Cloudera: "Viele CIOs wissen gar nicht so genau, was wir machen"

22. Juli 2022, 07:41
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Seit einigen Wochen ist Philippe Picalek Regional Vice President bei Cloudera. Mit inside-it.ch hat er über das Marktpotenzial und seine Ziele für die Data-Management-Firma in der Schweiz gesprochen.

Anfang Mai 2022 hat Philippe Picalek bei Cloudera als Sales Director Schweiz gestartet, seit Juli trägt er den Titel Regional Vice President. Inside-it.ch hat mit Picalek, der auch für die strategischen Kunden in Deutschland zuständig ist, über seine Ziele für den Schweizer Markt, Hybrid Cloud und die Firmenkultur bei Cloudera gesprochen.
Das Data-Management-Unternehmen wurde 2008 von einer Gruppe von Ingenieuren von Google, Facebook, Oracle und Yahoo gegründet. Cloudera zählt zu den frühen Akteuren im Open-Source-Software-Framework Hadoop, das die schnelle Verarbeitung grosser Datenmengen ermöglicht. Vor rund einem Jahr wurde die US-Firma von den Beteiligungsgesellschaften KKR und Clayton, Dubilier & Rice (CD&R) übernommen.
Vor Ihrem Wechsel zu Cloudera waren Sie mit Oracle ebenfalls bei einem US-Unternehmen tätig. Was zeichnet Ihren neuen Arbeitgeber aus? Es ist weniger prozesslastig, wir arbeiten sehr eng und kollegial zusammen. Wir wollen wachsen und die Firmenkultur unterstützt das. Wir legen grossen Wert auf Respekt und Diversity und fördern die Work-Life-Balance. Mit global 3000 Mitarbeitenden ist Cloudera einiges kleiner als mein voriger Arbeitgeber, aber 80% der Fortune-2000-Unternehmen zählen zu unseren Kunden, was sehr beeindruckend ist. Wir sind gerade zu einer "1 Billion Dollar Company" geworden. Cloudera hat grosses Potenzial, sich weiter zu etablieren.
Wie war der Start? Sehr gut und spannend. Ich konnte bereits viele Schweizer und deutsche Kunden sowie deren Use Cases kennenlernen. Das gab mir einen guten Einblick in die Dinge, die gut laufen und jene, die besser sein könnten.
Was muss Cloudera in der Schweiz besser machen? Das Sales-Team ist in der Schweiz bereits gewachsen, aber die Präsenz vor Ort muss sicher gestärkt werden. Eines meiner Ziele ist es, das lokale Team weiter auszubauen, einerseits im Sales- und Pre-Sales-Bereich und andererseits mit dedizierten Account Managern, um strategische Kunden intensiver zu betreuen. Hier sind wir schon jetzt auf einem sehr guten Weg. Ausserdem wollen wir eine Community aufbauen, in der Anwender sich austauschen und ihre Use Cases präsentieren können.
Welche Prioritäten und Ziele haben Sie sich für das erste Jahr gesteckt? Wir wollen bestehende Kundinnen und Kunden stärker binden und näher bei ihnen sein. Mit Blick auf die Cloud sind viele Anwender noch am Anfang ihrer Transformation. Diese wollen wir als "Trusted Advisor" begleiten. Es gibt viele CIOs, die gar nicht so genau wissen, was wir machen. Cloudera hat bislang vor allem Geld in die Lösung gesteckt. Die Privatisierung brachte nun zusätzliche Finanzkraft, die es auch ermöglicht, mehr in Sachen Marketing und Kommunikation zu machen. Mit Investitionen wollen wir unsere Bekanntheit steigern und Awareness schaffen. Persönlich wichtig ist mir ausserdem der Westschweizer Markt. Es gibt interessierte Kunden, Data Analytics ist relevant und der Markt hat enormes Potenzial.
Wie wollen Sie in der Schweiz wachsen? Anwender aus den Bereichen Finance und Insurance kennen uns bereits, aber wir wollen hier unsere Präsenz noch vergrössern. Zudem gibt es noch viele Möglichkeiten in weiteren Bereichen wie Pharma, Retail und Manufacturing, gerade wenn es um den End-to-End-Lifecycle geht. Auch wenn es natürlich noch Hürden gibt, wagt sich auch der Public-Bereich langsam in die Cloud. Diese Kunden können wir aber auch On-Premises unterstützen.
Will Cloudera dazu auch mit dem Channel arbeiten? Es braucht eine gute Partnerstrategie, die wir derzeit aufbauen. Wir wollen auch neue Partner dazu holen und den Channel einbeziehen. Wir sind abhängig von den lokalen Partnern, schon allein wegen deren Bekanntheitsgrad und ihren Kundenbeziehungen. Wichtig ist, dass neue Partner die Cloudera-Lösung, respektive unseren USP kennen.
Und der wäre? Wichtig ist der hybride Ansatz. Die Realität der Kunden ist Multi-Cloud in Kombination mit On-Premises. Anwender wollen oder dürfen nicht sämtliche Daten in eine Cloud verlagern. Viele sensitive Daten müssen weiterhin im eigenen RZ gehalten werden. Compliance und Datenschutzregulierungen sind somit ein grosses Thema und gerade bei international tätigen Firmen komplex. Die Anwender müssen wissen, wo ihre Daten sind und wie sie verarbeitet werden. Der Kunde kann entscheiden, wo die Analyse läuft, sei es in einer Public Cloud oder im eigenen RZ. Andere Anbieter pushen häufig entweder stark für oder stark gegen die Cloud. Mit unserem End-to-end-Ansatz im Data Lifecycle können wir sämtliche Infrastruktur-Bereiche und eine Vielzahl von Use Cases abdecken. Mit Teillösungen wäre das für den Anwender teurer und komplexer.

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