Auf der Suche nach der datenschutz-konformen Corona-Tracing-App

1. April 2020 um 14:25
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In der Schweiz wird an verschiedenen Corona-Apps gearbeitet. Gleichzeitig lancieren 130 Forscher eine europäische Tracing-Initiative mit Sitz in der Schweiz.

Anlässlich des CodeVsCovid19-Hackathons präsentierte ein Zusammenschluss von Programmierern die App "Virus Tracker". Diese steht laut der Gruppe unter dem Motto "Verfolge das Virus, aber nicht die Menschen".
"Wir wollten beweisen, dass es möglich ist, die Verbreitung des Virus mithilfe von Smartphones nachzuverfolgen, ohne die Privatsphäre der Betroffenen zu verletzen", erklärte Team-Sprecher Samuel Welten gegenüber der 'NZZ'. Mit der App soll eine verschlüsselte ID auf dem Gerät gespeichert und mittels Bluetooth mit anderen Smartphones ausgetauscht werden.
Erst wenn sich ein Nutzer als erkrankt melde, werde diese ID an einen Server übermittelt. Über diesen würden dann andere App-Nutzer informiert, dass sie an einem bestimmten Tag mit dem Infizierten Kontakt hatten und welchen Grades das Infektionsrisiko sei. Dabei würden jedoch keine Personendaten oder Ortsangaben weitergegeben.

Zwei weitere Schweizer Apps mit ähnlichen Lösungen

In der Schweiz wird an mindestens zwei weiteren Tracing-Apps gearbeitet, die auf Bluetooth-Übermittlungen basieren und dieselben Ziele verfolgen. Beide wurden auch auf dem CodeVsCovid19-Hackathon präsentiert
Von einem achtköpfigen Team stammt die App "We Trace", die von der bereits entwickelten offiziellen App der Regierung Singapurs inspiriert ist. Mit "We Trace" sollen ebenfalls mögliche Infizierte informiert werden, wobei der Datenschutz im Zentrum stehe.
Von der Zürcher Software-Firma Ubique kommt die App "Next Step". Via Bluetooth werde eine Begegnung durch die App registriert, wenn zwei Nutzer für eine bestimmte Zeit zusammenstehen. Jede App habe eine dynamische ID, die alle 60 Sekunden mittels "HMAC(SHA256)" zufällig generiert werde. Auch hier erfolge eine Weitergabe von Infektions-Warnungen ohne Location-Tracking und ohne Sammlung von persönlichen Daten.

Forscher gründen europäische Tracing-Initiative

Am 1. April wurde auch die europaweite Initiative "Pan-European Privacy Preserving Proximity Tracing" (PEPP-PT) vorgestellt. Darin zusammengeschlossen haben sich bis jetzt über 130 Wissenschaftler, Forscher und IT-Experten aus acht Nationen. Beteiligt sind die ETH Zürich, die EPFL in Lausanne, die TU Berlin und weitere deutsche und französische Universitäten, das Frauenhofer und das Robert Koch Institut sowie Firmen wie Vodafon oder Arago. Auch Ubique beteiligt sich. Der Sitz der Non-Profit-Organisation soll in der Schweiz sein.
Arago-Gründer Hans-Christian Boos sagte zum Zweck der Initiative laut 'Reuters': "Unser Ziel ist es, einen Backbone für die digitalen Kernkomponenten des globalen Kampfes gegen COVID 19 zu schaffen." Auf der PEPP-PT-Plattform sollen andere Forschungen und Entwicklungen aufbauen können. "Die Plattform umfasst einen anonymen und die Privatsphäre wahrenden Ansatz zur digitalen Nahbereichsverfolgung, der in voller Übereinstimmung mit der DSGVO steht und auch bei Reisen zwischen Ländern genutzt werden kann."
Bis Ende der kommenden Woche sollen die Arbeiten an der Plattform abgeschlossen sein. Laut offizieller Website soll die Technologie von PEPP-PT dann "allen Ländern, den Verantwortlichen für die Reaktion auf Infektionskrankheiten und den Entwicklern so schnell und reibungslos wie möglich" zur Verfügung gestellt werden.

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