Swisscom erhält einen 19-Millionen-Auftrag der Kantonspolizei Basel-Stadt, um eine neue "Vorgangsbearbeitung" aufzubauen und zu betreiben. Dies geht aus der Simap-Publikation hervor. Vorgegeben war Basis SAP ICM als Basis, deren Lizenzen die Kapo bereits vorgängig beschafft hatte.
Swisscom war die einzige Firma, welche im selektiven Verfahren eine Offerte einreichte und prompt den Zuschlag erhielt. Um den Zuschlag für Planung, Aufbau, Integration, Migration, Inbetriebsetzung, Dokumentation, Schulung, IT-Betrieb und Wartung zu erhalten, konnte der Telco offenbar den verlangten Referenzauftrag Vorgangsbearbeitung/Geschäftsverwaltung mit SAP ICM vorweisen. Swisscom kommuniziert jedenfalls, man habe eine durchgängig digitalisierte Vorgangsbearbeitung auf dieser Basis im Portfolio.
Die Kapo BS will unter anderem die "Vorgänge an der Front auf mobilen Geräten eröffnen, bearbeiten und abschliessen können, ohne weitere Bearbeitung auf den Polizeiposten", so die Ausschreibung.
17 Hauptprozesse plus Subprozesse will die Polizei abbilden können, von der Feststellung eines Vorgangs von polizeilichem Interesse bis zu einer allfälligen Datenlöschung.
Die Lösung soll 20 zusätzliche lesende und schreibende Schnittstellen zu verschiedenen kantonalen und eidgenössischen Umsystemen bieten und als SaaS on-premises im Kapo-RZ betrieben und verrechnet werden.
Die Anforderungen an die Verfügbarkeit sind nicht übertrieben streng. Die maximale Ausfalldauer am Stück dürfe 4 Stunden nicht übertreffen, maximal 2 Ausfälle jährlich sind gestattet und 2 Major Releases pro Jahr erlaubt.
Der Swisscom-Auftrag umfasst die Umsetzung der gesamten Vorgangsbearbeitung, dazu zählen die dezentrale Erfassung und Verfügbarkeit von "qualitativ hochwertigen Daten" auf Smartphones, hinzu kommen die Auditierbarkeit und ein Data Warehouse "als Single Source of Truth für strukturierte, semi-strukturierte und unstrukturierte Daten", wie es heisst.
"Das Data Warehouse muss der KAPO BS das Zusammenführen, Verdichten, Aufbereiten und Speichern von Daten mit heterogenen Datenformaten aus verschiedenen heterogenen Datenquellen ermöglichen", so die Ausschreibungsunterlagen. Aber nicht nur dies, denn die Kapo Bern plant voraus und will fit werden für "Advanced Analytics": Swisscom wird die Plattform und deren Datenmanagement so konfigurieren, "dass künftig Advanced Analytics Lösungen wie Suchanfragen, Prognosen, Lagebilder, sowie Predictive und Cognitive Policing implementiert werden können." Zudem kann die Kapo optional einen erfahrenen Data Scientist des Konzerns hinzuziehen.
Der Rahmenvertrag ‒ Projekt und Wartung ‒ wird über die maximale Laufzeit von 10 Jahren abgeschlossen. Erfolgt keine Einsprache und kann der Vertrag nun unterzeichnet werden, so rechnet die Kapo laut Zeitplan damit, dass der Aufbau SaaS on-premises Ende 2020 abgeschlossen ist, die Vorgangsbearbeitung Ende 2021 umgesetzt wird, und ab 2022 die Phase "Weiterentwicklung Advanced Analytics" beginnen kann.