Berns Microsoft-365-Zug rollt

18. Mai 2022, 14:11
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Foto: Andreas Fischinger / Unsplash

Die Stadt Bern zementiert den Microsoft-Kurs. Jetzt sind der Dienstleister für die MS-365-Einführung gewählt und die MS-365-Lizenzen für die Schulen gekauft worden.

Die Spezialisten des Microsoft-Dienstleisters Experts Inside werden der Stadt Bern helfen, "die ID bei der Einführung von MS365-Applikation, deren Integration in die bestehende Infrastruktur der Stadt Bern primär fachlich zu unterstützen". Die Abkürzung ID steht für die Informatikdienste der Stadt, die die Infrastruktur und Applikationen der Verwaltung betreiben, aber auch die Volksschulen mit Services versorgen.
Der Auftrag wurde für insgesamt 76'800 Franken vergeben, wobei laut Zuschlag 48'000 Franken optional sind. Experts Inside hatte sich wie auch beim Los 2 gegen 8 Konkurrenten durchgesetzt. Bei diesem werden die Microsoft-Spezialisten aus Schönholzerswilen für 102'400 Franken (davon sind 64'000 Franken optional abrufbar) "die Einführung von Microsoft Teams und weiterer MS365-Applikation im Rahmen eines generischen Adoptions-Prozesses in der Stadtverwaltung Bern begleiten".
Die Ausschreibung dieser beiden Aufträge war Anfang Jahr erfolgt. Wie es dazu kam und was das mit der Potenzialanalyse Open Source Software der Stadt zu tun hat, haben wir hier rekapituliert. Auf Simap hiess es damals, dass Microsoft-fremde Applikationen, wo möglich, durch funktionsgleiche Applikationen aus dem MS-365-Portfolio ersetzt werden sollen. Es gehe darum, Kosten zu sparen und durch Standardisierung Prozesse zu vereinfachen und die Arbeitspraxis der ID-Mitarbeitenden effizienter zu gestalten.
Auffällig ist, dass die jetzige Auftragsvergabe gleichzeitig mit dem Kauf von MS-365-Lizenzen erfolgt. Der Auftrag für laut Pflichtenheft insgesamt 14´150 Lizenzen zum Gesamtpreis von je 188 Franken geht an Bechtle Schweiz. 2 weitere Firmen hatten mitgeboten.
Erinnert sei hier an Kritiker wie Matthias Stürmer, die auf die noch stärkere Abhängigkeit von Microsoft durch solche Aufträge hingewiesen hatten. Der Leiter der Forschungsstelle Digitale Nachhaltigkeit der Universität Bern hat jahrelang im Stadtparlament für mehr Open Source gekämpft, seit 2 Jahren ist er aber nicht mehr Mitglied. Laut Stürmer traut sich seit dem Debakel um "Base4Kids2" im Parlament niemand mehr in Opposition zum Microsoft-Kurs zu gehen. Immerhin hatte Ende April der Berner Stadtpräsident "sorry" gesagt, für das gescheiterte 27-Millionen-Projekt. Auch hier lief eine Konfliktlinie zwischen Open-Source-Software und Microsoft-Applikationen.

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