SIX gibt sein kommerzielles Security Operations Center (SOC) auf. Dies bestätigt ein SIX-Sprecher auf Anfrage. Man habe heute die Kunden und Reseller informiert. "Der Security-Markt hat sich superschnell entwickelt", so der Sprecher, und ein solches Angebot sei keine Kernkompetenz für SIX.
Man habe auch neue Bedürfnisse – speziell der Aufbau der digitalen Börse SDX und die Übernahme der spanischen Börse. "Wir konzentrieren unsere Kräfte auf das Kernbusiness." Er verneint, dass kommerzieller Misserfolg oder interne Meinungsunterschiede zum Aus geführt haben.
Zu Aussagen eines Insiders, dass SIX mit dem SOC rund 1 Million Franken Umsatz mit rund 10 Kunden gemacht habe, will er keine Stellung beziehen.
Zu Entlassungen werde es nicht kommen, die meisten Mitarbeitenden blieben im SOC, das sich weiterhin intern um die Security des Börsenbetreibers kümmere. Für die anderen würden Stellen innerhalb der Firma gefunden.
An die Adresse der Kunden und Partner heisst es, "wir werden die laufenden Verträge noch erfüllen", so der Sprecher. Zur Dauer der Verträge will er sich nicht äussern, aber man stelle es den Partnern frei, bestehende Verträge vorzeitig zu kündigen. Auf die Frage nach einer Entschädigung für die Partner, welche sich auf den "Newcomer" SIX eingelassen habe, geht er nicht ein.
ITpoint Systems, ein SIX-Partner sagt auf Anfrage: "Natürlich waren wir sehr überrascht, dass die SIX aus dem kommerziellen Security-Bereich aussteigt, zumal wir mit einer langfristigen Partnerschaft geplant haben. Wie SIX bereits bestätigt hat, bleiben die Verträge bis zum Ablauf der vereinbarten Vertragsdauer bestehen. Wir warten jetzt die weitere Kommunikation und die Lösungsvorschläge von SIX ab und werden danach die nächsten Schritte planen. Es ist uns wichtig, keine übereiligen Schlüsse zu ziehen. Dieser Entscheid von SIX hat keinen Einfluss auf unseren Betrieb und unsere Kunden."
T-Systems, seit rund einem Jahr ebenfalls SOC-Partner, wollte auf Anfrage den SIX-Entscheid nicht kommentieren. Ein Insider nannte den Entscheid für T-Systems aber "schlimm", denn es sei als Kooperation konzipiert worden. Er bestätigt die Aussage einer weiteren Quelle, dass es bei SIX interne Differenzen gegeben habe, ob der Börsenbetreiber ein SOC für Drittkunden anbieten solle, oder nur intern.
Natürlich werde das eigene SOC bestehen bleiben, Security sei eine zentrale Aufgabe für SIX.
Update 3.11.2020: Der Text wurde um das Statement von ITpoint Systems ergänzt.