Die Steuerverwaltung des Kantons Bern erneuert schrittweise die technologische Basis ihrer Software-Systeme. Die meisten Anwendungen laufen bereits in der neuen Umgebung, wie der Kanton mitteilt. Zwischen Freitag, 23. Oktober, 16 Uhr, und Sonntag, 1. November 2026, sollen die verbleibenden Applikationen migriert und anschliessend getestet werden.
Während des rund zehntägigen Betriebsunterbruchs seien die Dienstleistungen der Steuerverwaltung nicht verfügbar. Das betrifft unter anderem BE-Login und Taxme-Online. Auch telefonische Auskünfte und die Kundenschalter fallen in dieser Zeit aus, heisst es in der Mitteilung. Der reguläre Betrieb soll am Montagmorgen, 2. November, wieder aufgenommen werden.
Cobol soll abgelöst werden
Im Zentrum der technischen Erneuerung steht die Ablösung der bisherigen IBM-Anwendungen, die unter anderem auf der Programmiersprache Cobol basieren. Die bestehenden Applikationen sollen mit gleicher Funktionalität in eine moderne Technologieumgebung überführt werden. Zum Einsatz kommen dabei laut Mitteilung Java und weitere herstellerunabhängige Technologien.
Als Grund für den Technologiewechsel nennt die Steuerverwaltung neben steigenden Betriebskosten vor allem den zunehmenden Mangel an Fachpersonal für die Weiterentwicklung der bisherigen Technologie. Die neue Umgebung soll künftige Anpassungen und Erweiterungen der Systeme erleichtern.
Langjähriges Modernisierungsprojekt
Die Umstellung ist Teil eines seit 2014 laufenden Projekts zur
Modernisierung des Steuerfachsystems Nesko. Dabei wird eine seit den 1970er-Jahren eingesetzte IBM-Infrastruktur abgelöst, auf der die Steuerdaten des Kantons verwaltet werden. Rund 40 Spezialistinnen und Spezialisten arbeiten laut früheren Berichten an dem Projekt. Für die letzten Arbeiten plant die Bedag zudem
Halteprämien von insgesamt 584'000 Franken, um den Abgang von wichtigen Fachkräften zu verhindern.
Der Projektkredit wurde 2025 um weitere fünf Millionen auf insgesamt 63 Millionen Franken erhöht. Als Grund wurde unter anderem die höhere Komplexität der Software genannt. Nach Abschluss des Technologiewechsels rechnet der Kanton mit Einsparungen von rund 800'000 Franken pro Monat.
Steuererklärung erhält längere Einreichfrist
Der Systemunterbruch wirkt sich auch auf die Steuerfristen aus. Die letzte Einreichfrist für die Steuererklärung 2025 wird für natürliche und juristische Personen automatisch vom 15. auf den 30. November 2026 verlängert.
Auch bei den Zahlungen soll es zu keinen Nachteilen kommen. Die Rechnungen für die dritte Steuerrate würden noch vor der Migration erstellt, sollen aber erst Mitte November bei den Steuerpflichtigen eintreffen. Nach Angaben der Steuerverwaltung werden Zahlungen fristgerecht verbucht und es entstehen keine Zinsnachteile.