Beschaffung des Bundes-CMS wird kritisiert

27. September 2022, 10:18
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Foto: Cha Già José / Lizenz: CC BY-SA 2.0

Der Einkauf des neuen Content Management Systems des Bundes sei intransparent gewesen, heisst es von einer Gruppe Parlamentarier.

In einer Interpellation von SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher und weiteren Unterzeichnenden wird die Vergabe des neuen Content Management Systems für die Webauftritte des Bundes kritisiert. Bei der Ausschreibung sei nicht klar erkennbar gewesen, dass das Bundesamt für Informatik und Tele­kom­muni­ka­tion (BIT) mit einem Los im Projekt "Sourcing-Vorhaben NSB" ein CMS einkaufen wollte. Dementsprechend sei auch nur ein Angebot für die Ausschreibung eingegangen, erklärte Graf-Litscher auf Anfrage von inside-it.ch.
Weiter störte sich die Politikerin auch an der Zeitdauer der Vergabe. Die Ausschreibung erfolgte im Februar 2018, ein Zuschlag an Swisscom wurde Anfang 2019 erteilt und erst kürzlich – über 3 Jahre später – wurde dann der definitive Entscheid für das CMS von Livingdocs gefällt. Dies, obwohl auf dem Markt auch etablierte Open-Source-CMS wie zum Beispiel Typo3, Drupal oder Wordpress verfügbar seien. Darin sieht die Nationalrätin einen Konflikt mit dem strategischen Leitfaden "Open Source Software in der Bundes­ver­wal­tung". Im Rahmen ihrer Interpellation fragte Edith Graf-Litscher deshalb auch danach, ob sich der Bund dafür einsetzen will, dass das eingekaufte CMS unter einer Open-Source-Lizenz veröffentlicht wird.
Im Gespräch sagte sie, dass sie grundsätzlich erfreut darüber sei, dass ein Schweizer Anbieter in den Genuss des Zuschlags kam. Die Vergabepraxis jedoch sehe sie kritisch. Jetzt gehe es ihr aber darum, nach vorne zu schauen und dafür zu sorgen, dass Ausschreibungen in der Zukunft klarer gestaltet werden, dass mehr Transparenz geschaffen wird und dass gewisse Anbieter nicht von vornherein von Vergaben ausgeschlossen werden.
Keineswegs soll die Vergabe rückgängig gemacht werden, aber es sollen Lehren für die Zukunft gezogen werden, begründet Edith Graf-Litscher ihren Vorstoss. Dem Bundesrat bleibt nun Zeit bis zum Start der Wintersession am 28. November 2022, um zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen.
Interessenbindung: Edith Graf-Litscher ist Kolumnistin für inside-it.ch und schreibt für unsere Kolumne Parldigi direkt.

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