Der Beirat Digitale Schweiz, ein einflussreiches Gremium aus Vertreterinnen und Vertretern von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Behörden und Zivilgesellschaft, hat gestern unter dem Vorsitz des Bundeskanzlers Viktor Rossi seine jährliche Sitzung abgehalten. Wie der Bund mitteilt, waren sich die Teilnehmenden einig, dass der Bund in Zukunft die Verwendung von Open-Source-Lösungen im öffentlichen Bereich stärker fördern sollte.
Open Source sei ein zentraler Pfeiler der digitalen Souveränität, so die Meinung des Beirats. Um den Mehrwert und insbesondere die Wiederverwendbarkeit von Open-Source-Software besser zu nutzen, sei eine Übersicht über bestehende Lösungen entscheidend. Dafür hat der Bund einen
zentralen Katalog für Open-Source-Software aufgebaut. Dieser soll auch weiterhin laufend erweitert werden. Das Ziel ist es, eine wachsende Sammlung frei nutzbarer Software bereitzustellen und diese gemeinsam mit der Community aus Open-Source-Organisationen und Unternehmen weiterzuentwickeln, so dass auch Kantone, Gemeinden und weitere Interessierte diese Lösungen kostenlos nutzen können.
Noch müssen diese Behörden ihren Quellcode jeweils im Alleingang veröffentlichen. Der Beirat hat darum angeregt, eine zentrale Open-Source-Fachstelle zu schaffen. Diese könnte die Departemente und Ämter fachlich bei der Veröffentlichung von Software unterstützen, Synergien nutzen und damit insgesamt auch Kosten einsparen.
Microsoft-Alternative wird ausprobiert
Beim Bund ist man sich trotz aller Kritik von Aussen anscheinend auch bewusst, dass der Einsatz von M365, der proprietären Cloud-Lösung von Microsoft zur Büroautomation, sich nicht gut mit dem Anspruch auf digitale Souveränität verträgt. Eine Abkehr davon ist zwar noch nicht geplant, aber immerhin testet die Bundeskanzlei schon mal eine Alternative für alle Fälle.
Dafür hat sie die Machbarkeitsstudie BOSS (Büroautomation durch Einsatz von Open-Source-Software) lanciert. Diese soll einen Weg für den Einsatz von Open-Source-Software in den Büros von Behörden aufzeigen, so die Bundeskanzlei. Zum einen sei dies als Notfallersatz bei einem möglichen Ausfall von Microsoft 365 gedacht, zum anderen für die laufende sichere Bearbeitung von Dokumenten mit schützenswerten Inhalten. Erste Resultate und daraus abgeleitete Empfehlungen seien für Mitte 2026 zu erwarten.