Am 1. Januar 2024 ist es soweit: Aus dem Nationalen Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) wird das neue Bundesamt für Cybersicherheit (Bacs). Gleichzeitig erfolgt der Wechsel vom Finanz- ins Militärdepartement (VBS). Seit der Bekanntgabe des entsprechenden Bundesratsentscheids ist es laut 'SRF' zu einer Häufung von Kündigungen gekommen.
10 von 48 Angestellten haben ihre Stelle gekündigt, bestätigte das NCSC die Informationen von
'SRF News'. Darunter sind laut dem Sender 6 "hochkarätige Cybersecurity-Spezialisten", die im Government Computer Emergency Response Team "GovCert" arbeiten. Das ist ein Abgang fast des gesamten Teams – aktuell arbeiten dort 9 Personen. Dieses kommt zum Einsatz, wenn in der Schweiz kritische Infrastrukturen, Behörden oder Institutionen angegriffen werden.
Ethischer Konflikt bei gewissen Mitarbeitenden
Gemäss 'SRF' sei ein Grund für diese 6 Kündigungen der Wechsel ins VBS und die zukünftige Nähe zum Nachrichtendienst. Martin Leuthold, Head of Data, Security & Network bei der Stiftung Switch, sagte, es gehe um eine grundsätzlich unterschiedliche Auffassung von Cybersicherheit. Der Nachrichtendienst habe ein Interesse daran, Lücken offenzulassen und selber für Informationsbeschaffung zu nutzen. Das heutige NCSC verstehe sich mehr als Dienstleister für den Schutz von Zivilgesellschaft, Privatpersonen und Wirtschaft.
Leuthold kennt nach eigenen Angaben eine der betreffenden Personen. Die zukünftige Arbeit im VBS führe zu einem ethischen Konflikt bei gewissen Mitarbeitenden, so Leuthold. "Das dürfte einen Anteil daran haben, dass verschiedene operativ tätige Personen Konsequenzen gezogen haben." Switch-Geschäftsleitungsmitglied Leuthold hatte bereits Ende 2022 in einer Kolumne
für inside-it.ch gewarnt: "NCSC-Entscheid hat Potenzial für Kollateralschäden."
Die Schwächung des NCSC
Anfang November war auch bekannt geworden, dass der Bundesrat mit dem neuen Informationssicherheitsgesetz das NCSC
klammheimlich geschwächt hat. So ist das Bacs zukünftig nicht mehr für die IT-Sicherheit der Bundesverwaltung zuständig. Als Ersatz soll es ab Anfang Jahr eine neue Fachstelle für Informationssicherheit geben, die ebenfalls beim VBS angesiedelt ist. Unser Chefredaktor Reto Vogt
kommentierte: "Es droht tatsächlich das Szenario, dass das VBS unter der Führung von Viola Amherd sämtliche Kredite punkto Cybersicherheit verspielt, die das NCSC in den letzten Jahren aufgebaut hatte."
Bacs-Chef: Individuelle Gründe für Kündigungen
Die freien Stellen konnten laut dem 'SRF'-Bericht bereits wieder teilweise besetzt werden. Der zukünftige Bacs-Chef Florian Schütz erklärte, die Beweggründe für die Kündigungen seien sehr individuell. Ein organisatorischer Wechsel führe auch immer zu Abgängen.
Schütz betonte: "Das Bundesamt für Cybersicherheit priorisiert ganz klar die Interessen von Wirtschaft, Gesellschaft und Behörden." Auch der Nachrichtendienst habe ein Interesse, mit der Spionageabwehr hier beizutragen, aber es seien unterschiedliche Tätigkeiten. "Hier haben wir dann auch die Compliance mit der Trennung von Cybersicherheit, Cyber Defense und Cyber Strafverfolgung, wie wir es auch in der Vergangenheit hatten", sagte Schütz.