Seit Mitte Dezember können Reisende im öffentlichen Verkehr mit dem Swisspass ihre Fahrkarten an Automaten, Kassen in Bussen und an Schaltern kontaktlos bezahlen. Hierfür wird die rote Karte wie eine Kredit- oder Debitkarte an das Lesegerät gehalten.
Die Bezahlfunktion kann nur mit Swisspass-Karten der neuesten Generation genutzt werden, die seit Dezember 2022 herausgegeben werden, erklärt Thomas Ammann, Sprecher der Alliance Swisspass, gegenüber der 'Aargauer Zeitung'. Wer noch eine Karte einer älteren Generation hat, erhält
nach der Registrierung für die Bezahlfunktion eine neue.
Mit der neuen Funktion können Volljährige mit einem Bonitätscheck ihre Billette ausserdem später per Monatsrechnung begleichen. Verwaltet wird das vom Schweizer Anbieter für Kauf auf Rechnung MF Group. Andere müssen sich mit der Prepaidfunktion zufriedengeben.
Von physischen zu digitalen Ticketlösungen
Die Lancierung der neuen Funktion steht in Zusammenhang mit einem ÖV-Projekt in Davos. Dort verwendet man im ÖV seit dem 11. Dezember ein neues Ticketsystem namens "Venda". Reisende können ihr kontaktloses Zahlungsmittel beim Ein- und Aussteigen an das Lesegerät in beispielsweise Bussen halten. Der Fahrpreis wird automatisch berechnet, auf Einzeltickets gibt es 20% Rabatt.
Akzeptierte Zahlungsmittel sind Kredit- oder Debitkarten, Mobile-Payment-Systeme wie Google oder Apple und neu nun auch der Swisspass. Venda soll im ersten Quartal 2023 auch in Chur starten und im zweiten Quartal im Oberengadin.
Die neue Swisspass-Ergänzung unterstützt die Branche bei ihrem Ziel, vom Bargeld wegzukommen. Erst letzten Monat hat
die Alliance Swisspass angekündigt: "Wir möchten so schnell wie möglich von Investitionen in physische Ticketlösungen wegkommen." Ab 2035 soll der ÖV-Billett-Verkauf im Normalfall digital erfolgen. Der analoge Vertrieb und seine Infrastruktur seien sehr teuer, die Kosten wolle man deshalb reduzieren. ÖV-Fahren soll so einfach werden wie Autofahren, erklärt René Schmid, Präsident des Strategierats von Alliance Swisspass, in einem Interview mit 'CH-Media'. Im ersten Halbjahr 2023 werde die Vereinigung über die Neuausrichtung informieren.
Kritische Stimmen
Die eingeführte Erweiterung wurde schon
im November 2021 zusammen mit anderen Funktionen angekündigt. Das beunruhigte den Konsumentenschutz: "Der Swisspass bietet mit diesen Erweiterungen Funktionen einer E-ID, obwohl das Volk im vergangenen Frühling eine durch Unternehmen betriebene E-ID deutlich verworfen hatte", schrieb der Konsumentenschutz damals in einer Mitteilung. Die rote Karte wäre zwar kein amtlich anerkannter Ausweis, aber die Richtung sei klar. Man befürchtete, dass private Anbieter nun das Feld besetzen, ohne dass sie rechtliche Vorgaben für den Daten- und Konsumentenschutz einhalten müssen.
Die Alliance Swisspass wehrte sich vehement gegen die Vorwürfe. Es gebe keinerlei Bestrebungen in Richtung E-ID-Einsatz, erklärte Pressesprecher Thomas Ammann damals auf Anfrage von inside-it.ch.