweitert werden.
Mit der neuen Plattform sollen die Angebote aber nicht nur digital sondern auch in der realen Welt verknüpft werden. Im Strassenraum soll ein Netz von neuen Mobilitätshubs entstehen. Diese Standorte, an denen auch verschiedene andere Verkehrsmittel verfügbar sind, befinden sich beispielsweise an ÖV-Knotenpunkten oder weiteren geeigneten Orten in der Stadt und in angrenzenden Gemeinden.
Kostenteilung durch drei
Im Juni 2023 haben die Verkehrsdirektorinnen und -direktoren der beteiligten Städte einen Kooperationsvertrag mit den städtischen Verkehrsbetrieben unterzeichnet. Die Beschaffung der Applikation wurde am 15. September 2023 öffentlich ausgeschrieben. Nach heutigem Planungsstand soll die Applikation im Verlaufe des Jahres 2025 lanciert werden.
Parallel dazu läuft in den Städten der politische Prozess zur Finanzierung des Projekts. In Zürich und Bern stehen entsprechende Finanzierungsbeschlüsse noch aus. In Basel soll das Projekt über den Mobilitätsfonds finanziert werden. Dazu hat der Regierungsrat beim Grossen Rat beantragt, dass es seitens Basel-Stadt mit rund fünf Millionen Franken unterstützt wird.
Die budgetierten Gesamtkosten bis 2028 belaufen sich auf 18,2 Millionen Franken. Die Kostenaufteilung sieht grundsätzlich vor, dass Investitionskosten zu gleichen Teilen durch die drei Städte getragen werden. Nutzerabhängige Betriebskosten werden in der ersten Betriebsphase gemäss der Bevölkerungszahl der Städte aufgeteilt.
Erste Gehversuche in Zürich
Der Wunsch nach einer Verkehrsmittel-übergreifenden Mobilitätsplattform ist nicht neu. In Zürich wurde bereits 2018 ein entsprechender Auftrag
freihändig vergeben. Den Zuschlag begründeten die VBZ damals mit den technischen Besonderheiten des Auftrags. Ein Konkurrent reichte jedoch Beschwerde gegen die Vergabe über 605'000 Euro an den österreichischen Anbieter Upstream ein und bekam Recht.
Der Zuschlag an Upstream wurde dadurch zurückgezogen und der Auftrag neu ausgeschrieben. 2019 konnte sich die Siemens-Tochter Hacon den
Auftrag sichern. Der Vergabepreis inklusive aller Optionen betrug damals 1,6 Millionen Franken und war somit mehr als doppelt so teuer wie im ursprünglichen Zuschlag an Upstream.
Der Start der Mobilitätsplattform im August 2020 fiel mit der Covid-19-Pandemie aber ziemlich ins Wasser. Zwar waren der E-Scooter-Vermieter Tier, der Velo-Sharing-Dienst Publibike und das Carsharing-Angebot Mobility dabei, aber weitere Drittanbieter haben sich damals nicht von der Idee überzeugen lassen.
Im Januar 2021 war es noch nicht möglich, die Dienstleistungen der Drittanbieter direkt aus der VBZ-App zu buchen. Auch das
Ziel von 100'000 Nutzerinnen und Nutzern wurde klar verfehlt, was auch mit den Umständen der Pandemie zu tun hatte. Der Play-Store von Google nannte damals "1000+ Installationen". Mitte 2023 ging der dreijährige Pilotbetrieb zu Ende und die "Züri-Mobil-App" wurde eingestellt. In Zukunft soll sie aber durch die gemeinsame Lösung der drei Städte ersetzt werden.
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