Die geplante Mega-Übernahme der Videospiele-Firma Activision Blizzard durch Microsoft ist von britischen Wettbewerbshütern blockiert worden. Grund sei die Sorge, dass der rund 69 Milliarden Dollar schwere Deal den Wettbewerb auf dem wachsenden Markt für Cloud-Gaming verzerren könnte, teilte die Aufsichtsbehörde CMA mit.
Es ist bereits die zweite grosse Hürde für die Anfang 2022 angekündigte Übernahme: In den USA
klagt die Aufsichtsbehörde FTC dagegen. Microsoft will gegen die CMA-Entscheidung in Berufung gehen, wie das Unternehmen unter anderem dem Finanzdienst
'Bloomberg' mitteilte. "Wir bleiben dieser Übernahme voll verpflichtet", sagte Brad Smith, stellvertretender Vorsitzender und Präsident von Microsoft.
Die UK-Kartellwächter hatten im Februar einen ersten
negativen Entscheid vorgelegt und gaben Microsoft und Activision Blizzard 2 Wochen Zeit für eine ausführliche Stellungnahme. Jetzt schreibt die Behörde: "Die endgültige Entscheidung, den Deal zu verhindern, erfolgt, nachdem die von Microsoft vorgeschlagene Lösung die Bedenken im Cloud-Gaming-Sektor, die in den im Februar veröffentlichten vorläufigen Feststellungen der CMA umrissen wurden, nicht wirksam ausräumen konnte."
Microsoft hat bereits bis zu 70% Marktanteile
Die CMA-Analyse habe ergeben, dass es für den Konzern geschäftlich vorteilhaft sein könnte, Activision-Games nur für den eigenen Cloud-Service anzubieten. Microsoft mache bereits 60% bis 70% der globalen Cloud-Gaming-Dienste aus, verfüge über weitere wichtige Stärken im Cloud-Gaming durch den Besitz von Xbox, dem führenden PC-Betriebssystem Windows und einer globalen Cloud-Computing-Infrastruktur mit Azure und Xbox Cloud Gaming, argumentiert die Behörde.
Martin Coleman, Vorsitzender des unabhängigen Expertengremiums der CMA, sagt in der Mitteilung: "Microsoft geniesst bereits eine starke Position und einen Vorsprung gegenüber anderen Konkurrenten im Cloud-Gaming, und dieser Deal würde diesen Vorteil stärken und Microsoft die Möglichkeit geben, neue und innovative Konkurrenten zu unterminieren."
Die CMA danke Microsoft für die "konstruktive Zusammenarbeit", diese Probleme anzugehen. "Aber ihre Vorschläge konnten unsere Bedenken nicht ausräumen und hätten Wettbewerb durch ineffektive Regulierung in einem neuen und dynamischen Markt ersetzt."
In der EU steht Entscheid noch aus
Der Konzern hatte versucht, die Bedenken mit Zugeständnissen zu zerstreuen. So schloss Microsoft Deals mit Cloud-Gaming-Anbietern wie Nvidia ab, die ihnen für 10 Jahre den Zugang zu Spielen von Activision Blizzard sichern sollten.
Etwas besser als in Grossbritannien stehen die Chancen für den Deal in der EU.
Dort heisst es, die Europäische Kommission werde wohl keine harten Auflagen für die Übernahme erteilen. Bisherige Zugeständnisse von Microsoft würden ausreichen, die Forderung nach einem Zwangsverkauf von Geschäftsteilen sei unwahrscheinlich. Ein endgültiger Entscheid steht allerdings noch aus.
Microsoft und Activision Blizzard wollten die Übernahme ursprünglich mit Mitte Juli abschliessen. Scheitert der Deal am Widerstand der Behörden, stehen dem Spiele-Unternehmen 3 Milliarden Dollar von Microsoft zu.
(Mit Material von Keystone-sda)