Berner Steuerverwaltung erneuert ihre IT-Systeme

3. September 2026 um 12:30
image
Foto: Fabian Schneider / Unsplash

Dank der neuen Plattform stehen Einsparungen von 800'000 Franken pro Monat im Raum. Während der Migration bleibt die Steuerverwaltung geschlossen.

Die Steuerverwaltung des Kantons Bern erneuert schrittweise die technologische Basis ihrer Software-Systeme. Die meisten Anwendungen laufen bereits in der neuen Umgebung, wie der Kanton mitteilt. Zwischen Freitag, 23. Oktober, 16 Uhr, und Sonntag, 1. November 2026, sollen die verbleibenden Applikationen migriert und anschliessend getestet werden.
Während des rund zehntägigen Betriebsunterbruchs seien die Dienstleistungen der Steuerverwaltung nicht verfügbar. Das betrifft unter anderem BE-Login und Taxme-Online. Auch telefonische Auskünfte und die Kundenschalter fallen in dieser Zeit aus, heisst es in der Mitteilung. Der reguläre Betrieb soll am Montagmorgen, 2. November, wieder aufgenommen werden.

Cobol soll abgelöst werden

Im Zentrum der technischen Erneuerung steht die Ablösung der bisherigen IBM-Anwendungen, die unter anderem auf der Programmiersprache Cobol basieren. Die bestehenden Applikationen sollen mit gleicher Funktionalität in eine moderne Technologieumgebung überführt werden. Zum Einsatz kommen dabei laut Mitteilung Java und weitere herstellerunabhängige Technologien.
Als Grund für den Technologiewechsel nennt die Steuerverwaltung neben steigenden Betriebskosten vor allem den zunehmenden Mangel an Fachpersonal für die Weiterentwicklung der bisherigen Technologie. Die neue Umgebung soll künftige Anpassungen und Erweiterungen der Systeme erleichtern.

Langjähriges Modernisierungsprojekt

Die Umstellung ist Teil eines seit 2014 laufenden Projekts zur Modernisierung des Steuerfachsystems Nesko. Dabei wird eine seit den 1970er-Jahren eingesetzte IBM-Infrastruktur abgelöst, auf der die Steuerdaten des Kantons verwaltet werden. Rund 40 Spezialistinnen und Spezialisten arbeiten laut früheren Berichten an dem Projekt. Für die letzten Arbeiten plant die Bedag zudem Halteprämien von insgesamt 584'000 Franken, um den Abgang von wichtigen Fachkräften zu verhindern.
Der Projektkredit wurde 2025 um weitere fünf Millionen auf insgesamt 63 Millionen Franken erhöht. Als Grund wurde unter anderem die höhere Komplexität der Software genannt. Nach Abschluss des Technologiewechsels rechnet der Kanton mit Einsparungen von rund 800'000 Franken pro Monat.

Steuererklärung erhält längere Einreichfrist

Der Systemunterbruch wirkt sich auch auf die Steuerfristen aus. Die letzte Einreichfrist für die Steuererklärung 2025 wird für natürliche und juristische Personen automatisch vom 15. auf den 30. November 2026 verlängert.
Auch bei den Zahlungen soll es zu keinen Nachteilen kommen. Die Rechnungen für die dritte Steuerrate würden noch vor der Migration erstellt, sollen aber erst Mitte November bei den Steuerpflichtigen eintreffen. Nach Angaben der Steuerverwaltung werden Zahlungen fristgerecht verbucht und es entstehen keine Zinsnachteile.

Loading

Kommentare

Anmeldung wird geprüft …

Mehr zum Thema

imageAbo

Luzern beschafft M365-Backup ohne Microsoft

Zur Stärkung der digitalen Souveränität will die Stadtverwaltung Backups der Microsoft-Dienste ohne den US-Anbieter speichern. Dabei soll Jocker IT helfen.

publiziert am 21.10.2026
image

Postfinance braucht Zustimmung für Stimmabdrücke

Postfinance ist mit einer Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht gescheitert. Für Stimmabdrücke von Kundinnen und Kunden benötigt das Unternehmen die Zustimmung.

publiziert am 21.10.2026
imageAbo

Zürich plant Phishing-Tests für 13'000 Angestellte

Das Amt für Informatik des Kantons Zürich will über 13'000 Verwaltungsangestellte mit Phishing-Simulationen für den Ernstfall sensibilisieren. Dafür soll eine Software angeschafft werden.

publiziert am 21.10.2026
image

Berner IT-Millionenprojekt ist schon in der Krise

Die Einführung des neuen Fallführungssystems im Kanton Bern verzögert sich massiv. Pilotprojekte wurden sistiert, Mehrkosten drohen.

publiziert am 20.10.2026