Im 1. Halbjahr 2023 wurden weltweit fast 2000 erfolgreiche Ransomware-Angriffe gemeldet, rund 75% mehr als in den ersten 6 Monaten des Vorjahres. Dies berichtet das Security-Unternehmen Intel 471. Der Befund korrespondiert mit einer Analyse der Geldflüsse: Bis Ende Juni 2023 haben die Cyberkriminellen
bereits 450 Millionen US-Dollar erpresst – ebenfalls deutlich mehr als im Vorjahr.
Zu Beginn des Krieges in der Ukraine waren die Angriffe zurückgegangen, die Banden bekämpften sich zum Teil gegenseitig und fochten aus politischen Gründen interne Konflikte aus. Nun ist seit Monaten eine neue Welle im Gange,
die Kassen müssen wieder gefüllt werden. Grund für die Wucht ist auch das etablierte Ransomware-as-a-Service-Modell (RaaS), durch das relativ unerfahrene Kriminelle Tools und Plattformen von Grossbanden nutzen können.
Besonders erfolgreich darin ist Lockbit 3.0. Die Bande, die auf eine bewegte und
kaum entwirrbare Geschichte zurückblickt, ist mit ihren "Partnern" für 500 Vorfälle des 1. Halbjahres 2024 verantwortlich. In der Schweiz erwischten sie in diesem Jahr
bereits mehrere Opfer. Zu den Big Three gehören aber auch Alphv und Clop, die ebenfalls in der Schweiz aktiv sind.
Erst kürzlich hat Kaspersky darauf hingewiesen, dass Lockbit 3.0
möglicherweise eine grossangelegte Kampagne probt. Die Forscher hatten Malware-Samples gefunden, die auf mehrere Architekturen zugeschnitten sind, darunter ARM v6, ARM v7, FreeBSD und Apple M1. Erste Versionen tauchten bereits auf dem Analyseportal Virustotal auf.
Zugleich beobachtet Intel 471 eine relativ neue Tendenz. Einige kleine Gruppen etablieren sich ausserhalb des RaaS-Systems. Damit wollten diese mutmasslich die operative Sicherheit erhöhen und die Zusammenarbeit verbessern, so die Sicherheitsforscher. Schliesslich ist ihr Geschäft längst in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt und die Strafverfolgung hat einige Erfolge zu verbuchen.