Für viele VMware-Kunden wird sich die Art, wie sie die Produkte des Virtualisierungspioniers bezogen haben, in Zukunft stark ändern. In der Vergangenheit versuchte VMware seine Kunden mit mehr oder weniger sanftem Druck dazu zu bewegen, von zeitlich unbeschränkten Lizenzen auf Abomodelle zu wechseln. Nach der Übernahme stellt der neue Besitzer Broadcom die Kunden nun einfach vor vollendete Tatsachen.
VMware ist nun die VMware Cloud Foundation Division von Broadcom. Wie deren Chef, Krish Prasad,
in einem Blogpost angekündigt hat, werden ab sofort keine zeitlich unbeschränkten VMware-Lizenzen mehr verkauft. Laufende Supportverträge werden zwar noch erfüllt, aber es werden keine Supportverlängerungen für solche Lizenzen mehr angeboten.
Gleichzeitig habe man die Preise für Abonnemente "halbiert", so Prasad, und biete höhere Support-Levels als bisher an. Es ist allerdings nicht klar,
merkt 'The Register' an, auf welche früheren Preise sich diese Halbierung bezieht.
Kunden, die nun schnell von ewigen Lizenzen auf Abonnemente wechseln, sollen dafür Sonderrabatte erhalten. Ein "Bring your own License"-Modell soll es ihnen zudem erlauben, ihre bevorzugte Cloud zu wählen, um die VMware-Software zu betreiben.
Ausserdem wird es laut Prasad in Zukunft nur noch 2 Hauptversionen von VMwares Hybrid-Cloud-Software geben, einerseits die "VMware Cloud Foundation" als Flaggschiff für Grossunternehmen und die neue "VMware vSphere Foundation" als etwas vereinfachte Plattform für mittlere und kleinere Kunden. Zu beiden Foundations gibt es laut Prasad optionale Add-ons für Storage, Ransomware- und Desaster-Recovery sowie Applikations-Services. Weitere Optionen, darunter ein KI-Addon, sollen in Kürze erhältlich werden.
Albtraum für Kunden?
Insgesamt, so Broadcom, stellen diese Massnahmen eine "dramatische Vereinfachung des Portfolios und der Lizenzmodelle" dar. "Das Abonnementsmodell hilft uns, den Kunden das zu liefern, was sie wollen", schreibt Prasad.
Michael Warrilow, ein Analyst im Range eines Vice President beim Marktforschungsunternehmen Gartner, glaubt ganz und gar nicht, dass dies alle Kunden so sehen werden. Gartner ist eigentlich nicht dafür bekannt, die Verkaufsstrategien von Anbietern scharf zu kritisieren. Genau dies tat Warrilow aber gegenüber 'The Register'.
"Ich erwarte, dass die meisten VMware-Kunden darüber verärgert sein werden, dass sie vSphere nun ganz plötzlich nicht mehr so kaufen können, wie sie das in den beiden letzten Jahrzehnten getan haben. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass sie dazu gezwungen werden, zu neuen Produkten zu wechseln, wenn sie weiterhin Support wollen."
Zudem, so Warrilow weiter, werde es "wahrscheinlich ein Albtraum sein, eine existierende unbeschränkte Lizenz umzuwandeln. Vor allem, wenn dann auch noch neu per Prozessorkern abgerechnet werden sollte, wie das schon bei vSphere+ der Fall war."
Die neue Lizenzstrategie betrifft laut Prasad die folgenden Produkte: VMware Cloud Foundation, vSphere, vSAN, NSX, HCX, Site Recovery Manager, vCloud Suite, Aria Suite, Aria Universal, Aria Automation, Aria Operations, Aria Operations for Logs und Aria Operations for Networks.