Beim NCSC häufen sich die Kündigungen

7. Dezember 2023 um 09:59
image
Foto: Mantas Hesthaven / Unsplash

Vor dem Übergang in ein Bundesamt für Cybersicherheit verlassen Security-Spezialisten die Behörde. Grund könnte auch die Neuausrichtung beim VBS sein.

Am 1. Januar 2024 ist es soweit: Aus dem Nationalen Zentrum für Cybersicherheit (NCSC) wird das neue Bundesamt für Cybersicherheit (Bacs). Gleichzeitig erfolgt der Wechsel vom Finanz- ins Militärdepartement (VBS). Seit der Bekanntgabe des entsprechenden Bundesratsentscheids ist es laut 'SRF' zu einer Häufung von Kündigungen gekommen.
10 von 48 Angestellten haben ihre Stelle gekündigt, bestätigte das NCSC die Informationen von 'SRF News'. Darunter sind laut dem Sender 6 "hochkarätige Cybersecurity-Spezialisten", die im Government Computer Emergency Response Team "GovCert" arbeiten. Das ist ein Abgang fast des gesamten Teams – aktuell arbeiten dort 9 Personen. Dieses kommt zum Einsatz, wenn in der Schweiz kritische Infrastrukturen, Behörden oder Institutionen angegriffen werden.

Ethischer Konflikt bei gewissen Mitarbeitenden

Gemäss 'SRF' sei ein Grund für diese 6 Kündigungen der Wechsel ins VBS und die zukünftige Nähe zum Nachrichtendienst. Martin Leuthold, Head of Data, Security & Network bei der Stiftung Switch, sagte, es gehe um eine grundsätzlich unterschiedliche Auffassung von Cybersicherheit. Der Nachrichtendienst habe ein Interesse daran, Lücken offenzulassen und selber für Informationsbeschaffung zu nutzen. Das heutige NCSC verstehe sich mehr als Dienstleister für den Schutz von Zivilgesellschaft, Privatpersonen und Wirtschaft.
Leuthold kennt nach eigenen Angaben eine der betreffenden Personen. Die zukünftige Arbeit im VBS führe zu einem ethischen Konflikt bei gewissen Mitarbeitenden, so Leuthold. "Das dürfte einen Anteil daran haben, dass verschiedene operativ tätige Personen Konsequenzen gezogen haben." Switch-Geschäftsleitungsmitglied Leuthold hatte bereits Ende 2022 in einer Kolumne für inside-it.ch gewarnt: "NCSC-Entscheid hat Potenzial für Kollateralschäden."

Die Schwächung des NCSC

Anfang November war auch bekannt geworden, dass der Bundesrat mit dem neuen Informationssicherheitsgesetz das NCSC klammheimlich geschwächt hat. So ist das Bacs zukünftig nicht mehr für die IT-Sicherheit der Bundesverwaltung zuständig. Als Ersatz soll es ab Anfang Jahr eine neue Fachstelle für Informations­sicherheit geben, die ebenfalls beim VBS angesiedelt ist. Unser Chefredaktor Reto Vogt kommentierte: "Es droht tatsächlich das Szenario, dass das VBS unter der Führung von Viola Amherd sämtliche Kredite punkto Cybersicherheit verspielt, die das NCSC in den letzten Jahren aufgebaut hatte."

Bacs-Chef: Individuelle Gründe für Kündigungen

Die freien Stellen konnten laut dem 'SRF'-Bericht bereits wieder teilweise besetzt werden. Der zukünftige Bacs-Chef Florian Schütz erklärte, die Beweggründe für die Kündigungen seien sehr individuell. Ein organisatorischer Wechsel führe auch immer zu Abgängen.
Schütz betonte: "Das Bundesamt für Cybersicherheit priorisiert ganz klar die Interessen von Wirtschaft, Gesellschaft und Behörden." Auch der Nachrichtendienst habe ein Interesse, mit der Spionageabwehr hier beizutragen, aber es seien unterschiedliche Tätigkeiten. "Hier haben wir dann auch die Compliance mit der Trennung von Cybersicherheit, Cyber Defense und Cyber Strafverfolgung, wie wir es auch in der Vergangenheit hatten", sagte Schütz.

Loading

Mehr zum Thema

image

Klick auf gefälschtes Captcha führt zu Malware-Download

Das Bundesamt für Cybersicherheit beobachtet vermehrt kompromittierte Websites in der Schweiz, die gefälschte Fehlermeldungen und Captchas anzeigen.

publiziert am 7.8.2026
image

Die mutmasslichen Einfallstore für den Angriff auf den Bund

Das Bundesamt für Informatik wie auch der Kanton Graubünden wurden über Sharepoint-Server attackiert. Seit Mitte Juli sind Schwachstellen bekannt.

publiziert am 6.8.2026
image

Auch Meta-KI hackte sich in fremdes System

Eine Fehlkonfiguration ermöglichte es der KI von Meta, eine Schwachstelle in einem anderen Unternehmen auszunutzen. Der Vorfall ist der jüngste einer Reihe ähnlicher Sicherheitsprobleme bei KI-Tests.

publiziert am 6.8.2026
image

Graubünden nun auch Opfer von Cyberangriff

Das Bündner Amt für Informatik hat einen Cyberangriff auf einen Sharepoint-Server des Kantons festgestellt. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass dabei keine Daten abgeflossen und keine Konten kompromittiert wurden.

publiziert am 5.8.2026